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Berliner Republik

BeschneidungGleiche Regeln für alle

Von Philipp Blom3. Oktober 2012
picture alliance
Bundestag,Debatte,Beschneidung,Körperverletzung,Recht,Werte
Nach wie vor umstritten: Im Bundestag wird weiter über die Beschneidung debattiert
Schrift:

Das geplante Beschneidungsgesetz der Bundesregierung stößt auf Widerstand. Cicero-Autor Philipp Blom sieht rechtlich keinen Zweifel: Beschneidung bei einem Kind sei Körperverletzung. Ein Plädoyer für eine konsequente Säkularisierung der Werte

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Selten hat ein Gerichtsurteil ohne unmittelbare strafrechtliche Auswirkungen so viel Entrüstung und so viele Kontroversen verursacht wie das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen. Beide Seiten der daraus resultierenden Debatte haben sich rhetorisch überboten, kein Klischee wurde ausgelassen, von A wie Antisemitismus und Auschwitz bis Z wie Zukunft von Islam und Judentum in Deutschland.

Juristisch gesehen kann kein Zweifel bestehen: Ein medizinisch nicht notwendiger chirurgischer Eingriff an einem Kind ist Körperverletzung, noch dazu, wenn er ohne Narkose vorgenommen wird. Keine Tradition und keine gute Absicht kann das ändern. Es gibt wohl keinen deutschen Arzt, der einem westafrikanischen Kind traditionelle Ziernarben in den Körper ritzen würde, auch wenn die Konsequenzen dieses Eingriffs weniger gravierend sind als die Entfernung der Vorhaut bei einem Jungen – und auch wenn die Eltern meinten, sie würden ihm ein identitätsstiftendes Geschenk machen.

Es lohnt sich daher kaum, die daran anschließenden Argumente noch einmal durchzuexerzieren, denn es geht nicht darum, ob ein beschnittener Mann sexuell eingeschränkt oder im Vorteil ist, was die hygienischen Aspekte sind und ob die Zeremonie von Kindern als traumatisch erfahren wird oder nicht und möglicherweise bleibende psychische Schäden hinterlässt.

Tatsächlich geht es um Machtverhältnisse: die Macht einer Gemeinschaft über ihre Kinder, die Macht einer Gesellschaft über ihre Minderheiten und den Stellenwert von religiösen Überzeugungen und Traditionen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Diese Frage ist in den vergangenen Jahren in verschiedener Form immer wieder aufgetaucht, sei es bei der Debatte um Verschleierung und Burka und das Verbot in Frankreich, im niederländischen Streit um das Schächten von Vieh nach jüdischem oder islamischem Religionsgesetz (das heißt ein Kehlschnitt ohne Narkose, der in anderen Kontexten längst verboten ist) oder in der kürzlich in Deutschland neckisch aufgeworfenen Forderung nach einem Blasphemieverbot.

Diese Scharmützel zwischen religiösen Traditionen und weltlichen Werten stellen einen Kontext her, der hinter den oft hysterisch geführten Teildebatten ein größeres und wichtigeres Thema erkennen lässt: Wie können wir uns Regeln für eine Gesellschaft geben, deren Mitglieder nicht alle dieselbe Tradition haben, dieselben Werte und dieselben Ziele? Was kann und was muss in einer multikulturellen, von Migration geprägten Gesellschaft verbindlich sein und was verhandelbar?

Seite 2: Wie können wir Werte definieren, die für alle verbindlich sind? 

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Religion abschaffen

Sehr guter Artikel! Den Vergleich mit der Straßenverkehrsordnung finde ich sehr gelungen und passt wie die Faust aufs Auge. Jetzt müssten nur noch die richtigen Menschen (die Religiösen) diesen Artikel lesen und verstehen, dann wäre unsere Gesellschaft schon mehr geholfen, als Jesus und Mohammed es jemals getan haben.

  • Antworten
G klein03.10.2012 | 10:48 Uhr

Beschneiden

Haben wir eigentlich keine anderen Sorgen?
Heinrich Heine würde sagen: "Laß die Muslime und die Juden ....."
beschneiden wir lieber die reichen Säcke, nicht ab, auf!
Damit etwas von der überwiegend erzockten Penunze auf die armen Säcke rieselt; denn die Armen sind nicht reich, aber zahlreich!
c - inribonax

  • Antworten
Heinz Boxan03.10.2012 | 11:16 Uhr

die Deutschen und die Juden (und die Muslime)

Für Muslime kann ich nicht sprechen, für Juden schon, für Mediziner auch, denn ich gehöre zu dieser Zunft:
Was fasziniert die Deutschen so sehr an der "Beschneidunbgsdebatte"? Hat jemals einer der engagiertern Beschützer der Ingegrität einen Foetus befragt, ob er wohl lieber abgetrieben wird? Wie in deutschen Medien berichtet wird, nehmen die sog. Spätabtreibungen massiv zu. Woher wissen die für das Wohl der Kinder in diesen Fällen nicht so besorgten, was diese Foeten fühlen, perzipieren, "leiden"? Und weshalb engagieren sich Besagte nicht um die "überflüssigen" Embryonen, die heutzutage zu Hauf vernichtet werden? Ich kann es erraten - Xenophobie, Judenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit ist mit der "Beschneidungsdebatte" gut zu bedienen, Engagement im zweiten Fall eignet sich dafür eben nicht.
Zu fürchten ist, dass Frau Knobloch mit ihrer Frage recht hat - will Deutschland wieder mal judenfrei werden?

  • Antworten
hanna zweig03.10.2012 | 11:58 Uhr

Der Vergleich mit der

Der Vergleich mit der Abtreibung ist die letzte Zuflucht der Beschneidungsfans, wenn ihnen die Argumente ausgegangen sind.

Alles, was dazu zu sagen ist, ist in diesem Text von der Website barreloforanges.com enthalten:

"It is impossible to be pro-life and pro-Circumcision.

The Battle Cry of pro-lifers, ‘Protect the Rights Of The Child!!’ is absolutely resounding and true with Circumcision. Protect the Rights Of The Child, keep him intact, it’s HIS RIGHT to have all his body parts. It is not the right of the mother or the father to take a very valuable and useful portion of his Sexual Anatomy. So if you are pro-life and you circumcise your son, you are a hypocrite.

Pro-choicers, stop patting yourselves on the back because you aren’t off the hook either.

It is impossible to be pro-choice and pro-Circumcision. Your mantra, ‘My body, my choice!!’ also extends to your son. HIS BODY HIS CHOICE. It is not your choice or right to decide if he gets to keep his foreskin. If you have the right to decide what happens to your body, so does your son. If you are pro-choice and you circumcise your son, you are a hypocrite.

It is impossible to be either pro-life OR pro-choice and be pro-Circumcision. I believe I’ve covered the bases."

  • Antworten
sol104.10.2012 | 17:55 Uhr

Was fasziniert uns Deutsche

Was fasziniert uns Deutsche denn nun an der Beschneidungsdebatte? Vielleicht, dass wir uns mit den vielfältigen und lebendig praktizierten Religionen und deren Riten in unserer Gesellschaft nicht auseinandergesetzt haben. Dass wir als mehrheitlich christlich geprägte Gesellschaft uns religiös unverbindlichen Riten wie Weihnachten, Taufe, Konfirmation oder Kommunion, Heirat als Fest bedienen wollen, aber eben nicht religiöse Bindungen eingehen wollen. Dass uns Religion immer fremder wird und wir selbstbestimmt und nicht frembestimmt sein wollen - und diese Werte auch unseren Kindern vermitteln. Und dass wir kein Verständnis für uns fremde religiöse Praktiken haben? Ich finde die Diskussion gut und richtig, ich finde sie muß offen und ohne Stigmatisierung geführt werden, weder sind die Eingen Kinderschänder noch die Anderen xenophob. Nur eine tolerante Diskussionskultur kann Toleranz fördern. Insofern sollten wir alle uns mäßigen und erkennen worum es uns allen geht, nämlich um das Wohl unserer Kinder.

  • Antworten
Marcus Bockelmann06.10.2012 | 22:27 Uhr

Gut, dann spreche ich jetzt

Gut, dann spreche ich jetzt mal Deutsche, Beschneidungsgegnerin, Medizinerin und Frau eines Moslems mit türkischen Wurzeln:
Erstens finde ich das Argument mit der Abtreibung verfehlt.Weil eine Sache falsch oder schlimm ist, wird eine andere nicht besser oder richtiger.
Selbst wenn dieser Eingriff keinerlei Risiko bergen würde( was DEFINITIV NICHT so ist), so ist er eine irreversible Verànderung des Körpers.
Das Ausweichen auf Nebenschauplätze und die unzulässige Vermischung von Recht, Religion, Soziologie,Medizin... sowie der Versuch die Beschneidungsgegner als Antisemiten zu verunglimpfen, ist nicht nur falsch( Es gibt den Gegensatz Deutsche und Moslems/Juden nicht. Viele von ihnen SIND Deutsche!),er ist auch gefährlich.
Ich fühle mich sehr an Aesops Fabel "Der Hirtenjunge und der Wolf erinnert" - wie sie endet, wissen wir alle.
Für meinen Mann, der selbst als Kind beschnitten wurde, ist es selbstverständlich, seinen Söhnen die Wahl zu lassen.
Spiritualität hat keine körperliche Dimension an Dritten.

  • Antworten
e.j.d.08.10.2012 | 14:54 Uhr

Maßlos ...

Herr Blohm, "nichts Neues unter der Sonne", was Sie vertreten, dafür stand schon Mephisto in Goethes "Faust": „Ich bin der Geist der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht Ist werth daß es zu Grunde geht; Drum besser wär’s daß nichts entstünde. So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, Mein eigentliches Element.“
Wo bleibt Ihre Empörung gegen (mindestens die Spät-) Abtreibung? Da greift bestimmt grün-politisch korrekt- offenbar die Annahme "mein Bauch gehört mir", und alles ist gut, oder?
"Konservativ sein heißt..", das sagte (pfui Deibel, ein) Papst Johannes XXIII: "..das Feuer zu hüten und nicht die Asche zu bewahren.". Ein anderer Papst sprach von der "Kultur des Todes", die offensichtlich doch heute vorherrscht und der auch Sie das Wort reden, indem sie das Maß verloren haben und alles für "gleich-gültig" halten. In diesem Sinne sind wir bald bei der Eugenik und Euthanasie, "wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen", in den Niederlanden gelebte Praxis, auch die Briten sind "stolz" darauf, dass ab dem 60. Lebensjahr "nur das Notwendige" von der Krankenversicherung bezahlt wird, wann ist es bei uns in DEU so weit?
Sie und viele Zeitgenossen sind Opfer der falsch verstandenen Aufklärung, in der "alles ist, wie's jedem scheint".
Tendenzen, Traditionen zu zerstören, um einen "neuen Menschen" schaffen zu können, den man, weil dieser bindungslos ist, beliebig manipulieren kann, gab es viele, nach dem Nazismus kamen -unter anderen Vorzeichen- die Grünen, wie wollen Sie sie nennen, diese unsere Zeit?

  • Antworten
Blase03.10.2012 | 20:00 Uhr

Es ist gut

dass der Artikel von den Schlagabtausch-Argumenten abrückt und zur Sache kommt. Allerdings - was ist denn dann der Grundkonsens? Und wie umgehen mit den z.T. fundamentalistisch begründeten Vorstellungen der Religionen, von der Beschneidung mal ganz abgesehen. Die Debatte um homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus der evangelischen Kirche, die zumindest mit Worten bis ans Messer geführt wurde und wird (siehe Sachsen!) zeigt, wie es im Ernstfall aussehen kann.

  • Antworten
hallertauer04.10.2012 | 08:59 Uhr

... das musste ja kommen!

Die Parallele zur Abtreibung musste ja kommen und sie ist nur auf den ersten Blick polemisch. Die Regelung zur Abtreibung sind ein politischer Kompromiss, vor dessen Hintergrund viele andere Regelungen im Gesetzessystem nicht stimmig sind. Man denke nur an das Verbot der Pränataldiagnostik (man darf nicht vor dem Einpflanzen selektieren, aber nach den entwickelten Fötus abtreiben). Das passt in das gesamte Wertesystem nicht herein.
Mit dem Zulassen und Erlauben der Beschneidung aus religiösen Gründen, wird der nächste Fremdkörper ins Rechtssystem gesetzt, denn über folgende Probleme wird man bei dem Gesetzesentwurf nicht hinwegkommen:
- Jungen dürfen beschnitten werden, Mädchen nicht
- wie alt darf eine Religion sein, bis sie an ihren Kindern rumschnippeln oder andere Sachen machen darf (wie wäre es mit Sex mit dem Prister oder der Priesterin als Aufnahme in die Gemeinschaft - könnte man so etwas gründen?)
- Hundeohren und Hundeschwänze dürfen nicht abgeschnitten werden, aber die Vorhaut von Jungen. Schützt die Gesellschaft Tiere mehr als Menschen, oder muss ich nur eine Religionsgemeinschaft gründen, deren Erkennungs- und identitätsstifendes Merkmal die Haltung von kupierten Hunden ist?

  • Antworten
Mitdenker04.10.2012 | 09:44 Uhr

Eine Religion die sich von der Beschneidung

der maennlichen Vorhaut abhaengig macht ist absurd. Vor allem wenn man versteht dass die Mutter juedisch sein
muss um dem Kind das " jüdisch sein" zu garantieren.
Trotzdem Ist es wirklich archäisch im 21.Jahrhundert blutige Rituale zu zelebrieren.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant04.10.2012 | 12:45 Uhr

Körperverletzung

Ich finde es nahezu infantil, Werte und damit auch Religion, der StVO gegenüberzustellen. So kann nur jemand denken, für den Gott (in welcher Religion auch immer) keine Option ist und an dessen Stelle Multi-Kulti-Denken gerückt ist.
D’accord, die Beschneidung, die Grundlage des Bundes der Juden mit Gott, stellt nach dem heutigen Denkschema und auch de facto eine Körperverletzung dar, zu der die Eltern, stellvertretend für den Knaben, ihre Zustimmung geben.
Wie schaut es aber dann auch mit ungezählten Kleinkindern, meist, aber nicht mehr ausschließlich weiblichen Geschlechts, denen die Eltern Piercings oder Tattoos stechen lassen, oder, noch häufiger, die Ohren durchstechen lassen, um dem Kind bereits im vorsprachlichen Kleinstkind Alter Ohrringe zu verpassen?

  • Antworten
esther scheiner04.10.2012 | 16:32 Uhr

Körperverletzung

...ich kenne niemanden der seinem Kind je aus religiösen Gründen die Ohren stechen liess

oder gar tätowieren ließ. Dabei finde ich das entschieden harmloser als einem Baby die Vorhaut
Entfernen zu lassen als Opfergabe zu einem Gott.Das ist doch mehr als mittelalterlich .Allerdings macht sich
ein Land wie Deutschland zur Komiker Nation wenn es die Bschneidung ,die ganz offensichtlich
gegen das GG verstoesst, akzeptiert.
Politiker die das zulassen verlieren jede Glaubwürdigkeit und sind damit unwählbar.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant04.10.2012 | 17:00 Uhr

Klar, man kann alles missverstehen....

Wo habe ich denn was von religiösen Gründen bei Tattoos etc gesagt???
Sie werden es nicht wegdividieren können, dass es dabei ebenfalls um Köperverletzung handelt.
Und Sie werden es auch kaum ableugnen können, dass ein Arzt allemal unter unbestritten hygienischeren Bedingungen arbeitet, als ein meist von Laien geführter Tattoo und Piercing Laden.

  • Antworten
esther scheiner04.10.2012 | 18:05 Uhr

Wenig hilfreich, Herr Blom

Sie sollten einmal unterscheiden lernen zwischen Grundgesetz-Artikel und dem BGB. Die Artikel im Grundgesetz enthalten Menschenrechte, die man grundsätzlich nicht mit Nutzenkalkülen, Säkularität und Konsensdenken begründen kann. Allein schon die Argumentationsrichtung bedroht die Unveräusserlichkeit und Unverletzlichkeit der Menschenrechte, denn Nutzenkalküle und der gesellschaftliche Konsens und Mehrheitsverhältnisse ändern sich mit dem Zeitgeist.

In Europa gibt es mehrere Rechtsphilosophien zur Begründung der Menschenrechte. Nehmen wir z.B. die Naturrechtslehre ud die libertäre Legitimationslinie der Menschenrechte. John Locke begründet die Unverletzlichkeit und die Unveräusserlichkeit der Menschenrechte mit seinem Konzept des Privateigentums. Privateigentum entsteht durch Arbeit. Da Menschen von Gott erschaffen worden sind, ist die Menschheit göttliches Eigentum. Aus diesem Grund darf sich ein Mensch nicht selber in die Sklaverei verkaufen oder Selbstmord begehen, weil das das Eigentumsrecht Gottes verletzen würde. Ebenso kann der Staat Menschen nicht für seinen Nutzen instrumentalisieren, weil Menschen göttliches Privateigentum sind. Die libertäre Naturrechts Philosophie führt die Menschenrechte auf das Privateigentum zurück.

Innerhalb dieses Denk-Rahmens hat die jüdische und die moslemischen Glaubensgemeinschaften also durchaus ein gutes Argument zur Hand. Nehmen wir z.B. den Abrahamsbund mit Jahwe. Die jüdische Gemeinschaft kann durchaus zutreffend argumentieren, dass ein ungleicher Vertrag mit Gott in der Sache der Jungen Beschneidung geschlossen wurde. Das Argument ist mit der Aufklärungsphilosophie vereinbar, weil nach John Locke Jahwe Privateigentümer der jüdischen Jungen ist, und daher Verträge über sie abschliessen kann.

In der BRD können wir die Menschenrechte auf die kosmopolitische Ethik von Immanuel Kant zurück führen. Kant liefert uns mehrere Versionen des kategorischen Imperativs, mit dem wir den ethischen Gehalt der Gesetze prüfen können:

Selbstzweck-Formel:

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“

Das Bundesverfassungsgericht interpretiert den Artikel 1 Menschenwürde im Geiste Kants, was sie mit der sogenannten Objektformel zum Ausdruck bringt:

„Es widerspricht der menschlichen Würde, den Menschen zum bloßen Objekt im Staat zu machen.”

Der Artikel 1 Menschenwürde ist der einzige Artikel im Grundgesetz, der nicht gegen die anderen Grundgesetz Artikel abgewogen wird. Daher sind Versuche unternommen worden, die anderen Artikel aus dem als Axiom gesetzten Artikel 1 abzuleiten. Bisher ist das aber keinem Ethiker oder Juristen gelungen, weil sehr viele Artikel die Existenz eines Staates oder Privateigentum voraussetzen.

Staatenlose oder menschliche Gemeinschaften fallen sofort aus dem Menschenrechts-Anteil des Grundgesetzes. Es gibt keinen universellen Geltungsanspruch des Grundgesetzes, den man konsistent rational herleiten könnte.

  • Antworten
Brandt04.10.2012 | 21:39 Uhr

Kurz zur StVO...usw.

Erstens geht es im wahren Leben nicht nur darum, wer gerade Vorfahrt hat; und zweitens fahren nicht alle an irgendwelchen vorgezeichneten Spuren entlang. Das heißt in einer totalitären Gesellschaft mag das Straßverkehrordnungskonzept ja ausreichen, aber in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft sollte auch einer, der mit zwei Ochsen quer über den Platz läuft, heil ankommen. Und damit ist die StVO heillos überfordert. Man kann ja auch - im richtigen Leben - nicht allen, die sich mit relativ untauglichen Mitteln durchs Leben schlagen müssen, verbieten, weiter am Verkehr teilzunehmen.
Kurz, man kommt hier weder mit der StVO noch mit irgendwelchen Grundsatzdebatten weiter, denn da landet man irgendwann bei Platon, und laut Platon sollte man Kinder sowieso lieber gleich ihren Eltern entziehen. Vielleicht sollte man das irgendwie mal rein menschlich angehen. Einfach mal fragen, wie beschnittene Männer das im Erwachsenenalter empfinden. Und gegebenenfalls das einfach mal akzeptieren - oder auch nicht. Was ja nicht heißt, dass man das nicht vom rein medizinisch hygienischen Standpunkt regulieren kann. Jedenfalls so wie diese Debatte im Moment geführt wird, hat das überhaupt keinen Sinn mehr.

  • Antworten
athe05.10.2012 | 08:48 Uhr

Bronzezeitliche Kulte vs. säkulare Gesellschaft

Ich finde es bedenklich, wie sehr Gleichgültigkeit mit Toleranz verwechselt wird. Kinder müssen prinzipiell vor Körperverletzung geschützt werden.

Man kann auch nicht Unrecht mit Unrecht begründen, wie es der plumpe Abtreibungsvergleich nahelegt.

Tatsächlich zeitigt das öffentliche Dauerbombardement nach Forderungen religiös begründeter Ausnahmeregelungen gegenüber unserer FDGO deutliche Wirkungen. Nach einer Umfrage des ZDF Politbarometers sind 47% (!) der Deutschen für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zugunsten verletzter religiöser Gefühle. Ganz ehrlich: das macht mir Angst. Fast die Hälfte meiner Mitbürger würden ihre Freiheit um des lieben Friedens willen opfern. Katholische Bischhöfe und CSU Abgeordnete verlangen schon in Funk und Fernsehen nach einem Blasphemieparagraphen.

Tatsächlich geht es um einen Wertekonflikt. Was ist für uns verbindlich, unsere weltoffene, freiheitlich demokratische Grundordnung oder weltanschaulich verengte Denk-, und Glaubenssysteme, die unsere Freiheit einschränken wollen und jetzt sogar rechtlich zugesicherten Zugriff auf die Körper ihrer Gläubigen verlangen? Die Neigung viel zu vieler unsere Grundwerte aufzugeben, anstatt sie zu verteidigen, empfinde ich als opportunistisch und rückgratlos. Und ja, es geht um eine Machtfrage.

Ich möchte ihnen in diesem Zusammenhang folgenden Artikel nahelegen:

http://www.zeit.de/2012/39/Seyran-Ates-Interview-Blasphemie

  • Antworten
old-chatterhand05.10.2012 | 09:00 Uhr

Seit wann interessieren sich Deutsche für die Schnäbelchen

von jüdischen Bübchen? Eigentlich gar nicht, es geht ihnen nur darum, das Judentum zu defamieren und delegitimieren.

  • Antworten
Susya Bar Dror05.10.2012 | 16:44 Uhr

Der Staat muss sich um die Schwachen kümmern

@Susya Bar Dror - interessant, dass Sie einen Unterschied zwischen "Deutschen" und "jüdischen Bübchen" machen. Sind diese Kinder keine Deutschen? Es geht darum, dass Kindern etwas aus religösen Gründen abgeschnitten wird, in einem Alter, in dem sie selbst nicht darüber entscheiden können. Zufällig trifft es nun Menschen jüdischen Glaubens und muslemischen Glaubens. Das führt aber eher dazu, dass die Politik schnell mit einer (meines Erachtens offenkundig grundgesezwidrigen Regelung) bei der Hand ist, gerade, weil man sich nicht dem Vorwurf des Antisemitismus ausliefern will.
Ich halte auch Ohrlochstechen oder Tätowieren bei Kindern für daneben und verantwortungsvolle Juweliere machen das auch nicht, ohne den ernsthaften Willen des Kindes zu erfragen. Die körperlichen Folgen sind außerdem nicht vergleichbar. Ohrlöcher wachsen wieder zu, Tätowierungen lassen sich entfernen und der besonders heikle Bereich der kindlichen Sexualiät wird davon überhaupt nicht berührt.

  • Antworten
sunraven05.10.2012 | 17:30 Uhr

Gleiche Regeln für alle

Seit Jahren tauchen bei Konflikten zwischen "religiösen" und "säkulären" Befürwortern eines gegebenen Themas die gleichen Argumente auf, heute allerdings in schärferer und teilweise auch beleidigender Form gegenüber dem Andersdenkenden. Viele Schreiber kennen vermutlich weder das Alte noch das das Neue Testament, auch nicht den Koran, haben anscheinend die "Aufklärer" nicht wirklich gelesen, den Sinn des Grundgesetzes nicht erfasst.
Seltsam ist es doch, dass sich hierzulande die Öffentlicheit nie vorher mit der Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen unter dem Gesichtspunt der evtl. Körperverletzung befasst hat, erst jetzt...
Alle diejenigen, die die Debatte wieder dazu nutzen wollen, eine religionsfreie Gesellschaft zu fordern, d.h. ohne die vorwiegend durch das Christentum begründeten Menschenrechte, sollten sich in den Gesellschaften und Ländern ohne Gott bzw. ohne Christentum umsehen: z.B. Nordkorea, Hitlerregime, Stalindiktatur... islamistisch durchwobene oder hinduistisch geprägte . . . Dass leider auch das Christentum von Machtbesessenen und Fanatikern missbraucht worden ist, ist eine große Schuld und das große Bedauern der Christen, aber nirgends im Neuen Testament werden Gewalt und Unrecht und Diskriminierung gefordert oder gut geheißen. Und alle diejenigen, die meinen, es ginge auch ohne, sind in einer christlich geprägten Gesellschaft aufgewachsen, sonst könnten sie ihre Meinung nicht frei äußern . . .

  • Antworten
Christin05.10.2012 | 18:20 Uhr

@Susya Bar Dror

Das Problem mit den real existierenden Germanen seit Luther und Bismarck ist, dass diese zutiefst "ungläubig" (heidnisch) sind, beginnend mit den Nachfahren von Martin Luther, den missverstandenen "Fundementalkatholen"... Alles, was sich durch diesen wahrlich guten Mann definiert, definiert sich "gegen" (den Katholizismus), was immer das sein kann, es hat, anders "ein Jedes was ist", kein eigenes Sein. Darüber lasst uns reden und streiten ...

  • Antworten
Blase06.10.2012 | 01:00 Uhr

Stand alone and away ..

@old-chatterhand: Seh'n Sie, ich war früher zutiefst "ungläubig", bis mir die dämliche Hetze der germanisch-antikatholischen Revolverblätter wie "Der Spiegel" und "Díe Zeit", welche unter der falschen Flagge der sogenannten Aufklärung segeln, unerträglich wurde, seither bin ich auch nicht mehr deren Abonnent ... und zunehmend (as time goes on) "erzkatholisch", ich war ja als Einzelkind ("ask Freud") wohl schon immer "anders" und ganz sicher immer gegen die allgemeine Verblödung der jeweils sogenannten und allgemeinen Vernunft. Gerade die deutsche Geschichte, seit Bismarck (pfui) und Hitler (dreifach pfui), sollte die Vernunftbegabten unter uns eher zum Katholizismus führen, als von diesem weg. Wenn Sie die Statistikdaten der Weimarer Republik zur Kenntnis nehmen, werden Sie feststellen müssen, ohne dass Sie das wollen, das "der Führer" um so weniger Zuspruch fand, je katholischer das Umfeld war (siehe "Geführte Wege, Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild" von Peter Voswinckel, S. 8-9). Das kann doch auch für die Zukunft kein Zufall sein, oder? Fragen Sie doch gerne Herrn Prof. Neitzel zum Thema "Referenzrahmen". Was sagen denn die fortschrittlichen (gleich-gültigen!) Protestanten insbesondere der amtlichen Landeskirchen! dieses Landes dazu, von den esoterischen Freikirchlern erwarte ich ja gar keine Vernunft?!

  • Antworten
Blase06.10.2012 | 01:38 Uhr

Beschneidung/ Zirkumzision/Tatsachenwissen

Wer einmal sehen möchte, wie eine Beschneidung lege artis durhgeführt wird, sollte auf "Liveleak(DOT)com" das Wort "circumcision" in die Suchmaske eingeben.
Wer nach dem ertragen dieses Filmdokumentes etwas gegen die anstehende Verabschiedung eines Gesetzes zur Legalisierung der Beschneidung tun möchte, sollte sich bei "bundestag(DOT)de" der Petition 26078 anschließen, die leider nur noch bis zum 11.10.2012 zu zeichnen ist.
Wer die Meinung des "Deustchen Aerzteblattes" zum Thema der Beschneidung erfahren möchte, sollte folgende Internetseite besuchen:
aerzteblatt(DOT)de/archiv/61273
Sehr wissenswert ist die dort vertretene Meinung, dass noch nicht einmal sogenannte medizinische Indikationen eine Beschneidung erforderlich machen; so sind Phimosen oft schmerzfrei mit Cortison-Salben behandelbar. Diese Meinung stammt von Ärzten und die kennen sich in diesem Gebiet nun wirklich gut aus.
Übrigens kann man in dem Video zur "circumcision" sehen und hören ,dass die örtliche Betäubung keinen stark schmerzlindernden Effekt hat, das Baby brüllt sich die Seele aus dem Leib, während es mit seinem Gott verbunden wird.

  • Antworten
sanctum.praeputium07.10.2012 | 01:37 Uhr

Art 2. GG

Die Argumentation von Zwangsbeschneidungsbefürwortern mit dem §218 verstehe ich überhaupt nicht.
Wenn man der Meinung ist, dass eine befruchtete Eizelle ein Mensch ist, der durch Art. 2 GG "Recht auf Leben" geschützt ist, wie kann man dann neun Monate später einem Menschen den Schutz durch Art. 2 GG, nämlich "Recht auf körperliche Unversehrtheit" verweigern?
Man kann sicherlich für oder gegen den $218 sein, man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, dass Eltern mit ihren Kindern bis zum 18. Lebensjahr machen können sollten "was sie lustig sind" ("sind ja UNSERE Kinder!!!") aber wie man gegen den §218 sein kann, und für Zwangsbeschneidung - ist mir unbegreiflich. Einfach nur unlogisch.

"Jeder hat das Recht auf Leben UND körperliche Unversehrtheit"

  • Antworten
Horst Faber07.10.2012 | 10:41 Uhr

unfassbar

das macht mich unsagbar wütend ! wie kann sich nur jemand anmaßen Hand an die Körper der Kinder zu legen !? Das ist eine Unverschämtheit ! Wenn es zum Glauben gehört, würdet ihr eueren Kindern auch Arme und Beine abschneiden ?! Mein Gott ! Das sind Lebewesen mit Gefühlen ! Kein normaler Mensch würde seinem Kind wissentlich weh tun, warum dann sowas !? Das ist abartig ! Egal ob da ein Junge oder ein Mädchen beschnitten wird. Solange es nicht medizinisch notwendig ist Finger und Skalpel weg von den kleinen ! Wenn sie alt genug sind (mind 12) können sie selber entscheiden ob sie Beschnitten werden wollen oder nicht !

  • Antworten
danny christ16.10.2012 | 19:59 Uhr

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