Ein Präsident rastet aus, ein Boulevard-Blatt wächst zum Kämpfer für die Pressefreiheit heran: Im Medienzirkus der Politik geht es um Heldenlob und Niedertracht
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Was für ein Spektakel! Der Bundespräsident im Nahkampf mit dem größten Massenblatt der Nation. Das „Liebes-Aus“ – eine der bewährten Schlagzeilen aus dem redaktionellen Dschungelcamp – einer jahrelang gepflegten Beziehung zwischen Christian Wulff und Bild: Derlei bewegt nun die ganze Republik, als hätte eine Schlammlawine das Berliner Schloss Bellevue unter sich begraben.
Die Kollateralschäden der Affäre um einen überforderten Präsidenten und die deutschen Medien sind absehbar. Beide Berufsstände, Politiker und Journalisten, geraten einmal mehr in Verruf. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach einer Lichtgestalt an höchster Stelle. Aber wer wollte sich diesem Getümmel der politisch-publizistischen Klasse noch aussetzen? Genauer, wer wird in Deutschland überhaupt freiwillig Politiker und warum? Wer wird politischer Journalist und weshalb? Und was haben beide Berufsgruppen – zusammen mindestens 110000 Mitglieder in Deutschland – eigentlich miteinander zu tun?
Auf der Prestigeskala der Bürger rangieren sie auf den unteren Rängen. Sind Eitelkeit, Geltungssucht, rhetorisches oder publizistisches Talent ihre einzigen Triebfedern? Sollte in beiden Berufen die gute, alte „Libido dominandi“ eine Rolle spielen? Wahrscheinlich nicht. Wer Kanzler wird, macht sehr schnell eine ernüchternde Erfahrung: „Die Macht ist immer woanders“ (Gerhard Schröder). Das gilt auch für alle Parlamentarier. Und in den Medien lässt sich „Macht“ nur in den seltensten Fällen sehen. Kein Leitartikler der sogenannten Qualitätszeitungen, kein TVKommentator wird davon ausgehen dürfen, auch nur ein einziges Gesetz verhindert oder verändert zu haben.
Die Zeiten, da der Spiegel über einen Skandal Spitzenpolitiker stürzen konnte, sind offenbar vorüber. Die politische Selbstzerstörung des Baron zu Guttenberg war die Folge einer anonymen Gemeinschaftsarbeit von Internetdetektiven. Sie machten dem publizistischen, auch von Bild produzierten, synthetischen Hochglanz-Charisma des Ministers mit den investigativen Methoden des 21. Jahrhunderts den Garaus.
Geht es also beiden, Politikern und Journalisten, nur darum, Einfluss zu nehmen, die Ordnung der Gesellschaft gemeinsam zu gestalten oder zumindest zu bewahren? Gesichertes Einkommen allein kann es nicht sein. Politiker werden abgewählt und haben keinen Kündigungsschutz. Viele Journalisten in den über 350 Zeitungen und unzähligen Magazinen des Landes müssen mehr denn je um ihre Arbeitsplätze bangen.
Einen Augenblick also bitte für die erste Schulstunde in „Gemeinschaftskunde“: Politiker und Journalisten, so ist zu hoffen, motiviert die Sorge um das Gemeinwohl. Es täglich neu zu befördern, bedarf offener Diskussionen in Parlamenten und Medien, die diesem hehren Ziel dienen. Es stimmt ja: Politische Entscheidungen benötigen mediale Erklärungen, damit sie von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert werden, allfällige Enttäuschungen inbegriffen.
Über die goldumrandete Aufgabenteilung der Medien









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