In der Berliner Lokalpolitik herrscht Krieg, die Beteiligten dreschen aufeinander ein: Es geht um die Gestaltung des Checkpoint Charlie und die Frage, wie man dem Ost-West-Konflikt gedenken will. Dabei kommen alte Ideologien zum Vorschein - und längst bröckelt der Koalitionsfrieden
Jim Banes ist begeistert. Es ist genau das, was dem Amerikaner noch auf seiner Berlin-Tour gefehlt hat: Ein Erinnerungsfoto am Checkpoint Charlie. Einem anderen Touristen drückt er seine Kamera in die Hand, stellt sich zwischen die Soldaten – knips, fertig. Zwei Euro kostet das Posieren mit den Schauspielern in amerikanischer Uniform vor dem nachgebauten Grenzhäuschen. Natürlich zahlt Jim Banes. Wie viele sich hier fotografieren lassen? „Keene Ahnung“, meint einer der Soldaten. Die Nächsten drängeln – eine spanische Reisegruppe will ihre ganz persönlichen Schnappschüsse. Die Mischung aus Grusel und Geschichtsspuren, aus Disneyland und Siegerpose ist der stärkste Touristenmagnet in Berlin, jedes Jahr lockt er rund vier Millionen Menschen an. Im Minutentakt halten die Reisebussevor am Schild „Sie verlassen den amerikanischen Sektor“. 1962 standen sich hier amerikanische und sowjetische Panzer direkt gegenüber, die Welt stand am Rande eines Weltkrieges.
Seit einigen Wochen herrscht nun in der Berliner Lokalpolitik Kalter Krieg. Munter dreschen CDU und SPD aufeinander ein. Einig ist man sich nur darin, dass es so nicht weitergehen kann. Das Gedenken am Checkpoint Charlie sei nicht „würdevoll genug“ und die ganze Gegend vollkommen kommerzialisiert.
Dabei war die Gestaltung des geschichtsträchtigen Grenzübergangs eigentlich längst entschieden worden. Das Konzept von Berlins ehemaliger Kultursenator Thomas Flierl (PDS) sah neben einer großen Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße vor allem die Errichtung eines Museums des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie vor. Doch die CDU, die derzeit als Juniorpartner der SPD Berlin regiert, will davon nichts wissen. Sie hat sich auf einem Parteitag im Frühjahr mehrheitlich für den leer stehenden Flughafen Tempelhof als Standort ausgesprochen. Es ist ein Konflikt, in dem auch das alte System-Denken wieder zum Vorschein kommt, in dem es darum geht, wer die Guten und wer die Bösen waren – und wer am Ende gewonnen hat.
„Ein neues Museum darf den Kalten Krieg nicht bloß aus westlicher Siegerperspektive beschreiben“, mahnt Professor Konrad Jarausch. Vielmehr müsse der „grundlegende Konflikt des 20. Jahrhunderts dargestellt werden.“ Die Entscheidung der örtlichen CDU spiegele„alte Ideologien“ wider und stehe für die Befindlichkeiten und das Inseldenken Berliner Westens, sagt der Senior Fellow am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Vorsitzende des Vereins, der sich für die Gründung eines neuen Museums einsetzt.
Die CDU wünscht sich nicht nur einen anderen Standort, sie will zugleich den Bestand des Alliiertenmuseums in Dahlem als Grundstock für das neue Projekt verwenden. In Tempelhof kämen die Kriegsfahrzeuge und ein Rosinenbomber besser zur Geltung, findet Stefan Schlede, CDU-Mitglied im Landeskulturausschuss. Selbst der Bund hat sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet: Auch Kulturstaatsminister Neumann (CDU) spricht sich für den Standort Tempelhof aus.
Innerhalb der CDU und bei Opferverbänden gibt es vor allem Bedenken, das Museum des Kalten Krieges könnte, wie es bis dato geplant war, die Schuld der Sowjetunion verharmlosen. Außerdem wird den Christdemokraten eine gewisse Nähe zu den Betreibern des Mauermuseums nachgesagt, das es bereits am Checkpoint gibt. Und so erklärt auch Stefan Schlede: „Mir ist nicht ganz klar, wieso man ein populäres privates Museum durch ein von öffentlicher Hand finanziertes ersetzen muss.“










