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Berliner Republik

NPD-Aussteiger Andreas Molau„Ich war kein Opfer“

Interview mit Andreas Molau3. August 2012
picture alliance
NPD,rechts,rechte Szene,Rechtsextremismus,Andreas Molau
Wandte sich an das Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes: Andreas Molau
Schrift:

Nach 30 Jahren in der Szene ist mit Andreas Molau einer der bekanntesten Rechtsextremisten Deutschlands ausgestiegen. Im Gespräch mit Cicero Online spricht er über Ein- und Ausstieg, persönliche Tiefpunkte und unheimliche Gedanken

Seite 1 von 3

Am vergangenem Sonntag gab Molau bekannt, dass er im Aussteigerprogramm des niedersächsischen Verfassungsschutzes ist. Molau bekam mit 14 Jahren Kontakt zur NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten, arbeitete später bei der rechten Postille Junge Freiheit, hatte dann Spitzenämter in der NPD und galt als ihr Chefideologe. 2009 wechselte Molau dann zu DVU. Zum Schluss war er bei Pro NRW – einer vom Verfassungsschutz beobachteten rechten Splitterpartei, die in Nordrhein-Westfalen in einigen Kommunalparlamenten sitzt.

Herr Molau, Sie galten als eines der intellektuellen Aushängeschilder der deutschen Rechtsextremisten und sind nun aus der Szene ausgestiegen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Es war ein langer Weg. Ein Schlüsselerlebnis war für mich eine Rede von Udo Pastörs in Saarbrücken. Pastörs schwadronierte von der „Judenrepublik, deren Ende bald kommt“ und ähnlichen Dingen. Ich saß in der ersten Reihe und fand alles, was er sagte, fürchterlich und dachte mir nur noch: Wie komm' ich hier wieder raus? Dafür habe ich dann noch Jahre gebraucht – den endgültigen Schlussstrich habe ich am vergangenen Sonntag gezogen, als ich im NDR meinen Ausstieg aus der Szene und meine Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz bekannt gemacht habe.

Aber Sprüche wie von Pastörs sind doch in der Nazi-Szene nichts Besonderes.
Die Rede von Pastörs stach heraus. So offen wie da wurde der Hass meistens selbst in kleinen Zirkeln nicht ausgesprochen.

Auch von Ihnen gibt es Reden, in denen Sie von „dönerbefreiten Zonen“ und „Zonen ohne Maximalpigmentierten“ schwärmen.
Meine Rede auf dem Neujahrsfest der NPD in Wattenscheid war für mich ein persönlicher Tiefpunkt. Ich war als Redner dort eingeladen und habe Dinge gesagt, die ich nie hätte sagen sollen. Ich weiß, es klingt heute merkwürdig, aber nach dieser Rede, nach solchen Veranstaltungen, habe ich lange gebraucht, um wieder zu mir zu kommen.

Wenn es Ihnen so schwer gefallen ist, wieso haben Sie es dann durchgehalten?
Habe ich ja nicht. Ich bin 2009 aus der NPD ausgetreten und zur DVU gegangen und als die von der NPD übernommen wurde 2010 zu Pro NRW. Da bin ich nur noch mit Bauchschmerzen hin. Ich habe mich bei der DVU und bei Pro NRW als Dienstleister gesehen, der Öffentlichkeitsarbeit macht. Politisch wurde mir das alles immer fremder. Ich bin eigentlich immer ein Individualist gewesen. Mit dem ganzen kollektivistischen Gerede kam ich immer schwerer klar. Und auch die Einteilung der Menschen in Rassen wurde mir mehr und mehr zuwider. Aber ich habe in dieser Szene ja auch gearbeitet und mein Geld verdient.

Geld verdienen kann man auch in anderen Bereichen.
Das habe ich versucht. Ich hatte mit einem Freund eine Werbeagentur. Wir haben Texte für kleine Unternehmen gemacht. Dann stand auf einmal mein Name im Raum und alles war wieder vorbei. Beim Arbeitsamt waren sie zwar sehr nett zu mir, hatten aber auch nichts. Ich möchte jedoch eins klarstellen: Ich war kein Opfer. Ich bin für das, was ich getan habe, selbst verantwortlich. Niemand hat mich gezwungen, in die Nazi-Szene einzusteigen. Das war mein freier Entschluss – ebenso wie mein Ausstieg.

Wie kamen Sie in die Nazi-Szene rein?
In der zehnten Klasse haben die Jungen Nationaldemokraten an unserer Schule Flugblätter verteilt. Unser Sozialkundelehrer hat uns dann aufgefordert, sie alle kollektiv in den Papierkorb zu werfen. Ich habe gesagt, dass ich das nicht tun werde, sondern mich bei denen mal informieren will, was die wollen und wer die sind. Da war auch viel Provokation dabei.

Und die Jungnationalen haben Sie überzeugt?
Sie haben etwas von einer neuen nationalen Idee erzählt, einer Welt ohne Krieg, in der alle Völker ihren Platz haben. Und sie haben gesagt, dass Deutsche und Patrioten verfolgt würden. Das leuchtete mir ein. Mein Fahrrad hatte nach dem Abend bei der JN einen „Ein-Herz-für-Deutschland“-Aufkleber und wurde prompt kaputt getreten. Da war mir klar: Stimmt, wir sind ja diejenigen, die verfolgt werden.

Seite 2: "Ich stelle mir viel mehr Fragen, als ich Antworten habe." 

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interessant!

Spannende Einblicke. Erspart bleiben möge dem intelligenten und sympathischen Herrn Molau ein permanenter Kotau vor der "political correctness". Man soll ihn an seinen Aussagen messen, sie hinnehmen - und ihm helfen, seinen neuen Weg zu finden.

  • Antworten
Bürger04.08.2012 | 01:00 Uhr

Der Preis für Freiheit

In der Politik es zu wie auf einem Hühnerhof. Es ist ein Kommen und Gehen. Die Einen wandern in die Gefriertruhe, die Andern kümmern sich um den Nachwuchs. Nun hat sich Andreas Molau von der rechtsextremen NPD und DVU feierlich verabschiedet. Dafür gebührt ihm Respekt. Nun aber hat er in einem Interview mit Cicero auch gesagt, dass "Markus Beisicht(Pro-NRW-Vorsitzende)ein klassischer Rechtsextremist" sei. Woran er das festgemacht hat, bleibt dem Leser verborgen.

Ich glaube nach diesem Interview mit Andreas Molau wird es keine Rücktritte bei Pro NRW geben. Auch wenn er Herr Molau, die Pro-NRW-Anhängerschaft mit Mandate als nützliche Idioten sieht, "die zum Teil nicht begriffen haben, in welche Richtung der Pro-Zug fährt".
Man muss Andreas Molau zugute halten, dass er jetzt die politische Bühne für immer verlässt. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Das Comeback, des Andreas Molau in die Politik?

  • Antworten
Bart Simpsen05.08.2012 | 11:08 Uhr

Ach der Arme

Das halte ich im Kopf nicht aus - ausser "... das war nicht in Ordnung ..." hat dieser deutsche Akademiker nichts wesentliches zu sagen. Bin mal gespannt, wie dieser Typ wieder mit Steuergelder gefoerdert wird, um ins buergerliche Leben hereinzukommen - waehrend zB aeltere, hochqualifizierte Ingenieure keinen Job finden und ueber ALG 2 Repressionen die Strasse kehren muessen.
Diese BRD ist zum kotzen!

  • Antworten
Ede Hac05.08.2012 | 15:38 Uhr

Wann kommt das Buch?

Ja, wann werden seine Erfahrungen vermarktet und er in den Talkshows herumgereicht? Wie ein denkender 16 jähriger in solche Kreise zu kommen vermag, vermag ich nicht zu verstehen? Hatte ich diese doch eigentlich in der Grundschule durchschaut!

  • Antworten
Konrad B.04.08.2012 | 13:42 Uhr

Werden langsam die VS Männer

Werden langsam die VS Männer abgezogen aus der szene.
Das wird nichts nutzen das Volk hat langsam begriffen um was es geht.
70% meiner bekannten die früher Links gewehlt haben wählen jetzt Konservativ. Hahaha.
Medien,Politik und änhliche Konsorten bald geht es euch an den kragen! Ihr habt nur noch ein weg Asyl bei euren Musseltieren oder benutzt einfach eure Krawatte richtig!

  • Antworten
Anonymus04.08.2012 | 20:20 Uhr

Armseliges Etwas

Solch einen Blödsinn gibt der Cicero Podest?

Der Mann doch offen gesagt:"Wenn ich wieder einen Weg zurück in die Gesellschaft haben will,dann[...]"

Genau das tut er: Euch nach der Schnauze reden und ihr kaltscht seinen Lügengeschichten noch Beifall.

Was ist hier trauriger? Dieser Mann oder die Leute, die sowas noch toll finden?

  • Antworten
Roland Tluk05.08.2012 | 01:14 Uhr

Markus Beisicht ist ein Nazi?

Auf Youtube gibt es Videos, wie Markus Beisicht zusammen mit einen Schwarzafrikaner gegen Islamisten demonstriert. Von Herrn Molau kenne ich nur Youtube Videos, wie er gegen Schwarzafrikaner hetzt. Da stellt man sich die Frage, wer der eigentliche Nazis ist, und ob Herr Molau sich vielleicht schon vor 15 Jahren an den Verfassungsschutz gewendet hat, und nicht erst jetzt.

  • Antworten
Peter Müller05.08.2012 | 09:58 Uhr

Molau VS-Spitzel

Molau hat als VS-Spitzel die rechte Szene infiltriert und mit extremen Meinungen und Sprüchen diskreditiert, so wie es sein Auftrag war. Nun wurde er abgeschaltet, und welch wunder, er hat das ja alles nur gespielt. Seine Ex-Kameraden werden ihn sicher nicht so schnell vergessen.

  • Antworten
Reinard05.08.2012 | 10:34 Uhr

Souilkundelerher (oder wie man das schreibt)

Am besten, nein - am lucidesten - fand ich dem Interview die Stelle, wo der stramme "antifaschistische" Sozialkundelehrer die Schüler auffordert, die NPD-Flugblätter kollektiv in den Papierkorb zu werfen.

Nach diesem Erlebnis hat sich Herr Molau entschlossen, ein strammer Rechtsextremer zu werden.

Jetzt möchte Herr Molau wieder strammer Sozialkundelehrer sein.

Wer schützt uns bloß vor dem Fach "Sozialkunde"?

Ich fürchte - niemand.

  • Antworten
Krischan Piepengruen05.08.2012 | 11:15 Uhr

Daran haben diverse

Daran haben diverse knallharte Rassisten & Rechtsextremisten jetzt schwer zu kauen. Ach wie schoen!

Z.B. PI ist ueber die Molau PI-Beschreibung so gar ungluecklich, da man ihm allzuleider so ueberhauptnicht den typisch linksversifften Stempel aufdruecken kann.
Nur zu hoffen, dass dieser extreme Insider noch wesentlich mehr auspackt.

@ Buerger
Ich halte Molau weder fuer intelligent, und schon ganz und gar nicht fuer sympathisch.
Und wenn er aus seinem Ausstieg etwas sinvolles machen will, sollte man nicht ihn, sondern die von denen er kommt an seinen Aussagen messen.
Sollte er dieser Aufgabe nicht gerecht werden, traue ich ihm weiterhin nicht weiter wie ich Spucken kann.

  • Antworten
Jake05.08.2012 | 18:22 Uhr

Interview Molau, Ich war kein Opfer"

Nein ein Opfer war Herr Molau, den ich persönlich durchaus geschätzt habe, bestimmt nicht.
Er war höchstens grenzenlos naiv als er dachte als Quereinsteiger in der NPD Karriere machen zu können und davon auch wirtschaftlich existieren zu können.
Nach seinem Weg durch die deutsche Rechte von der NPD über die DVU zu Pro blieb ihm jetzt wohl nichts mehr übrig als den Kotau mit allen damit verbundenen Auflagen vor den einschlägigen Behörden zu leisten.
Ich wünsche ihm und seiner Familie alles Gute und wünsche ihm auch die Stärke regelmäßig in den Spiegel schauen zu können.

  • Antworten
Hans Jochen Voss05.08.2012 | 20:05 Uhr

Molau, Molau...

Herr Molau war schon immer ein Wendehals und tief im braunen Sumpf verstrickt. Dass er sich nun rein waschen möchte und PI-News sowie PRO NRW in den rassistischen Dreck wirft, finde ich ziemlich erbärmlich. Das Interview an sich finde ich gut. Sehr mutig von Cicero, einem Mann wie Molau eine Plattform zu geben.

  • Antworten
Daniel Altmann05.08.2012 | 20:26 Uhr

Ich nehme Herrn Molau seinen

Ich nehme Herrn Molau seinen "Austritt" nicht ab. Persönlich denke ich, dass man die NPD und Pro NRW nicht vergleichen kann. Vor allem scheint der Seitenhieb, Beisicht sei ein Rassist als Retourkutsche anzusehen. Warum hat er sich denn mit den "Rassisten" so lange zusammengesetzt? Vielleicht liegt es auch eher daran, dass Beisicht wohl Herrn Molau nahegelegt hat, die Partei zu verlassen...

  • Antworten
Winni05.08.2012 | 21:05 Uhr

Molau erhielt sein Honorar aus den Fraktionszuwendungen.

Dies hätte nicht sein dürfen und er hätte es auf Grund seiner Erfahrungen auch wissen müssen. Aber was solls, die Staatsanwaltschaft hat das u.a. auch nicht interessiert. Eines dürfte aber auch klar sein, Molau wird nicht der letzte sein, der diese Partei verlässt. Jeder, der Beisicht kritisiert und widerspricht wird "entsorgt".

  • Antworten
Pro-Aussteigerin05.08.2012 | 23:17 Uhr

Frage an die zweifelnden Nachtreter

Glauben Sie an die genetische Disposition zum Rechtsradikalismus?
Falls nicht: Wie hätten Sie's denn gern, wenn ein intelligenter Mensch nach Jahren in der Szene zu dem persönlichen Ergebnis kommt, dass *falsch* ist, was er für richtig hielt? Was müsste er tun, um in Ihren Augen glaubwürdig zu sein? Gibt es irgend ein Szenario, das Sie befriedigen würde?

  • Antworten
Felix Hau08.08.2012 | 22:47 Uhr

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