Porträt über Monika Grütters. Die Vize-Chefin der Hauptstadt-CDU kann auch zubeißen und ärgert sich über die Verweigerung des kulturellen Angebots durch Berlins Politikelite.
Einmal stand Monika Grütters sogar auf der Titelseite einer Berliner Boulevardzeitung. Die BZ meldete vor zwei Jahren in großen Lettern: „CDU-Chefin von Hund angefallen!“ Ein Irish Wolfhound hatte die Politikerin (übrigens damals wie heute nur Vize-Chefin der Hauptstadt-CDU) beim morgendlichen Joggen am Grunewaldsee angesprungen und zu Boden gerissen. Zurück blieben Blessuren an Händen, Knien und Rücken; immerhin erwies sich der Besitzer des Tieres als hilfsbereit und entschuldigte sich – für die wegen ihrer Renitenz berühmten Berliner Hundehalter längst keine Selbstverständlichkeit. Und weil gegen die Köterlobby in den bürgerlich-westlichen Stadtteilen ohnehin kein Staat zu machen ist, verweigerte sich Monika Grütters einer lokalen Sendeanstalt, die den Vorfall tags darauf groß ins Fernsehen bringen wollte.
Vielleicht wäre auch der falsche Eindruck entstanden, die damals 47Jährige sei ein allzu leichtes Opfer. Was sie gewiss nicht ist: Um sich als gebürtige Münsteranerin in der Berliner Beton-CDU entgegen allen Machostrukturen bis an die Spitze zu kämpfen, muss man auch zubeißen können. Bei Grütters gesellen sich zur Angriffslust allerdings noch ein herber westfälischer Charme, Humor und Hemdsärmeligkeit dazu. Außerdem ist die Frau hochgebildet, kann aus dem Stegreif über Jean Paul oder den deutschen Impressionismus referieren – und kennt den Kulturklüngel in der Hauptstadt bis in seine entlegensten Verästelungen. Für eine Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag ist das gewiss kein Schaden.
Dabei hatte sich Monika Grütters, die den Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf vertritt und hartnäckig gegen dessen proletarisches Plattenbau-Image verteidigt, kurz nach der zurückliegenden Bundestagswahl schon auf ein Leben außerhalb des parlamentarischen Betriebs eingestellt. Sie war zwar die Nummer eins auf der Landesliste und hatte selbst mit 18,1 Prozent im Herzland der Linkspartei ein für die CDU höchst respektables Erststimmenergebnis eingefahren; aber weil überraschend fünf Berliner Kandidaten ihrer Partei direkt in den Bundestag gewählt wurden, sah es für sie am Abend des 27. September 2009 düster aus. Erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages stand fest: Dank eines Ausgleichsmandats reicht es doch.
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