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 > Hitler war doch Demokrat, oder?

Berliner Republik

JugendstudieHitler war doch Demokrat, oder?

Von Dagmar Schulze Heuling13. Juli 2012
picture alliance
schulunterricht,geschichtsunterricht,klassenzimmer,schueler
Je mehr Schüler wissen, desto urteilsfähiger sind sie
Schrift:

Abgesehen von Holocaust und Weltkrieg war doch das Dritte Reich voll okay! Und die Bonner Republik –  diktatorisch? Aus der DDR konnte man bequem ausreisen! Über den erschreckenden Befund bei Schülern, die Demokratie von einer Diktatur nicht auseinanderhalten können

Seite 1 von 4

Dagmar Schulze Heuling ist Mitautorin der Studie „Später Sieg der Diktaturen?“, die kürzlich vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin veröffentlicht wurde

War Hitler ein Diktator? Die Hälfte der deutschen Jugendlichen zweifelt! – so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen zu einer Studie des Forschungsverbunds SED-Staat. Zwar gibt die Schlagzeile nicht exakt die Ergebnisse des Projekts wieder, denn es wurde nicht nach Hitler, sondern nach einer Einschätzung des Nationalsozialismus als Diktatur gefragt. Doch befremdlich sind die Befunde allemal.

So sind 45 Prozent der Jugendlichen der Meinung, die Bundesrepublik sei vor der Wiedervereinigung de facto keine Demokratie gewesen. Für fast genauso viele Befragte stellt die DDR keine Diktatur dar. Warum auch, glaubt doch deutlich mehr als ein Drittel von ihnen, dass individuelle Menschenrechte im Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung gleichermaßen gewährleistet waren.

Zudem kümmerten sich der NS-Staat und die DDR besser um Kinder und Jugendliche als die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung. Nur heute ist alles noch besser. Zwar ist auch das wiedervereinigte Deutschland für rund 30 Prozent der Schüler keine Demokratie, trotzdem fühlen sich die meisten von ihnen hier wohl und beurteilen unterschiedliche Aspekte des Lebens in der Bundesrepublik positiv.

[gallery:Persönlichkeit statt Patriotismus – Die Ahnengalerie deutscher Bundeskanzler]

Sie sehen die Möglichkeit, durch Wahlen Politik mitzugestalten, die Gewährleistung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Möglichkeit der ungehinderten Auswanderung, ja, sie halten sogar ihre Mitmenschen für hilfsbereit und solidarisch. Kurzum: die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen lebt gern in diesem Land.

Dies sind einige der Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojekts, das sich mit den Kenntnissen und Urteilen Jugendlicher über die deutsche Zeitgeschichte beschäftigt hat. Dazu wurden in drei Teilprojekten insgesamt 7.500 Schülerinnen und Schüler befragt.

Einige Klassen wurden dabei mehrfach besucht, um Veränderungen des Wissens und der Einstellungen messen zu können. Neben dem Geschichtswissen sollten vor allem die Vorstellungen und Urteile erhoben werden, die die Jugendlichen von und über vier Systeme haben – den Nationalsozialismus, die DDR sowie die Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung.

Auf der folgenden Seite: Kein Wissen, kein Urteil?

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Prinzipiell ein interessanter

Prinzipiell ein interessanter Artikel - allerdings stört es mich grundsätzlich, wenn Personen über Schule und Unterricht schreiben, die selbst keinerlei Erfahrungen damit haben (bis auf die eigene Schulzeit, aber die kann ich hier nicht gelten lassen - Schule hat sich weiterentwickelt)

Zunächst empfinde ich es als äußerst schwierig, Kindern und Jugendlichen auf nachhaltige Weise die Bedeutung von Freiheit und Demokratie beizubringen, die selbst immer in Freiheit und Demokratie gelebt haben. Ich glaube, dass es lange dauert, bis man diese Konzepte in ihrer Tragweite wirklich verstanden hat. Sicher haben Sie aber damit recht, dass dies offenbar stärker verdeutlich werden müsste im Unterricht - dass es jedoch evtl. gar nicht geschieht (was Sie andeuten) kann ich mir nicht vorstellen.

Dann zu ihrer Kritik daran, dass Schüler heute in erster Linie Kompetenzen erlernen sollen und zu wenig wüssten: Kompetenz bedeutet Wissen + Können, d.h. ohne Wissen geht es gar nicht. Dass wir heute Bildungsstandards haben und keine Lehrpläne mehr haben sich außerdem nicht die Schulen ausgedacht, man sträubt sich dort sogar dagegen.

  • Antworten
Ariane13.07.2012 | 16:48 Uhr

Sehr gehirngewaschen..

..wirken Teile dieses Textes auf mich. Erinnert mich an meine Schulzeit, wo ich im Politikunterricht vor allem gelernt habe, dass Demokratie toll ist (Die Frage „warum“ zu stellen grenzt an Hochverrat) und alles andere schlecht (Die Frage „warum“ zu stellen zeugt von mangelnden Geschichtskenntnissen). Da sind mir die Jugendlichen, die Dingen, die sie nicht verstanden haben, erst einmal positiv gegenüberstehen, sympatischer. Zumindestens sind die offenbar vorurteilsfrei und schlucken nicht alles, was man ihnen eintrichtert.

Eine Diktatur ist nicht per se schlecht und eine Demokratie nicht per se gut. Ja, das Hitler-Regime war zweifelsfrei schlecht. Aber das chinesische Kaiserreich war auch keine Demokratie und das hat immerhin 2000 Jahre durchgehalten, länger als jede Demokratie bisher. Auch in unserem System sollte man nicht blauäugig jede Weisheit als Wahrheit hinnehmen. Vor allem viel mir das hier auf:

„Die meisten wissen nicht, dass Freiheit die Voraussetzung für Frieden und Wohlstand ist“

Wenn ich jeden Menschen in sein persönliches Luxusgefängnis einsperren würde, gäbe es Frieden und Wohlstand, aber keine Freiheit. Klar, das ist konstruiert und unrealistisch - es sollte aber reichen, um zu zeigen, dass diese Behauptung in der Form nicht stimmen kann.

  • Antworten
Maximilian13.07.2012 | 17:18 Uhr

Seltsames Kriterium, wenn

Seltsames Kriterium, wenn Beständigkeit zum obersten Staatsziel wird...
Vor allem aber würde mich interessieren, woher denn der Wohlstand, geschweige denn der Luxus, kommen soll, wenn alle Menschen eingesperrt sind.

  • Antworten
Herrmann13.07.2012 | 21:11 Uhr

Demografie

"Zudem kümmerten sich der NS-Staat und die DDR besser um Kinder und Jugendliche als die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung."

VOR der Wiedervereinigung?

Wemm man sich die flapsigen Kommentare zur heutigen Demografieproblematik ansieht, die zur schlimmsten seit Anbeginn der deutschen Geschichte zählt, kann das nur ein schlechter Scherz sein. Oder?

http://www.morgenpost.de/politik/article107701615/Statistiker-sehen-in-in-weniger-Kindern-kein-Problem.html

  • Antworten
Nobody14.07.2012 | 00:56 Uhr

Schule NRW

Geschichte und Politik in der Sek. I wurden eingedampft. Im Abi gibt es eine Sonderregel, bei der in der Versetzungskonferenz eine Note für den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich gefunden wird. So sind alle drei Fächer, Erdkunde, Politik und Geschichte ein Fach. Seit G8 finden die drei Fächer nur noch epochal statt. Der Output bei Geschichte kennt kein in sich geschlossenes Geschichtsbild, Lücken ohne Ende, es regiert die Oberflächlichkeit, Jahreszahlen, Ereignisse, kein Plan. Wer Geschichte zu einem Spass- und Spielefach degradiert, braucht auch keine studierten Lehrer mehr, nehmt irgendwen, der ist auch billiger! Der kann die Susis dann betreuen, wenn sie sich im Nebenfach vom Hauptfach ausruhen. Abi für alle, am besten mit der Geburt!

  • Antworten
sowi6614.07.2012 | 23:24 Uhr

Ich, als 15-Jähriger Schüler

Ich, als 15-Jähriger Schüler eines Hamburger Gymnasiums, möchte diesen Artikel auch gerne kommentieren.

Zunächst einmal möchte ich kritisieren, dass keine weitreichende Differenzierung zwischen Jugendlichen stattfindet. Es werden hier nämlich alle Jugendliche als unwissend denunziert.
Außerdem kann ich im Artikel keine genaueren Angaben über die Umfrage finden. Schüler welcher Schularten wurden genau befragt? Wie alt sind die Schüler? Gibt es erwähnenswerte regionale Diskrepanzen?

"Erinnert mich an meine Schulzeit, wo ich im Politikunterricht vor allem gelernt habe, dass Demokratie toll ist (Die Frage „warum“ zu stellen grenzt an Hochverrat) und alles andere schlecht (Die Frage „warum“ zu stellen zeugt von mangelnden Geschichtskenntnissen). Da sind mir die Jugendlichen, die Dingen, die sie nicht verstanden haben, erst einmal positiv gegenüberstehen, sympatischer. Zumindestens sind die offenbar vorurteilsfrei und schlucken nicht alles, was man ihnen eintrichtert."

Maximilian, wenn ich ehrlich bin, kann ich es verstehen, wenn Ihre Lehrer damals Zweifel an der Demokratie mitunter als Hochverrat ansehen. Ich als bekennender Patriot sehe das auch ähnlich. Denn bisher hat sich nur die Demokratie als die Staatsform bewährt, in der alle Bürger frei leben können.

"Eine Diktatur ist nicht per se schlecht und eine Demokratie nicht per se gut."

Das sehe ich aber vollkommen anders. Natürlich gibt es Länder, die ihre Diktaturen geschickt als Demokratien tarnen, jedoch sollte man diese Länder dann nicht als demokratisch bezeichnen. Wofür stand denn das zweite D in DDR? Und war die DDR demokratisch? Nein. War sie gut? Nein.

Zur Bedeutung der Freiheit: Mir persönlich ist sie sehr wichtig, jedoch kenne ich auch einige Jugendliche, denen sie egal ist. Hier müssen wir ansetzen, um diesen Jugendlichen die Wichtigkeit dieses Begriffs zu erklären. Das muss nicht nur in der Schule passieren, wo es im Übrigen auch passiert. Sondern in der ganzen Gesellschaft. Das Problem ist nur, dass eine Diskussion um die Freiheit und Demokratie in Deutschland durch die linksextremen Gruppierungen, die über Jahrzehnte heimlich dafür gesorgt haben, dass Patriotismus und Nationalismus von den meisten als synonym verstanden werden, unmöglich gemacht wird, da in einer solchen Diskussion über die deutsche Nation diskutiert würde. Ich habe z.B. schon öfters in meiner Klasse gefragt, wie sie es fände, wenn wir eine Flagge in unsere Klasse aufhingen oder auch wie viele unsere Nationalhymne bei der EM mitgesungen haben. Die Antwort war immer sehr eindeutig. Etwa 95 % der Klasse hatte eine andere Meinung als ich, da sie Angst hatten, als Nationalisten zu gelten. Welche Prozentzahlen glauben Sie, könnten in einem Land, wie z.B. die USA erreicht werden, in dem die Unpatriotischen in der Minderheit sind? Dort kann auch eine Diskussion über Freiheit und Demokratie folglich geführt werden.

Das wurde jetzt ein bisschen mehr als ich erwartet hatte, jedoch wollte ich darlegen, dass die Unwissenheit mancher Jugendlicher nicht nur als Fehlleistung der Schule interpretiert werden darf, sondern auch weitere Faktoren im Spiel sind.

  • Antworten
Florian16.07.2012 | 23:00 Uhr

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