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 > Bild ging die entscheidenden fünf Meter weiter

Berliner Republik

Henri-Nannen-PreisBild ging die entscheidenden fünf Meter weiter

Von Christoph Schwennicke18. Mai 2012
picture alliance
Henri Nannen Preis, Bild, Sueddeutsche, Zeitung, Verleihung, Martin Heidemanns, Nikolaus Harbusch
Schmutzfinken? Nannen-Preisträger Harbusch (links) und Heidemanns
Schrift:

Drei Redakteure der Süddeutschen Zeitung heben sich geweigert, den Henri-Nannen-Preis für die beste investigative Leistung zusammen mit zwei Journalisten der Bild-Zeitung anzunehmen. Ihre beiden Argumente sind großer Unsinn. Ein Kommentar

Es ist eine sehr seltsame Debatte, die da geführt wird zur Frage, ob es per se sein kann, dass die Bild-Zeitung einen renommierten Recherchepreis bekommen darf. Die Argumente der Gegner lassen sich so zusammenfassen: Erstens darf ein Schmutzblatt wie Bild nie einen ehrwürdigen Preis bekommen, und zweitens war das keine große Rechercheleistung, sondern ein geschnorrter Scoop.

Beide Argumente sind großer Unsinn. Bild ist nicht für seine Lebensleistung ausgezeichnet worden, sondern für die Meldung über einen fragwürdigen Hauskredit von Christian Wulff. Diese Geschichte löste eine weitere Recherchelawine aus, die den Bundespräsidenten am Ende unter sich begrub.

Ja, es ist richtig, dass der Spiegel die Tür aufgestoßen hatte, durch die die Bild-Leute dann gegangen sind. Ja, der Spiegel hatte lange lange und akribisch recherchiert und sich und damit auch anderen auf dem Rechtswege Einsicht in die entscheidenden Unterlagen verschafft.

Aber dann hat der Spiegel aufgehört, weil ihm die Sache mit dem anonymen Kreditgeber nicht komisch vorkam. Bild aber, Blut in der Nase, setzte nach und hatte Erfolg, sprich: fand heraus, dass es sich um Geld von Herrn Geerkens, einem befreundeten Unternehmer Wulffs handelte.

Ja, der Spiegel hatte hundert Meter mühsam, zurückgelegt, die entscheidenden fünf Meter weiter aber ging Bild. Diesem Umstand die Rechercheleistung abzusprechen ist schäbig. Wenn es einem Forscher eines Tages gelingt, Krebs zu heilen, dann hat er den Nobelpreis für Medizin sofort verdient, obwohl sein Forschungsdurchbruch auf hunderten von Jahren vorangegangener Forschung und den Erkenntnissen tausender Kollegen fußt.

Bildergalerie: Die Bilder zur Wulff-Affäre
  • Bundespräsident, Nachfolger, Christian Wulff, Kredit-Affäre
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Und das Argument, Bild sei zu schäbig, um einen ehrwürdigen Preis fällt auf jene zurück, die es aussprechen. Übrigens sind es durch die Bank Vertreter eine Generation und einer Geistesschule, die bei Bild und Springer immer noch Schaum vorm Mund haben wie tollwütige Hunde.

Auch gegen dieses Argument, nennen wir es das Vollmer-Argument, hilft ein einfaches Gedankenspiel. Nehmen wir an, ein mehrfacher Mörder kommt nach seiner Entlassung an einen Unfallort und rettet einem Schwerverletzten per Erster Hilfe das Leben. Ist er nun ein Lebensretter, oder kann er das gar nicht sein?

Die Geschichte über Wulffs Haus in Großburgwedel war der Scoop des vergangenen Jahres. Bild hat diesen Preis zwangsläufig und zu Recht bekommen. Der Preis  geht nicht in erster Linie an die Bild als Zeitung, sondern an die Rechercheure und Autoren dieser Geschichte. Das ist alles völlig in Ordnung so.

Wäre die Geschichte in den St-Pauli-Nachrichten gestanden oder in Super Illu, dann hätten die St-Pauli-Nachrichten oder die Super Illu diesen Preis ebenso zwangsläufig bekommen müssen.

Cicero-Chefredakteur Christoph Scchwennicke hat diesen Kommentar als Teil der Diskussion des Netzwerkes Recherche verfasst. Die ganze Debatte finden Sie unter www.netzwerkrecherche.de

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Der Spiegel hat auf dem Rechtsweg keinen Einblick in die "entscheidenden Unterlagen bekommen", weil der Name des Kreditgebers/ der Kreditgeberin aus den Grundakten nicht hervorging.

BILD hat im Bundespräsidialamt angefragt, Wulffs Sprecher hat BILD-Reporter Heidemanns den Privatkreditvertrag mit dem Namen Edith Geerkens` am 06.12.2011 vorgelegt. Daran ist nichts "investigativ".

Dass das Geld von Herrn Geerkens gekommen sei, hat nicht einmal die BILD-Zeitung zu behaupten sich erdreistet, das ist nur die Volksverdummung, die der SPIEGEL von Anfang an betrieben hat, um den langjährigen Bekannten des Chefredakteurs Mascolo ins Amt zu hieven.

Dafür ist im preisgekrönten Artikel verschwiegen worden, dass der Name des Kreditgebers von Wulff selbst ohne Zwang preisgegeben wurde, und außerdem hat BILD gelogen, als im selben Artikel behauptet wurde, Wulff hätte erst nach der Landtagsanfrage der Grünen im Februar 2010 Kontakt zur BW-Bank aufgenommen.

  • Antworten
Harald Huesch18.05.2012 | 23:33 Uhr

>>>Auch gegen dieses Argument

>>>Auch gegen dieses Argument, nennen wir es das Vollmer-Argument, hilft ein einfaches Gedankenspiel. Nehmen wir an, ein mehrfacher Mörder kommt nach seiner Entlassung an einen Unfallort und rettet einem Schwerverletzten per Erster Hilfe das Leben. Ist er nun ein Lebensretter, oder kann er das gar nicht sein?<<<

Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

Und ich glaube - natürlich kann ich es nicht beweisen - dass BILD mit Herrn Wulff ein Hühnchen zu rupfen hatte; andfers kann ich mir nicht erklären, dass der Liebling der BILD-Gottheiten plötzlich wegen einer relativen Lapalie abgeschossen wird. Da steckt 'was anders dahinter als der Wunsch und das Ergebnis einer guten Recherche.

Doch, man muss sich fragen, ob BILD grundsätzlich solch einen Preis verdient. Es ist wohl eine neue Marketing-Strategie des Springer Verlages, dass nun BILD (am Sonntag)-Journalisten im seriösen Politik-Jornalismus wildern: Blome gegen Augstein bei Phönix, Backhaus im Presseclub. Da ist 'was im Busch...

  • Antworten
M. Flöger21.05.2012 | 21:41 Uhr

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