Der bayerische Finanzminister Markus Söder verteidigte den Plan, eine kommentierte Ausgabe zu veröffentlichen. Besonders unter jungen Menschen gebe es eine Anfälligkeit für Extreme. „Wir müssen uns über das Buch auseinandersetzen“, sagte er Cicero. „Es muss entmystifiziert werden.“
Der CSU-Politiker warf der Bundesregierung vor, sich vor der Diskussion um das Hitler-Buch zu drücken. „Beim Thema ‚Mein Kampf‘ soll sich auch der Bund äußern und einbringen. Aber bislang ist da nichts passiert.“ Es sei „ein historischer Zufall, dass das Urheberrecht dazu in Bayern liegt. Aber das kann kein Grund für Berlin sein, sich bei diesem Thema zu enthalten.“
Der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte Andreas Wirsching kritisierte, der Freistaat hätte eine kritisch kommentierte Edition schon sehr viel früher erlauben sollen. In den Neunzigerjahren habe sein Institut vergeblich versucht, eine entsprechende Erlaubnis zu bekommen. „Hätte man ‚Mein Kampf’ damals schon herausgegeben, wäre die Luft aus dem Thema sehr schnell raus gewesen“, sagte der Historiker im Interview mit Cicero. „Das ist jetzt nicht mehr so leicht. Denn nun steht das Auslaufen des Urheberrechts im Raume: Der 1. Januar 2016 wirkt gewissermaßen wie ein Damoklesschwert.“
Den schwierigen Umgang mit „Mein Kampf“ thematisiert Cicero unter dem Titel „Hitlers letzte Bombe – warum ‚Mein Kampf’ freigegeben werden muss.“ Die Frage, ob und wenn ja in welcher Form das Buch veröffentlicht werden soll, ist Titelthema der Novemberausgabe von Cicero. Unter anderem schreibt der Historiker Philipp Blom in seinem Essay: „Höchste Zeit, dieses Machwerk bei Tageslicht zu sezieren, um ihm endlich seine scheinbar dämonische Macht zu nehmen.“











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