Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Merkels Europa kennt sich nicht

Berliner Republik

So nah, so fremdMerkels Europa kennt sich nicht

Von Cees Nooteboom27. Juni 2012
picture alliance
Cees Nooteboom, Merkel, Euro, Europa
Die Ikonografie der Krise: Ein Graffiti an Thessaloniki zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hörnern und der Unterschrift "Zombienation- Merkelnation"
Schrift:

Von einer Gipfelkonferenz zur nächsten wird die Stunde der Wahrheit verschoben. Angela Merkels Europa ist zwar vereint, aber man kennt einander nicht wirklich

Seite 1 von 4

Die Umlaufgeschwindigkeit ist unvorstellbar. Auf der Spur des Schattens altert die Zeit schnell. Dieses Motto, das dem letzten Buch von Antonio Tabucchi vorangestellt ist, drückt noch am besten aus, was um uns herum geschieht, doch vielleicht lässt sich diese Geschwindigkeit auch an den wechselnden Farben der Jacketts messen, in denen die Bundeskanzlerin auf einem Gipfel nach dem anderen zwischen den grauen oder blauen Anzügen ihrer bedrückten oder nicht bedrückten männlichen Kollegen erscheint. Sorgsam getarnte Turbulenz, lautet die politische Parole, mit der man die reale Turbulenz auf den Märkten, in den Köpfen und den Parteien in den Griff zu bekommen trachtet.

Diese Krise hat ihre eigene Ikonografie, sowohl in Form von Fotos als auch von vernichtenden Karikaturen. Merkel mit preußischem Helm und Eisernem Kreuz, mit Hitlerbärtchen und anderen verderblichen Attributen, die Deutschland am liebsten vergessen würde, Merkel mit einem riesengroßen europäischen Stier auf den Schultern, Merkel mit den unbequemen Herren ihrer mühseligen Koalition, um zu zeigen, dass sie nicht nur nach außen, sondern auch nach innen einen Krieg führen muss, Merkel mit Politikern der anderen Parteien, alle einen Kreis um den zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählten Präsidenten Gauck bildend, der in dieser Gesellschaft aussieht wie der Gefangene von Zenda, Merkel, mit Sarkozy durch die Luft fliegend, und dann wieder Merkel allein, in Schwarz, nachdem sie sich bei den Hinterbliebenen der von Neonazis ermordeten Bürger türkischer und griechischer Herkunft entschuldigt hat.

Verblüffend auch, wie schnell manche Ikonen ungültig werden, Briefmarken, die man nicht mehr verwenden kann, der weggefegte Berlusconi, der ausradierte Zapatero, der aufgelöste Papandreou, drei Könige, die den Stall nicht mehr zu finden vermögen und mit einem Mal den schalen Anstrich von Komparsen bekommen haben, die im neuen Akt nicht mehr mitspielen dürfen. Und dann wieder Merkel, die Cameron den Finger fast schon in den Bauch bohrt, und Sarkozy, der, um Hollande zu besiegen, Anleihen beim geistigen Vokabular der bösen Rechten macht und dadurch in den Karikaturen immer gallischer und hahnenartiger dargestellt wird, der Countertenor der Grande Nation auf einer großen, leeren Bühne, auf der es unangenehm zieht.

Vor über 20 Jahren, als wir das alles noch nicht ahnen konnten und der Euro sich noch im pränatalen Dunkel befand, nahm ich vorläufig Abschied von Berlin und von Deutschland. Ich war vom Getty Center nach Los Angeles eingeladen worden, um dort ein Jahr lang an meinem Buch „Allerseelen“ zu arbeiten, einem Roman über Menschen in Berlin, die hier wie ich die Wende miterlebt hatten, die große Umkehr, die Europa auf dramatische Weise aus dem ihm in Jalta schmerzlich aufgezwungenen Gleichgewicht bringen sollte. Fern von alledem schrieb ich in der lichten Ferne Kaliforniens ein Buch über einen bitterkalten Winter im verschneiten Berlin, ein Buch, das in Deutschland nach wie vor läuft, in England jedoch wie ein Backstein unterging. Das Land war mir ans Herz gewachsen, ich hatte dort Freundschaften geschlossen, die turbulenten Ereignisse hautnah verfolgt und jeden Tag darüber berichtet.

An einem dieser letzten Tage vor meinem Abschied war ich lange durch die schwermütigen Gärten von Sanssouci in Potsdam spaziert, in der untergegangenen Glorie Friedrichs des Großen, die plötzlich auch zur untergegangenen Glorie der DDR geworden war, und ich hatte mehr als genug zum Nachdenken. Die Sowjets waren dabei, ihre Truppen nach Hause zu holen, Europa sah sich auf einmal mit einer neuen Realität konfrontiert, und in so mancher Hauptstadt hat man sich wahrscheinlich, wie ich, in jenen Tagen gefragt, was Deutschland tun würde, wenn es groß wäre. An sich war diese Frage legitim, dazu hatten drei Kriege und Millionen von Opfern beigetragen. Zum soundsovielten Mal in diesem Jahrhundert mussten Europäer über die Geschichte nachdenken und darüber, welche Rolle Deutschland darin gespielt hatte und jetzt möglicherweise wieder spielen könnte. Damals formulierte ich es so: „Kennen wir Deutschland? Kennt es sich selbst? Weiß es, was es werden will, wenn es groß ist?“

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Angela Merkel
Mutti kratzt die Reformkommunistin nicht
von
14.05.2013
Polit-Astrologie
Die Not der Merkel-Versteher
von
14.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
CDU
Bei von der Leyen werden Merkels Waffen stumpf
von
06.05.2013

zum Dossier ESM und Fiskalpakt als Lösung der Finanzkrise?
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Juni 2012
 des Magazins Cicero – Hier bestellen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier
Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Angela Merkel
Mutti kratzt die Reformkommunistin nicht
von
14.05.2013
Polit-Astrologie
Die Not der Merkel-Versteher
von
14.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
CDU
Bei von der Leyen werden Merkels Waffen stumpf
von
06.05.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

20 Gründe, auf den Mars umzuziehen

zur Bildergalerie
Anzeige

Marie Amrhein

Sonntagskolumne: Mein Sozialstaat

Angie, gib' die Wohnung frei

Deutschland ächzt unter akutem Wohnungsnotstand

In Deutschland herrscht akuter Wohnungsmangel. So zumindest wirkt es für die Menschen in den Ballungsräumen der Republik. Und dabei geht es nicht nur um den schönen Altbau mit Balkon im Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzkölln


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Hollandes Offensive kommt zu spät

Frankreichs Staatschef Hollande will eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone. Auf einer…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
16%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
84%
Gesamtstimmen: 682
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang