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Berliner Republik

Merkel geht in WahlkampfoffensiveDie Kümmer-Kanzlerin

Von Christoph Schwennicke2. Juli 2012
picture alliance
Angela Merkel, „Dialog über Deutschlands Zukunft“, Bundeskanzlerin, Buch
„Die ist schon clever, die Dame“: Merkel stellt ihr Buch „Dialog über Deutschlands Zukunft“ vor
Schrift:

Nicht das Vergangene rühmen, sondern die Zukunft gestalten: Im Kanzleramt stellte Angela Merkel ihr neues Buch vor – und eröffnete damit subtil den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013. Das Signal: „Wir kümmern uns.“ Die SPD schaut tatenlos zu und schläft fast ein dabei

Hallo, hallo? Willy-Brandt-Haus, ist da wer? Hört da jemand in der SPD-Zentrale den Schuss, den Startschuss für den Bundestagswahlkampf im Herbst 2013? Nein? Na gut, dann weiterhin einen geruhsamen Schlaf allerseits.

Den 2. Juli 2012 darf man sich im Kalender eintragen. An diesem Tag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den inneren Hebel auf Wahlkampfmodus umgelegt. Während die SPD-Troika in der Kandidatenfrage Ehne-Meene-Muh spielt, hat die CDU-Vorsitzende ihre Wahlkampfmaschine schon geölt und das Ventilspiel richtig eingestellt.

Am Freitag noch Europakanzlerin, die Federn lassen musste in Brüssel und im Bundestag, in dem ihr für den ESM die eigene Mehrheit versagt blieb, lud sie am darauffolgenden Montag um elf ins Kanzleramt. Zur Vorstellung „ihres“ Buches „Dialog über Deutschlands Zukunft“. Der dröge Titel mit Merkel als Herausgeberin lässt noch nicht genau erkennen, dass es sich dabei um die Blaupause des Wahlkampfes der Union handelt. „Wie wollen wir in fünf bis zehn Jahren leben?“, fragt Merkel sich und ihre Bürger. Auf großflächigen Plakaten, die seit kurzem das Merkel-Buch in den Läden garnieren, bekennt sie, dass sie ganz persönlich von dieser Frage umgetrieben wird. Nicht zuletzt deshalb, weil ihre weitere Kanzlerschaft davon abhängt.

Das ist Merkel, die Kümmerin, die sich schon in den vorangegangen Bürgerdialogen, dem aus den USA entlehnten Town-Hall-Konzept, dem Dialog mit den „Menschen“ (Merkel) gestellt hat – mal besser und mal schlechter. Aber insgesamt immer besser.

Flankierend zum Buch und den Bürgerdialogen spannt die Kanzlerin das Bundespresseamt in die Wahlkampfstrategie ein. Das ist zwar eigentlich untersagt, hat aber bisher jede Bundesregierung so gemacht. In den Zügen der Bahn hängt von Garmisch bis Kiel die Broschüre „Politik für alle Generationen“ – ein Leitfaden der so genannten „Demografiestrategie“ der Bundesregierung. Vorne drauf ist ein gemütlich aussehender weißhaariger Opa zu sehen, der seinen beiden Enkeln liegend aus einem Buch vorliest. Ein wohliger Einstieg in eine Lektüre während einer Bahnfahrt, in der die Zeit lang wird. 

Die Botschaft der Broschüre ist die gleiche wie bei Merkels Dialogbuch: Wir kümmern uns um Sie, wir kümmern uns um Jung und Alt, und all die Fragen, die Ihnen unter oder auf den Nägeln brennen. In diese Kümmer-Strategie eingebettet, kann dann das gefährliche Europathema gleichsam in Watte gepackt werden.

Der Slogan „Wie wollen wir leben?“ gehorcht im übrigen einer Grundmaxime des Wahlkampfes: Rühme dich nicht deiner Taten der Vergangenheit, sondern sage, was du in Zukunft zu tun gedenkst. Während sich die SPD noch an den vermeintlichen oder tatsächlichen Fehlern der Kanzlerin in der Europapolitik abarbeitet, geht die Amtsinhaberin mit gefühligem Ton in die Vorlage. Und immunisiert sich so ein Stück weit gegen die Kritik an ihrer aktuellen Politik.

„Die ist schon clever, die Dame“, entfährt es angesichts der Merkel-Strategie einem Haudegen der SPD. Aber das ist die Ausnahme. Der Großteil der Partei, die als einzige einen Gegenkanzler aufbieten kann, verharrt offenbar im Dämmerzustand. Irgendwann geht es dann beim Auszählreim zwischen Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier nicht mehr darum, wer antreten darf.

Sondern darum, wer antreten muss. 

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Der Coup der Kanzlerin - ein billiger Versuch, nicht ernst gemei

Eigentlich ist dieser Dialog für die Kanzlerin eine schallende Ohrfeige gewesen. Da, wo sie ihn mit ausgewähltem Publikum vor Fernsehkameras inszeniert hatte, hatte er wohl mehr den angepassten Unterhaltungscharakter und dort, wo der Bürger sich frei und offen äußern konnte, scheinen dessen Wünsche weit entfernt von dem, womit unsere Kanzlerin in die Zukunft aufbrechen möchte.

Die Legalisierung von Cannabis ist neben 2 Ausländerthemen unter den ersten 3 Vorschlägen, genauer auf Platz 2 gekommen, nachdem sie schon letztes Jahr auf Platz 1 der 30 wichtigsten Fragen der Deutschen war. Hier scheint offensichtlich eine durchaus berechtigte Forderung nach Abschaffung rechtsstaatlich unzulässiger Strafverfolgung schlüssig formuliert, worauf die Initiative zu Recht eine klare und begründete Antwort seitens der Kanzlerin erwartet. Eine solche aber ist sie allem Anschein nach bisher nicht bereit zu geben. Einige der Teilnehmer an der Diskussion beschwerten sich sogar über ideologische Zensur ihrer Beiträge durch das Bundespresseamt, welches die Redaktion des Dialoges im Internet innehatte. Diese konnten zum Teil aber über das Forum des Deutschen Hanf Verbandes trotzdem gelesen werden, da sie dort ebenfalls parallel gepostet wurden und in diesem Forum keine Vorabselektion stattfindet.

Weiterhin schafften es Vorschläge wie die Abschaffung der GEZ und ein sachgerechtes Waffenrecht ebenso unter die ersten 10 Plätze, die die Kanzlerin wohl auch nicht auf Ihrer Zukunftsagenda stehen hat! Eigentlich wurde der Dialog kurz nach Beginn von den Medien und der Politik fast schon beschämt verschwiegen.

Wenn dieser Dialog also der Auftakt zum Wahlkampf von Frau Merkel sein sollte, dann könnte sein Motto wohl so lauten:

"Bürger, ihr könnt fordern, was ihr wollt,
gemacht wird, was ich und meine Partei will!"

Na wenn der Michel dann trotzdem noch 'ja' sagen sollte, dann ist er wohl selber schuld und hat es auch nicht anders verdient!

klartext

  • Antworten
klartext03.07.2012 | 16:03 Uhr

Die Kümmer-Kanzlerin

Das einzige was diese Frau bis jetzt getan hat,ist das Kapital ( Banken usw.) zu retten.Für den Otto normalverbraucher hat Sie überhaupt nichts übrig.
Aber was noch viel schlimmer wiegt,es gibt keine großen Alternativen.
Bei der SPD oder den Grünen (Steinbrück soll Kanzlerkandidat werden, und Trittin Vize) wird es noch viel schlimmer.
Mann kann nur noch sagen gute Nacht Deutschland, und jeden nur raten sich gut vorzubereiten auf den großen Knall.

  • Antworten
Pessimist03.07.2012 | 17:02 Uhr

Für unser Land - der Hanf-Verband!

Ein wirklich existenzielles Problem, die Forderung nach Freigabe von Cannabis, zu dem der Hanf-Verband von der Kanzlerin eine klare Aussage erwartet. Mir stellt sich die Frage, was man geraucht haben muß, um solch ein Thema auf die TOP 3 einer Agenda zu schießen.

  • Antworten
Frederik Weiss04.07.2012 | 11:31 Uhr

Angela Merkel - die späte Rache der DDR an den Wessis

Diese Frau ist sich für nichts zu schade. Das Schmierentheater, das sie mit ihrem sog. Zukunftsdialog abgeliefert hat, grenzt schon an kollektive Körperverletzung. Und jetzt 'krönt' sie diese Dummdreistigkeit am deutschen Michel noch mit einem Pamphlet über die angeblichen Wünsche und Ziele der Deutschen. Seltsam, seltsam - die Auswertung darüber ist doch noch gar nicht abgeschlossen, aber (Stief-)mutti weis schon ganz genau, was der blöde Michel will. Nur zu dumm, das der das selbst nicht weis, sonst hätte er sie schon längst in die hinterste mecklenburgische Provinz zurückgejagt. 19,95 € für das selbstherrliche Geschreibsel? Klopapier ist billiger, brauchbarer und ehrlicher.

  • Antworten
Wutbürger04.07.2012 | 23:22 Uhr

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