Die Atmosphäre ist eine ganz andere, als seinerzeit, ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl 1998. Die Kollegen des Sterns hatten damals kaum die Aufnahmegeräte in Stellung gebracht, da blaffte Gerhard Schröder ansatzlos in Richtung Joschka Fischer, in einer rot-grünen Koalition müsse schon klar sein, „wer Koch und wer Kellner ist“
Dieser Klassiker, das Koch-und Kellner-Interview von Schröder und Fischer war 15 Jahre später die Vorlage für das Cicero-Gipfeltreffen von SPD-Chef Sigmar Gabriel und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, den beiden Schlüsselfiguren eines etwaigen Rot-Grün II im Bund nach der Bundestagswahl im Herbst 2013. Und hatte nicht auch Gabriel vor einiger Zeit über die Latte-Macchiatio-Grünen geätzt und Trittin sich dessen Einmischungen in grüne Angelegenheit verbeten?
Aber nichts davon. Er sei wohl der „bessere Koch“, meinte Trittin jovial auf die Koch-und Kellner-Frage, und Gabriel fügte hinzu: „Und ich der besser Esser.“ Im übrigen aber begegne man sich „auf Augenhöhe“ und Vergleiche wie jene von Koch und Kellner würden nicht weiterhelfen. Eine klare Distanzierung Gabriels von Schröders Konfrontationskurs gegenüber den Grünen.
„Jürgen“ und „Sigmar“, wie die beiden sich wiederholt ansprachen, machten während des rot-grünen Cicero-Gipfels in der Sache klar, dass sie bereit dafür sind, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen – mit einer ungewöhnlichen Wahlkampfstrategie. Weil die Leute „ganz genau wissen, dass es so nicht weitergeht“, (Trittin) werde Rot-Grün für eine höhere Staatsquote und mehr Steuern für Reiche an den Start gehen.
Eine riskante Strategie, die bisher noch nie funktioniert hat. Als Angela Merkel 2005 mit Hängen und Würgen Bundeskanzlerin einer Großen Koalition wurde, da hatte sie mit der Wahlkampfankündigung einer höheren Mehrwertsteuer keine gute Erfahrung gemacht.
Möglicherweise haben sich die Zeiten geändert. Gabriel jedenfalls macht in dem Gespräch deutlich: „Wir habe ein klares politisches Gegenmodell. Damit werden wir Merkel stellen.“ Und Trittin sieht die Chance auf einen Wahlsieg nach einer Reihe von Wahlniederlagen der Union als gestiegen an. Merkels „Demobilisierungsstrategie“ sei „gerade krachend gescheitert. Norbert Röttgen ist das jüngste Opfer“.
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