Angela Merkel ist gerade die Heidi Klum der Umfragen: Sie hat gute Chancen, eine dritte Runde im Kanzleramt zu drehen. Den Liberalen helfen die guten Werte der Kanzlerin allerdings gar nicht, und auch die SPD präsentiert sich dieser Tage alles andere denn als bissige Opposition
Augenblicklich wird die letzte Runde eingeläutet: Die Kanzlerin und die drei Fragezeichen an der SPD-Spitze sind allesamt wieder zurück in Berlin, bereits im September nächsten Jahres finden Bundestagswahlen statt. Alles kann wahlentscheidend sein, was jetzt noch geschieht. Bevor die Politik also wieder in ihren üblichen Trott verfällt, das Große (Beispiel Energiewende) kleinredet oder (Beispiel: Exporterleichterung für Häuserkampf-taugliche Leopard-Panzer in Krisengebiete) klammheimlich befördert, möchte ich der Frage nachgehen, um was es im September nächsten Jahres doch immerhin geht.
Wenn Angela Merkel es schafft, in welcher Konstellation auch immer – wahrscheinlich erneut an der Spitze einer Großen Koalition – ihr Ziel einer dritten Amtszeit als Kanzlerin zu erreichen, wird sie allein das schon herausheben unter den Kanzlern der Republik. Das und vielleicht noch die Liebe zu Richard Wagners Bayreuth. Das ist nicht nichts.
Sie hat schon den letzten Wahlkampf vollkommen personalisiert und sich als eine Art Heidi Klum der deutschen Politik in Szene setzen lassen, vielleicht ist das Topmodel-Modell aber noch steigerungsfähig? Denn nicht einmal Helmut Schmidt, als Kanzler sicher noch kein Nationalheiligtum wie heutzutage, aber doch schon überaus populär als Projektionsfläche deutscher Erwartungen an „gute Politik“ – nicht einmal Schmidt also überstand mehr als zwei Legislaturperioden. Hinterher seufzte er dann, acht Jahre seien genug, mehr halte ein Mensch in diesem kräftezermürbenden Gewerbe mit dem ganzen Gewicht der Verantwortung auf den Schultern nicht aus.
Einzig Helmut Kohl – an dessen Machteroberung im Oktober 1982 demnächst seine Partei mit viel Pomp erinnern wird – stand sagenhafte sechzehn Kanzler-Jahre als eine Art unverrückbarer Eichenschrank im Amt durch. Gerhard Schröder sorgte nach gut sieben Jahren an der Spitze der rot-grünen Koalition selber für ein geordnetes Ende und öffnete der Großen Koalition mit Angela Merkel die Tür – ich glaube immer noch, wider allen Anschein sogar sehr bewusst, weil er meinte, die Lage des Landes erfordere das.
In der letzten Runde dieser Legislaturperiode geht es also darum, ob diese Regierungschefin und diese Koalition mit ihrer Politik bestätigt werden, ob sie dies verdienen, ob sie überraschenderweise mit einer plausiblen Perspektive für die nächsten Jahre aufwarten oder ob die Opposition hinreichend Format gewonnen hat, um einen großen (rot-grüne Koalition in Neuauflage) oder kleinen Machtwechsel (Große Koalition in Neuauflage) zu erstreiten.
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