Nach der Wahl in NRW wurde auf Röttgen hart geschossen, von Journalisten, der Opposition, der eigenen Regierungsmannschaft. Dabei fiel vor allem einer ins Gewicht: Horst Seehofer, der statt leerem Hülsengequatsche mit tabuloser Ehrlichkeit überraschte
Da haben sie dem Herrn Röttgen wirklich von rechts und links um die Ohren gehauen. Minutiös aufgerechnet wurden dem einstigen Mustermann nun nach der verlorenen NRW-Wahl dessen Fehler. Die Absender: vor allem natürlich die Journalisten der Republik, selbstverständlich auch die Opposition. Aus der eigenen Regierungsmannschaft aber kamen die richtig harten Schüsse vor den Bug, bevor Chefin Merkel dann zur Hinrichtung schritt.
Es hat ja etwas Befreiendes, zugleich aber irgendwie auch Unheimliches, wenn plötzlich Menschen ihr Innerstes nach außen kehren. Bei Fußballfans zum Beispiel, da ist das an der Tagesordnung – manchmal ein bisschen darüber. Wie vor einigen Tagen in Düsseldorf. Für die dortige Atmosphäre stehen ja eigentlich eher perlenbehängte Blondinen in feinen Boutiquen, der bekannteste Punk der Stadt kleidet sich in feinem Zwirn, grölt nicht, sondern redet vernünftig daher.
Nun sprengten aber die Düsseldorfer alle Anstandsketten als sie vor Ende des Pokalendspiels gegen die trostlosen Herthaner das Feld stürmten. Mancher mag meinen, sie wurden angesteckt von den prolligen Besuchern aus der Hauptstadt. Aber das ist Fußball. So richtig wundert das eben keinen.
Anders der Auftritt von Horst Seehofer, der sich zum Hooligan auf bundespolitischer Bühne aufspielte. Verglichen mit dem gewohnten Hülsengequatsche, das die Zuschauer sonst von ihren Politikern gewohnt sind, hat der CSU-Chef die gesamte Republik mit einer tabulosen Ehrlichkeit überrascht, hieß es hinterher.
Ob er wie all die anderen Politkollegen darauf „eingeschworen sei“, dass die Kanzlerin auch einen Tag nach der desaströsen Landtagswahl von Nordrhein-Westfalen großartig dastehe und alles weitergehen könne, wie bisher, fragte ihn Nachrichtenmann Claus Kleber im abendlichen Nachrichtenfernsehen des ZDF. Seehofer antwortete, dass dem nicht so sei. Allerdings, fand er, solle man „etwas nicht schönreden, was nicht schön ist.“ Das war das Statement im offiziellen Teil des Interviews. Es folgte der inoffiezielle Teil, der, wie von Seehofer im Eifer des Gefechts erlaubt, auch noch gesendet wurde.











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