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Berliner Republik

KonsumklimaKein Grund für Optimismus

Von Manfred Güllner29. Dezember 2011
picture alliance
Konsumklima, GFK, Manfred Güllner
Die Prognosen der Konsumklima-Forscher haben oftmals wenig Aussagekraft
Schrift:

Vom „Konsumrausch der Deutschen“ ist oftmals die Rede, selbst in Krisenzeiten. Jeden Monat vermelden Nürnberger Konsumforscher meist Positives über das deutsche Konsumklima. Doch die optimistischen Einschätzungen haben mit der Realität oft wenig zu tun

Seite 1 von 2

Zunehmend werden in den deutschen Medien Meldungen über angebliche Befindlichkeiten der Menschen verbreitet, die mit der Realität wenig zu tun haben.

So wurde – trotz vorliegender Umfragedaten, die das Gegenteil zeigten – in der medialen Berichterstattung unterstellt, alle Stuttgarter und die Mehrheit der Baden-Württemberger seien gegen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Erst als nach dem Ergebnis der Volksabstimmung nicht mehr zu ignorieren war, dass außer den Anhängern der grünen Bewegung nur wenige andere Bürger Stuttgart 21-Gegner waren, die Mehrheit aber mit dem Stimmzettel ihrer Wut über die in den Medien gefeierten „Wutbürger“ Ausdruck verlieh, verstummte diese falsche Berichterstattung.

Als ebensolches Zerrbild der Realität erwiesen sich die von Politikern wie Norbert Röttgen für wahr gehaltenen Berichte, nach denen es (so Röttgen) eine klare „Ablehnungsfront“ selbst unter Anhängern der Union gegen die Nutzung der Kernkraft zur Energieerzeugung gäbe und der Beschluss der schwarz-gelben Koalition zur Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke der Anti-AKW-Bewegung neuen Auftrieb gegeben hätte.

Aber auch hier zeigen die Reaktionen der Menschen ein anderes Bild. So profitierte nach der Laufzeitverlängerung im letzten Herbst nicht die grüne Anti-Atomkraft-Bewegung (die Werte der Grünen fielen zwischen Oktober 2010 und März 2011 um 10 Prozentpunkte von 25 auf 15 Prozent), sondern die schwarz-gelbe Koalition der Kernkraftbefürworter (der Wert für CDU, CSU und FDP zusammen kletterte im gleichen Zeitraum um 9 Prozentpunkte von 33 auf 42 Prozent!).

Und die abrupte Kehrtwende in der Energiepolitik nach Fukushima wurde – anders als von vielen Medien und Politikern vermutet – von der Mehrheit der Bürger nicht als vernünftige Umkehr, sondern als übereilte, eher hysterische und vor allem opportunistische Reaktion bewertet. Nicht die auf den vorgeblichen „Mainstream“ eingeschwenkten Regierungsparteien profitierten von dieser Kehrtwende (die Werte für CDU, CSU und FDP fielen wieder von 42 Prozent auf 33 Prozent), sondern die Grünen, die mit Werten von über 25 Prozent drei Monate lang zweitstärkste Partei waren.

Allmonatlich werden von den Medien auch Narreteien aus Nürnberg so vermeldet, als ob sie ein zutreffendes Bild der Realität wären. So waren im Spiegel, Focus oder anderen Medien Ende Dezember unter Hinweis auf das „GfK-Konsumklima“ wieder Aussagen zu lesen, wie „Deutsche ignorieren die Krise (und) lassen sich von den Hiobsbotschaften nicht schrecken. Das Konsumklima bleibt nach Angaben der GfK-Marktforscher stabil“. Oder: „Verbraucher sind trotz Krise zum Fest in Kauflaune; düsterer Konjunkturprognosen und schwelender Schuldenkrise zum Trotz blicken die Deutschen auch weiterhin positiv in die Zukunft“.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum die Befunde aus Nürnberg die Realität meist nicht adäquat abbilden

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