Ein schlechter Start, ohne Frage. Aber wer jetzt in der SPD meint, man könne schnell noch den Kanzlerkandidaten austauschen, der sei gewarnt. Die Notbremse macht die Not nur größer. Peer Steinbrück bleibt die beste Wahl für diese Wahl. Ein Kommentar
Neulich hat Peer Steinbrück gesagt, es berühre ihn, dass die SPD sich so um ihn schart in harten Zeiten. Diese Aussage wurde als überraschender Beleg gewertet, dass es sich beim Raubauz Steinbrück um eine durchaus empfindsame Natur handelt. Und als Hinweis darauf, dass es doch noch richtig was werden kann zwischen den „Heulsusen“ (Steinbrück) der SPD und dem Kandidaten.
Der derzeit noch inoffizielle Kanzlerkandidat der SPD sollte sich von den Rührungstränen in den Augen nicht den klaren Blick auf die Dinge trüben lassen. Welche SPD schart sich denn da um ihn, und wer lässt ihn zugleich ziemlich alleine strampeln? Wenn ihm jetzt vor allem die Jusos wie Kätzchen um die Beine streichen, dann ist das kein Grund für Wohligkeit, sondern Anlass zu höchster Besorgnis. Es muss schlimm um einen stehen, wenn die Jusos anfangen zu kuscheln.
Tatsächlich ist der Start des Kandidaten maximal missglückt. Steinbrück wurde wie das letzte Aufgebot der SPD präsentiert, seither stolpert er ohne Konzept und erkennbaren Plan mehr recht als schlecht durch die ersten Wochen. Sein Team wurde zusammengestellt nach dem Prinzip „Verhaftung der üblichen Verdächtigen“, und wo er selbst beim Personal einmal kreativ und innovativ sein wollte, erlag er dem Charme eines, nun ja, Blenders. Nichts wirkt konzertiert, alles zufällig. Auch der Umgang mit der Debatte um Steinbrücks üppige Nebeneinkünfte. Die kollektive Kampfkraft einer SPD-Kampa, das war einmal. [gallery:Macht trifft Moral – Die Lieblingsmärchen der Spitzenpolitik]
So weit, so schlecht.
Und weil der Blues als Grundgefühl (und Arbeiterklagelied) in der SPD zu Hause ist, schwelgen die Sozialdemokraten gerade wieder weidlich in Missmut und Selbstzweifeln. Vielen mangelt es an Leidenschaft, den Kandidaten rauszuboxen. Manche denken sogar das Undenkbare, und das direkt vor dem Nominierungsparteitag des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.
Ein Austausch eines Kanzlerkandidaten ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl? Wäre mal was ganz Neues, oder? So neu dann auch wieder nicht. Ein Blick in die jüngere SPD-Geschichte zeigt: Selbst das Undenkbare ist dort schon geschehen, das nie da gewesene hat bereits stattgefunden in den sturmzerzausten letzten 20 Jahren der Partei.
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