Aufregung um Peer Steinbrück: Nun bezeichnet er die italienischen Politiker Berlusconi und Grillo als „Clowns“. Doch darin steckt mindestens genauso viel Clownerie wie im Auftreten der beiden von ihm gescholtenen italienischen Politiker. Steinbrück verwechselt Geschwätz mit Klartext – mal wieder
Peer Steinbrück hat eine eigenwillige Art, sich ins Gespräch zu bringen. Irgendwie ist das schon fast niedlich. Oder auch bemitleidenswert, zumindest für einen gestandenen Politiker. Mich erinnern seine inzwischen regelmäßigen Entgleisungen nämlich an ein kleines Kind, das Aufmerksamkeit zu erregen sucht, indem es am Mittagstisch ständig „Kacke“ schreit und sich wie Bolle auf die entgeisterten Blicke seiner Eltern freut.
Erwachsenen ist bekannt, dass sich diese infantile Provo-Masche irgendwann abnutzt und man als Erziehungsberechtigter am besten darauf reagiert, sie gar nicht erst zu beachten. Das eigentliche Drama des SPD-Kanzlerkandidaten ist freilich die permanente Erregungsbereitschaft der medialen Öffentlichkeit, die den Mann immer wieder zu neuen Verbalinjurien anstachelt.
Steinbrück ist inzwischen gefangen in einer „Pipi-Scheiße-Kacka“- Endlosschleife, die er – aus der Not eine vermeintliche Tugend machend – als „Klartext“ präsentiert. Darin steckt mindestens genauso viel Clownerie wie im Auftreten der beiden von ihm gescholtenen italienischen Politiker. Aber im Gegensatz zu Silvio Berlusconi und Beppe Grillo führen seine Eskapaden nicht einmal zu Beliebtheitszuwächsen, sondern dem genauen Gegenteil. Vom Ergebnis her taugt Klartext-Peer allenfalls zum traurigen Harlekin.
Grillo, der ehemalige Fernseh-Komiker, kann zu Recht von sich behaupten, ganz Europa zittere vor ihm. Vor Steinbrück zittern allenfalls seine eigenen Genossen, die den ausgemachten Blödsinn ihres Kanzlerkandidaten auch noch verteidigen müssen. Verhaltensökonomen sprechen in solchen Fällen von „sunk cost fallacy“: Eine getätigte Investition wird auf Biegen und Brechen fortgesetzt, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass aus dem Projekt nichts Vernünftiges mehr werden kann. Schuld daran sind die bereits getätigten Aufwendungen („versunkene Kosten“), die sich nicht mehr zurückholen lassen. Ungefähr so, wie beim Stuttgarter Bahnhofsprojekt. Und die Sozialdemokraten haben bereits dermaßen viel Nerven in ihr „Peer 21“-Vorhaben investiert, dass sie jetzt nach der Methode „Augen zu und durch“ operieren. Wohl wissend, dass am Ende eine krachende Niederlage steht.











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