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 > „Die sind von Deutschland ziemlich angepisst“

Berliner Republik
Fischer über Europa

„Die sind von Deutschland ziemlich angepisst“

Interview mit Joschka Fischer 19. Januar 2012
picture alliance
Joschka Fischer, Interview Europa, Euro
Wird heutigen moralischen Standards in der Politik nicht mehr gerecht – Joschka Fischer

Warum wir ein Zweikammersystem in Europa brauchen, der Kommissionspräsident überflüssig und die Occuppy-Bewegung harmlos ist. Ein Interview mit Ex-Außenminister Joschka Fischer

Seite 1 von 4

Herr Fischer, ich muss Ihnen zunächst etwas beichten. Wir sind uns schon einmal begegnet. Vor gut zehn Jahren waren Sie als Außenminister in einer Berliner Talkshow zu Gast. Ich saß im Publikum und habe Sie lautstark als „Kriegstreiber“ beschimpft.
So ist das Leben.

Werden sie heute auch noch beschimpft? Anders gefragt: Vermissen Sie nicht die mitunter harte politische Auseinandersetzung?
Nein, ich bin froh, dass ich aus der Politik draußen bin.

Ist eine Rückkehr in die Politik denn völlig ausgeschlossen? Demnächst wird ja vermutlich in einem berühmten Berliner Schloss wieder etwas frei.
Nein. Ich habe mein Leben so geführt, dass ich den hohen moralischen Standards, die neuerdings an öffentliche Ämter durch die Medien angelegt werden, nicht mehr gerecht werde. Demnächst wird der Bundespräsident über das Wasser wandeln müssen und dann wird man ihn fragen, ob er am Ende den Erwerb dieser Fähigkeit sich nicht hat subventionieren lassen. Ein schwieriges Terrain.

Sie sind zurzeit als Lobbyist und Berater für Unternehmen wie REWE, RWE und OMV tätig. Wie würde der junge Joschka über den heutigen Fischer denken?
Wie das der frühere Joschka Fischer gesehen hätte, das weiß ich nicht. Das müssen sie den früheren Joschka fragen, den gibt es allerdings nicht mehr.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist es auch, sich mit europapolitischen Fragen auseinanderzusetzen. Wie bewerten sie Merkels Euro-Krisenmanagement?
Durchwachsen. Sehr durchwachsen. Alles, was seit dem letzten Gipfel entschieden und angeschoben wurde, hätte bereits vor zwei Jahren auf den Weg gebracht werden können. Klar ist, dass es desaströs wäre, würde der Euro scheitern. Dann nämlich stünde das gesamte europäische Projekt vor dem Aus. Deutschland wäre der große Verlierer eines solchen Szenarios. Wir sind wie kein anderes Land vom europäischen Markt abhängig. Aber die Krise hat klar gemacht, dass die EU zwischen Baum und Borke hängt.

Was hat Angela Merkel falsch gemacht?
Angela Merkel hat sich nicht getraut – und es vielleicht auch nicht gewollt – die Dinge auf den Punkt zu bringen, auf den sie gebracht werden müssten. Sie hat zunächst nicht verstanden, dass eine Stabilitätsunion ohne Transferunion nicht funktionieren wird. Und umgekehrt, dass das große Defizit, die mangelnde politische Union, überwunden werden muss, wenn der Euro überleben soll. Stabilitätsunion, Transferunion, Fiskalunion, politische Union – diese Schritte sind unverzichtbar! Sie hängen natürlich stark von der Bundesrepublik ab, weil wir das wirtschaftlich stärkste Land sind. Ich bin aber froh, dass wir auf dem letzten Gipfel ein Stück näher an die politische Union herangerückt sind.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich Joschka Fischer die Vereinigten Staaten von Europa vorstellt

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Europa

Ich kann dem Joschka nur beipflichten. Schade, dass er nicht mehr in der Politik ist, weil der Mann Format besitzt und einen politischen Instinkt besitzt. Es weiß noch immer, wie der Hase laufen muss. Aber es zeigt sich wieder die Ohnmacht und die Kleinkarriertheit unserer politischen Elite. Keiner kennt das Ziel und den Weg, aber alle laufen blind hinterher.

  • Antworten
Otmar Schütze19.01.2012 | 15:28 Uhr

Europa/Berlin

Obwohl ich Fischer zustimme, dass viele EU-Partner "angepisst" sind, pilgern sie doch zunehmend nach Berlin, um sich dort von Kanzlerin Merkel einnorden zu lassen. http://lostineurope.posterous.com/eu-hauptstadt-berlin
Wie lässt sich das erklären? Fast sieht es so aus, als sei Berlin schon die heimlich Eu-Hauptstadt geworden...

  • Antworten
Eric B.20.01.2012 | 15:43 Uhr

vom Genossen

hätte ich mehr erwartet, echt

  • Antworten
plüschio20.01.2012 | 23:09 Uhr

Anhang / Fischers Price

nicht das der mit seinen Turnschuhen nach mir wirft.... ;)

  • Antworten
plüschio20.01.2012 | 23:38 Uhr

Rom zerbrach ...

an der Komplexität des Römischen Reiches. Kann ein suprastaatliches Gebilde mit dutzenden von Sprachen die notwendigen politischen Prozesse auf Dauer erfolgreich operationalisieren? Werden nicht Sachthemen, wie Korruptionsbekämpfung oder Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch den Nationalismus vielfach gebrochen und verzerrt? Interessant ist ja, dass Frau Merkel inzwischen nur noch vorgeworfen wird das Richtige zu spät getan zu haben und diese unsäglichen Eurobonds, die doch nur ein Mittel sind zukünftigen Generationen noch mehr Schulden aufzudrücken, an das Ende eines Prozesses gestellt werden. Während viele "Experten" diese ja sofort gefordert hatten. Ich glaube man muss in historischen Zeiträumen denken, bis die Vereinigten Staaten von Europa realistisch werden. So hundert bis hundertfünfzig Jahre. Jetzt müssen ersteinmal die Fehler aus den EU-Erweiterungen aus den 80ern und der Euroeinführung aufgearbeitet werden. Die großen Visionen implizieren doch immer wieder eine Generösität, an deren Kosten die Solidarität und damit die EU zerbrechen kann. Gibt es eigentlich schon eine effektive Korruptionsbekämpfung auf europäischer Ebene, die in nationale Gesetzgebung implementiert wurde? Nein? Schade eigentlich, denn Korruption und Vetternwirtschaftgedeiht am Besten in kleinen, trüben Tümpeln. Dies ist nur ein Beispiel. Es müssen noch viele Institutionen geschaffen werden, wie zum Beispiel ein europäisches Finanzamt, das auf internationalem Niveau die Gleichbehandlung der Steuerzahler und - Hinterzieher sicherstellt, bevor an eine Fiskalunion überhaupt zu denken ist.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann21.01.2012 | 00:34 Uhr

Rom zerbrach

Sehe ich genau so.
Diese EU empfinde ich als als ein Bauprojekt, bei welchem in vielen Staaten der EU und auf vielen Ebenen einzelne Gewerke ohne Baubeschreibung und Bauzeichnungen und ohne Koordination einer verantwortlichen Bauaufsicht nach eigenem Gusto fabriziert werden.
Die von vielen geforderte Fiskalunion ist ein neues Beispiel. Hier soll ein Dach entstehen ohne zu wissen, auf welchen Mauern es einmal aufgesetzt werden soll, besser, werden kann.
Noch schlimmer ist allerdings die Tatsache, das die Akteure noch nicht einmal einen Bauantrag des Bauherrn haben.
Persönlich halte ich die Vereinigung der Staaten Europas zu einer Europäischen Union für sinnvoll und unausweichlich. Im Rahmen einer sich unaufhörlich wandelnden Welt, werden die einzelnen europ. Nationalstaaten ohne Veränderung bald zwischen den bestehenden und sich gerade entwickelnden Macht- und Wirtschaftsblöcken zerrieben.
Es war und ist ein kaum zu revidierender Fehler aller meinungsbildender Kräfte, die es versäumt haben, den Gedanken einer Europäischen Union nachhaltig in die Köpfe und Herzen aller Menschen in Europa integriert zu haben. Mit der Einführung des Euro haben zu dem die Verantwortlichen m.E.n. die ungünstigste Startposition gewählt. Niemand wird den menschlich verständlichen Trieb nach Wohlstand, ja sogar Reichtum, ändern können. Erkennen die Menschen eine Gefährdung ihres Bestandes, werden sie sich dagegen wehren. Die Erklärung Fischers, was der Euro bewirken sollte, ist daher sehr dünn und der falsche Ansatz.
So lange die Menschen in Europa, die ich weiter oben Bauherren nannte, dieses Bauwerk nicht wollen, kann daraus auch nichts werden. Sie sind es, die den Bauantrag stellen müssen.

  • Antworten
orcas22.01.2012 | 15:04 Uhr

Ein Nachtrag

Heute morgen lese ich, dass in Griechenland ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten Papandreou, seinen ehemaligen Finanzminister und weitere Personen eingeleitet wurde. Die Regierung soll die grichische Bilanz für 2009 gefälscht haben und dadurch den gang unter den Rettungsschirm erzwungen haben. Wie soll anhand solcher Egoismen ein europäisches Bewusstsein entstehen? Staatlicher Subventionsbetrug in dreistelliger Milliardenhöhe und Deutschland soll sein letztes Hemd verpfänden, weil andere Europäer angepisst sind? Macht macht einsam kann ich dazu nur sagen und Bewunderung und Folgebereitschaft entsteht aus dem Erfolg heraus. Um Erfolg zu haben, darf sich die Politik aber nicht als Tanzbär von Gaunern durch die Manege führen lassen. Lasst sie pissen!

  • Antworten
Christoph Kuhlmann22.01.2012 | 11:36 Uhr

Occupy-Bewegung

Ein Grund weshalb die Occupy-Bewegung harmlos ist, ist der Schuld angerechnet, dass in den Medien hier in Deutschland kaum darüber berichtet wird.
So fand beispielsweise am 15.01.2012 in Düsseldorf ein von der Occupy-Bewegung organisierter Protestmarsch statt und die in Düsseldorf ansässige Zeitung Rheinische Post hat in ihrer online-Ausgabe keinen Satz über den Demonstrationsmarsch sowie die Umstellung des Landtages geschrieben. So nach dem Motto, was nicht in der Zeitung steht, ist auch nicht passiert.

Das war wieder typisch Rheinische Post. Mir ist auffällig, dass von der Rheinische Post immer nur die Banken- und Wirtschaftsinteressen vertreten werden, dabei wird die Dynamik der globalen Protestbewegung für mehr Gerechtigkeit und gegen den Finanzkapitalismus mit großem Engagement immer weiter getragen.
Die Empörung ist nicht mehr aufzuhalten.

Bei dem nächsten Occupy-Protestmarsch werde ich mit meiner Familie wieder mitmarschieren.

Ich danke an dieser Stelle den Organisatoren, der Polizei und den Kontrollkräften, dass der Protestmarsch friedlich und geordnet verlaufen ist.

  • Antworten
Inuk22.01.2012 | 12:30 Uhr

Kinderstube

Na, Fischers Ausdrucksweise ist ja vom Feinsten.

  • Antworten
H. S.22.01.2012 | 20:01 Uhr

ein Nasenbär

Lieber Joschka Fischer, Sie haben da viel Zutreffendes erzählt, aber den deutsch sprechenden Herrn Kauder als Nasenbär zu bezeichnen war das Grössste, obwohl ich nicht weiss, was ein Nasenbär eigentlich ist. Vielleicht sowas wie ein Ameisenbär?

  • Antworten
hanna zweig23.01.2012 | 11:31 Uhr

Fischer

Fischers Joschka fischt alte Fische

ist man Optimist, lacht man über das größenwahnsinnige Verlautbaren dieses Menschen, der glaubt: "Ich höre mich großspurig reden, also bin ich kompetent". - Pessimisen weinen. - Würde ich gegen diesen Pseudowissenschaftler einmal auftreten, würde ich ihm die Hosen und die Ohren stramm ziehen. Danach wäre er daa, was er wirklich ist: Ein nackter Kaiser - mit Gedanken fetzen kostümiert - und - danach - schlappen Ohren. - Aber Fischer redet nicht mit jedem - sicherheitshalber. Sonst bekäme man ja zu hören, wie die Dinge wirklich sind, würden seine Fische als faule Fische geoutet..
Günter Woltmann-Zeitler
Am Kühberg 1
85247 Arnbach
Telef. 08136/808322

  • Antworten
Günter Woltmann-Zeitler23.01.2012 | 14:26 Uhr

Warum?

Warum hat der Mann sein staatsmännisches Selbst erst gegen Ende seiner Tätigkeit entdeckt? Bei keinem anderen Politiker sehe ich einen so starken Wandel von einem "auffällig werdenden" Aktivisten hin zum ruhigen, gemäßigten Staatsmann. Es scheint gar so, er schäme sich fast seiner frühen Jahre, in denen er doch sehr verträumt und weltfremde war...

"Wie das der frühere Joschka Fischer gesehen hätte, das weiß ich nicht. Das müssen sie den früheren Joschka fragen, den gibt es allerdings nicht mehr." - wie soll man das sonst verstehen?

  • Antworten
JSG23.01.2012 | 15:35 Uhr

Citat: "Wie das der frühere

Citat: "Wie das der frühere Joschka Fischer gesehen hätte, das weiß ich nicht. Das müssen sie den früheren Joschka fragen, den gibt es allerdings nicht mehr"
Die irrt der Turnschuh-minister: 1, man muß auch für die eigene Vergangenheit gerade stehen
2, wenn der nicht existiert, kann man ihn nicht fragen ! Der EX-Minister redet MIST

  • Antworten
Stefan25.01.2012 | 13:57 Uhr

Kriegstreiber & Co.

Fischer war nie ein großer Staatsmann, er ist ein Kriegstreiber und Lobbyist, den einzig und allein US amerikanische Interessen am Herzen liegen. Dieser Mann ist vollkommen skrupellos und selbstverliebt. Dies sollte jeder erkennen, der ihn für einen großartigen Staatsmann hält. Der Mann redet nur Mist, vollkommen peinlich, der Interviewer hingegen stellt die richtigen Fragen, sehr gut.

  • Antworten
Daniel Cohn Kinderschreck27.01.2012 | 23:19 Uhr

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