Mit seinem Verzicht auf die Vorstandskandidatur hat Oskar Lafontaine die Linke in eine schier ausweglose Situation manövriert. Es ist die beleidigte Niederlage eines ebenso ehrgeizigen wie hochbegabten politischen Talents, die für die Partei Folgen haben wird. Ein Kommentar
Als Ferdinand Lassalle, einer der Gründerväter der Sozialdemokratie, in Ronsdorf, einem Städtchen in der „Sektenschlucht“ des Wuppertals, im Jahre 1864 eine (später hoch gerühmte) Rede halten wollte, trugen ihn zwölf weiß gekleidete proletarische Jungfrauen in einer Sänfte auf den Marktplatz. 2000 Menschen hörten zu.
Als „Krönung seines politischen Lebens“ hatte sich Oskar Lafontaine seine unangefochtene Salbung zum Partei-Vorsitzenden der „Linken“ vorgestellt; indes, es kamen weder Sänfte noch Jungfrauen zuhauf, sondern sein altböser Gegner Dietmar Bartsch und mehrere Kandidatinnen: Der ehemalige Oberbürgermeister von Saarbrücken, SPD-Vorsitzende a.D. und Ex-Finanzminister der ersten rot-grünen Bundesregierung, zog sich beleidigt aus dem demokratischen Wettbewerb der „Linken“ zurück – sein persönlicher Rachefeldzug gegen die SPD endete mit der finalen Niederlage eines ebenso hochbegabten wie maßlos ambitionierten politischen Naturtalents.
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Das absehbar kurze Leben der „Linken“ als gesamtdeutsche Alternative zur SPD hatte sich in den letzten Landtagswahlen im Westen der Republik als wahrhaft moribund herausgestellt – zweifellos beschleunigt durch die intellektuelle und ideologische Hilflosigkeit der doppelt besetzten Parteiführung unter Klaus Ernst und Gesine Lötzsch. Der eine kämpfte verbissen gegen die Agenda-Politik der Schröder-Regierung, als sei die Zeit stehen geblieben; die andere hing ihrem naiven kommunistischen Internationalismus an und machte mit Geburtstagsgrüßen an Fidel Castro von sich reden – zwei Vergangenheitspolitiker, denen zur globalen Finanzkrise nicht mehr einfiel als jedem zweiten deutschen Leitartikler. [gallery:Oskar Lafontaine: Das Ende eines Instinktpolitikers]
Wer die endlosen parteiinternen Herrschaftskämpfe der europäischen und amerikanischen Arbeiterbewegung der letzten zwei Jahrhunderte kennt – unter anderem getreu nachgezeichnet in der Korrespondenz zwischen Marx und Engels – erinnert sich an Marx‘ Charakterisierung des englischen Mitgründers der sozialistischen Arbeiterbewegung Englands, Henry Hyndman: „Ein seufzender Bourgeois.“ Der ewig Beleidigte und glanzvolle Redner hatte als begeisterter Lassalle-Fan seine politische Karriere begonnen und nach einer persönlichen Niederlage eine neue, erfolglose Arbeiterpartei, die British Socialist Party, gegründet. Sie verschwand in der Geschichte.
Seite 2: Nur die Medien werden Lafontaine jetzt noch nachtrauern












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