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Berliner Republik

FlüchtlingeHungern ohne Hoffnung am Brandenburger Tor

Von Timo Steppat31. Oktober 2012
picture alliance
Asylsuchende,Flüchtlinge,Brandenburger Tor,Protest,Hungerstreik
Symbolträchtiger Ort: Über eine Woche sind die 20 Flüchtlinge im Hungerstreik
Schrift:

Sie fordern nicht weniger als ein Ende des Abschiebegesetzes: 20 Flüchtlinge sind seit über einer Woche im Hungerstreik vor dem Brandenburger Tor. Vereinzelt geben sich Grüne und Piraten solidarisch. Doch sie wissen, dass die Asylbewerber chancenlos sind

Seite 1 von 2

Hans-Christian Ströbele umkreist die Gruppe erneut, bleibt kurz stehen, hält inne und läuft dann doch weiter. Ein bisschen verloren wirkt das Grünen-Urgestein. Sein Gesichtsausdruck schwankt zwischen Betroffenheit und aufmunterndem Lächeln. „Schlimm“, hört man ihn murmeln. Entweder sie kennen ihn hier nicht oder schenken ihm wie den anderen Politikern, die vorbeischauen, demonstrativ keine Beachtung. Seit acht Tagen sind 20 Asylbewerber im Hungerstreik – auf dem Pariser Platz, direkt vor dem Brandenburger Tor. Zwischen Touristenströmen, Pferdekutschen und Straßenmusikern halten sie Transparente hoch, auf denen Parolen wie „Kein Mensch ist illegal“ stehen. Anfang Oktober waren einige Dutzend Asylsuchende zu Fuß von Regensburg nach Berlin gekommen, mit ihrem Marsch wollten sie Aufmerksamkeit schaffen für die „katastrophale Situation von Flüchtlingen in Deutschland“. Ein Ende der Residenzpflicht, die Anerkennung aller Asylsuchenden und nicht weniger als die Abschaffung des Abschiebegesetzes fordern sie. Die Anliegen haben sich nicht geändert, nur die Mittel mussten sie verschärfen.

„Wir wollten die Regierung unter Druck setzen“, sagt Flüchtling Houmer H. (21). Genau wie seine Mitstreiter nimmt er nur noch Flüssiges zu sich. Die Situation in seinem „Lager“, wie er den Aufenthaltsort während der drohenden Abschiebung bezeichnet, war schrecklich. „Ich wollte etwas tun.“ Er versteht sich als „politischen Flüchtling“, hat Dinge getan, die gegen die iranische Regierung waren, sagt er, – „aber wie soll ich das nachweisen?“ Houmer H. ist aus dem Iran in die Türkei geflohen, kam nach Griechenland, Italien und von dort aus nach Deutschland. Jetzt sitzt er auf dem Pariser Platz. Seit eineinhalb Jahren wartet er auf den Bescheid, ob er bleiben darf oder nicht, ob er zurück muss in den Iran oder zumindest für eine gewisse Zeit in Deutschland bleiben darf. „Eigentlich gibt es mich ja gar nicht“, sagt er. Deshalb falle ihm all das nicht so schwer: Das Hungern, das Ausharren und neuerdings auch das Frieren. Seine Situation sei sowieso ausweglos.

Die Berliner Bezirksverwaltung untersagt der Gruppe die Nutzung von Schlafsäcken, Zelten und Decken. Angemeldet ist der Hungerstreik als Mahnwache und dabei sind derartige Hilfsmittel verboten. Sonst könnte ja jeder eine Zeltstadt auf dem Pariser Patz aufbauen, lautet die Argumentation des Bezirksamtes – Sondergenehmigung abgelehnt. Am Rande des Pariser Platzes stehen drei Einsatzbusse der Polizei. Immer wieder wird kontrolliert, ob die Flüchtlinge sich nicht doch wärmen.

An diesem Tag ist der erste der 20 ins Krankenhaus gekommen. Ohne Essen lässt es sich lange auskommen, nur zehrt die Kälte zusätzlich an den Kräften, meint Dirk Stegemann. Er ist Vollzeitaktivist, setzt sich für die Belange der Asylsuchenden ein und hat die Mahnwache bei der Verwaltung angemeldet. Die Flüchtlinge sitzen auf dem Boden, geschützt nur durch Regenschirme.

Seite 2: Verhandeln auf Augenhöhe

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Man kann natürlich über alles

Man kann natürlich über alles diskutieren, auch über die Abschaffung der "Asyl"gesetze.
Also: jeder, der sich in seinem Heimatland nicht mehr wohlfühlt, aus welchen Gründen auch immer, auch zwielichtigen, kann nach D kommen.
Er hat von vorneherein gesicherten Aufenthalt ohne vorherige Prüfung. Er kann seinen Wohnsitz nehmen, wo er will, muss sich allerdings selbst eine Wohnung suchen, desgleichen eine legale Verdienstmöglichkeit. Unterstützung gibt es dann natürlich nicht mehr.
Staatliche Hilfen erhält nur der, der nachweislich politisch verfolgt wird. Wollen wir das alles? Ist das realisierbar? Welche Folgen hätte es für unser Gemeinwesen?
Oder: alle, die hierher wollen, werden aufgenommen. In den bevorzugten Großstädten werden bequeme und großzügige Wohnungen bereit gestellt., Binnenwanderungen wird nicht kontrolliert, Unterhaltszahlungen immer dort geleistet, wo jemand gerade wohnen will ... wäre das die Lösung?
So schlimm das Schicksal vieler Menschen ist: wenn es keine Regelungen gibt, werden wir überfordert, was zu Fremdenhass führt.
Das will niemand. Also ist der einzige Weg, in den Herkunftsländern auf menschenwürdige Lebensbedingungen hinzuwirken. Das das nicht überall und nicht rasch geht, ist klar.

  • Antworten
Christin01.11.2012 | 17:16 Uhr

Asyl in Deutschland

Ich meine, man soll den Leuten vor Ort helfen, in der heutigen Zeit muss niemand hungern und frieren. Es geht aber nicht an, dass Asylanten den Staat erpressen wollen, in dem sie in den Hungerstreik treten und unberechtigte Forderungen stellen. Wer politisch oder seines Glaubens wegen verfolgt wird, sollte in D nach Prüfung eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhalten. Was wir nicht brauchen können sind Wirtschaftsflüchtlinge, denn irgendwann sind wir überfordert

  • Antworten
Edeltraud07.11.2012 | 12:04 Uhr

Keines der klassischen Einwanderungslaender

wird sich vorschreiben lassen unter welchen Bedingungen Asyl gestattet wird. So sollte es auch in D sein.
Wer ins Land kommt und um Asyl bittet,kann nicht fordern dass ihm/ihr Asyl gegegen wird. Alle Laender haben gewisse Bedingungen und die sollten auch nicht verhandeltbar sein,schliesslich werden Gesetze gemacht um die eigne Bevoelkerung zu schuetzen nicht um Auslaendern,die illegal ins Land kommen, das Leben so angenehm wie moeglich zu machen.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant03.11.2012 | 16:50 Uhr

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