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Berliner Republik

Gauck und die digitale SpaltungHilfe, ich habe Google gelöscht

Von Marie Amrhein4. März 2012
picture alliance
Joachim Gauck, Bundespräsident, Bürgerrechtler, Facebook, Internet
Das Internet, eine „Kulturleistung von historischer Bedeutung“
Schrift:

Joachim Gauck verkörpert eine Obamahaftigkeit, die wir bislang in Deutschland vermissen mussten. Um Deutschland zu vereinen, hat er sich sogar mit dem Internet versöhnt – was viele seiner Landsleute sich nicht zutrauen

Seite 1 von 2

Es gibt nichts, was der Mann nicht kann, möchte man meinen. Noch nicht einmal gewählt, schon avanciert Joachim Gauck zum Heilsbringer auf allen Ebenen. Dieses Obamahafte, das dem zukünftigen Bundespräsidenten anhängt, ist schon etwas Feines.  Das haben wir in Deutschland lange nicht gehabt. Hubertus Heil hat zwar sein Bestes getan, als er im Jahr 2008 auf einem Zukunftskonvent versuchte, mit einem beherzten „Yes we can“ seine sozialdemokratischen Zuhörer auf Linie zu bringen. Das Vorhaben aber scheiterte grandios.

Joachim Gauck aber nimmt man all das ab. Den Pathos eines Landesvaters, den Bürgerrechtler, den Friedensstifter. Und nun auch noch den Internet-Guru. Authentizität ist eine Währung, die im Netz verfängt. Und davon scheint der künftige Bundespräsident genug zu haben. Noch vor eineinhalb Jahren verkündete er zwar in einem Interview, er habe „noch nicht ein einziges Mal Facebook aufgemacht“. Damals hatten seine Fans bei Facebook allerdings bereits mit der Seite „Wir für Gauck“ Furore in seinem Namen gemacht. Seine eigene Facebook-Seite ist auch seitdem online ohne dass sich der Präsident in Spe selber groß mit dem Internet beschäftigt hätte. Dann aber wurde Gauck unverhofft zum Schirmherren des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er wird dieses Amt zunächst ruhen lassen und mit seiner Wahl zum Bundespräsidenten ganz abgeben.

Gemeinsam mit dem DIVSI hat er aber zuvor noch sieben Thesen zum World Wide Web verbreiten lassen. Gauck und seine netzaffinen Kollegen erheben das Internet darin zur „Kulturleistung von historischer Bedeutung“, zu einem Ort wo sich Freiheit aber nur dann entwickeln kann, wenn auch eine gewisse Sicherheit gewährleistet wird. Außerdem sei das „freie und sichere Internet eine wichtige Triebfeder für eine Stärkung der Demokratie in aller Welt“. Es sind Thesen, die direkt aus Gaucks eigener realer Erfahrungswelt stammen. So vermittelt er Authentizität. Und deswegen nimmt ihn die Netzgemeinde auch ernst. Der künftige Bundespräsident hat damit einen weiteren Schritt in Richtung „Einiges Deutschland“ gemacht.

In seinem Amt nämlich wird er nicht nur Ost und West, Eliten und Unterschichten, Rechts und Links zu vereinen haben. Deutschland kämpft mit einer weiteren Spaltung – der digitalen. In seinem Grußwort zu einer gerade veröffentlichten Studie des DIVSI beschreibt er, wie er sich zunächst mit Skepsis an das Thema Internet herangetastet hat, weil er sich nicht für kompetent genug hielt. Dann aber hat sich der 72-Jährige offenbar ein Herz gefasst. Und man muss diesen älteren Herren nun ein weiteres Mal für seinen Mut loben, sich dieser neuen Technik zu stellen. Selbstverständlich ist das nämlich offensichtlich nicht. Viel zu viele nämlich haben sich von der Generation Internet längst abhängen lassen.

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Am Netz kommt niemand mahr vorbei

Vergleiche hinken immer und orientieren auch oft die Debatte in eine falsche Richtung, aber selten war der Graben, der sich zwischen politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen, offiziellen Medien und dem Rest der Gesellschaft zieht, so groß wie heute.
Das, was hier in den leteten 25 Jahren stattgefunden hat, ist praktisch eine Art Gleichschaltung. Nicht eine politisch erzwungene, sondern eher systeminheränte Gleichschaltung bzw. Uniformisierung der Interpretation der politischen Geschehnisse. Diese ist wiederum um so ausgeprägter, als sie sich fast ausschließlich der institionellen Informationen und Daten bedienen. Der traditionelle Mediensektor ist eigentlich nur noch selbstreferentiell: Man berichtet, was berichtet worden ist, was berichtet worden ist, weil es irgendjemand berichten wollte, und es jetzt für alle Ewigkeiten so in irgendwelchen Archiven ist...
Jemand, der heute nicht ins Internet schaut, hat im Grunde gar keine Vorstellung, was sich in diesem Land abspielt. Im Internet findet man natürlich alles: Falsches wie Richtiges, stichhaltige Argumente wie vollkommen aburde Behauptungen; aber wer wirklich wissen will, wie es heute in Deutschland aussieht, ernsthaft Informationen sucht, kommt am Netz nicht mehr vorbei.

  • Antworten
athe04.03.2012 | 14:08 Uhr

Homage an Jo. G. ..., ich kann es nicht besser sagen......!

"Man kann alle Menschen für einige Zeit und einige Menschen für alle Zeit, aber nicht alle Menschen für alle Zeit zum Narren halten."

Abraham Lincoln

  • Antworten
Uwe E. Mertens05.03.2012 | 00:35 Uhr

Worum geht es?

Um Herrn Gauck, die Tante von Frau Amrhein oder den Realsatiriker Hubertus Heil? Und kann Herr Gauck jetzt über den Wassern wandeln?
Kann er auch singen wie früher Walter Scheel?

  • Antworten
Katharina K.11.03.2012 | 06:34 Uhr

gauck(eln)

Mein Kandidat ist und wird er nicht.

1.Ein verwirrter Pastor und Ehebrecher als erster Mann im Staat ?

2. Wie war das mit der Einkommenssteuer ? Herr Gauck legen Sie, sie bitte offen, auch ich habe ueber Million an Steuern bezahlt, haben sie immer Steurerklasse 1 abgerechnet? Ich lass es als dahingestellt und ueberlasse es einer Pruefung !
3. Moral, hier erkennt man einen klassischen Kandidaten von Gruen und Rot und kann erkennen welche moralischen wertmasstaebe beide Parteien haben

Gruesse aus der Karibik

Ich lebe im Ausland, bald igkoniyo, weil man sich las Deutscher langsam laecherlich vorkommt !

  • Antworten
Hartmut Fiedler11.03.2012 | 20:29 Uhr

Er muss sich beweisen

Der Herr Gauck muss sich auf jeden Fall noch beweisen. Mit vielen Ansichten und Taten und auch den Äußerungen zu Google hat er sich nicht unbedingt weitere Stimmen aus den Volk geholt, ganz im Gegenteil.

  • Antworten
Manuel10.05.2012 | 12:57 Uhr

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