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 > Gabriel zetert, Merkel handelt

Berliner Republik

CDU und SPD im VorwahlkampfGabriel zetert, Merkel handelt

Von Christoph Seils21. Mai 2012
Picture Alliance
Angela Merkel, Sigmar Gabriel, große Koalition, Bundeskanzlerin, CDU, SPD
Merkel in der Defensive, Gabriel tief verunsichert
Schrift:

Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat der Bundestagswahlkampf begonnen. Merkel demonstriert nach dem Wahldesaster eiskalt ihre Macht. Die SPD-Troika hingegen wirkt trotz Wahlsiegs in Düsseldorf ratlos. Vielleicht wünschen sich die Sozialdemokraten irgendwann, sie hätten in NRW nicht gewonnen

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Der Donnerhall der kleinen Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen ist längst noch nicht verklungen. Intensiv werden in der CDU und der SPD mittlerweile die Konsequenzen diskutiert. Am Wahlabend waren die Emotionen noch klar verteilt, die Sozialdemokraten jubelten, feierten ihre Wahlsiegerin Hannelore Kraft. Die Christdemokraten hingegen blickten entsetzt in einen politischen Abgrund.

Doch mittlerweile zeigt sich, die Wähler haben beiden großen Parteien fünfzehn Monate vor der Bundestagswahl 2013 vor eine ziemlich komplexe Aufgabe gestellt. Die Mitglieder von CDU und SPD sind gleichermaßen tief verunsichert. Die Funktionäre streiten um den richtigen politischen Kurs. Zwar kann bis zum Wahltag noch viel passieren, aber wer jetzt entscheidende strategische Fehler macht, gerät frühzeitig ins Hintertreffen. Der Vorwahlkampf hat begonnen und die Startbedingungen könnten für CDU und SPD nicht unterschiedlicher sein.

Für die SPD ist es gar nicht so einfach, den Rückenwind von Nordrhein-Westfalen im Bund zu nutzen. Die K-Frage lähmt die Genossen. Der Erfolg von Hannelore Kraft hat die innerparteilichen Machtverhältnisse verschoben, die Parteilinke wittert Morgenluft. Keiner der drei möglichen Kanzlerkandidaten Gabriel, Steinmeier oder Steinbrück strahlt unbedingten Siegeswillen aus und derzeit lässt sich kein Szenario vorstellen, bei dem die SPD mit der Nominierung eines Kanzlerkandidaten politisch in die Offensive kommt. Stattdessen zetert der Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel über die „Selbstblockade“ der Bundesregierung, fordert hilflos Neuwahlen und offenbart so die strategische Ratlosigkeit der Opposition.

[gallery:Die SPD sucht einen Kanzlerkandidaten – das Casting in Bildern] 

Ganz anders die CDU, sie ist zwar in der Defensive. Die Zusammenarbeit mit CSU und FDP in der Bundesregierung funktioniert alles andere als reibungslos. Konservative Christdemokraten klagen lautstark über den vermeintlich sozialdemokratischen Kurs der Kanzlerin. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat der Partei zudem vor Augen geführt, wie schnell sie in der Wählergunst abstürzen kann.

Aber gleichzeitig hat die CDU-Vorsitzende Angela Merkel in der vergangenen Woche demonstriert, worin ihr entscheidender strategischer Vorteil gegenüber der SPD besteht. Als Bundeskanzlerin besitzt sie die Richtlinienkompetenz in der Regierung, als Bundeskanzlerin kann sie handeln. Und sie scheint zum Handeln bereit zu sein. Schnell hat Merkel erkannt, dass das Debakel der CDU in Nordrhein-Westfalen auch für sie ein Problem ist.

Der Röttgen-Rausschmiss mag also eine Verzweiflungstat gewesen sein. Aber er war zugleich eine Demonstration ihrer Macht, die beim Wähler Eindruck hinterlassen wird. Zwar klagen manche Christdemokraten nun über die menschliche Kälte, mit der Merkel ihren Minister abserviert hat. Aber das wird bald vergessen sein. Vor allem dann, wenn der Nachfolger Peter Altmaier neue Akzente bei der Umsetzung der Energiewende setzt.

Der CDU bleibt zudem gar nichts anderes übrig, als Merkel zu folgen, die eigenen Reihen hinter ihr zu schließen. Sie ist die beliebteste Politikerin der CDU und genießt weit über die engere Anhängerschaft der Partei bei den Wählern hohes Ansehen. Als eine Art deutsche Kanzlerpräsidentin scheint sie über dem schwarz-gelben Parteiengezänk zu stehen. Im Bundestagswahlkampf 2013 soll und muss Merkel die CDU ziehen. Wie wahlentscheidend ein populärer Spitzenkandidat sein kann, auch das hat die CDU bei der Landtagswahl in NRW leidvoll erfahren müssen.

Warum Rot-Grün im Vorwahlkampf keine Chance hat...

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Nahendes Ende

Dies Frage kann man ja stellen, und auch Neuwahlen fordern. Offensichtlich ist der Zeitpunkt aber nicht richtig kalkuliert. Die Kanzlerin wird zäh an der Macht festhalten und sie ihr zu entreißen, wir bestimmt ein hartes Stück Arbeit. Sie kämpft ja nicht um die FDP oder um Seehover, sie kämpft um ihrer selbst Willen. Die Macht scheint süß zu sein und sie hat inzwischen trotz aller ihrer Fehlannahmen und Verluste auch Härte gezeigt. Vielleicht möchte sie die ewige deutsche Kanzlerin werden? Mit einem Aufruf zum Rücktritt ist da kein Erfolg zu erzielen. Da müssen andere Geschütze angefahren werden und im Falle des Falles, halten sich Ohnmächtige aneinander fest.

  • Antworten
Otmar Schütze21.05.2012 | 13:33 Uhr

Blaupausen für die Regierung

Die Kanzlerin handelt, Gabriel zetert, schreibt Christoph Seils. Nun kann man sich bei Gabriel auf eins immer verlassen: Auf die Konstanz seiner Standardsätze. Langsam merkt auch er wie schwer es ist damit Opposition zu betreiben ist. Dazu kommt dass der Opposition Handeln im Sinne der Regierung nicht erlaubt ist, das ist wohl wahr. Alles was die Opposition tun kann, sind die Blaupausen für die Regierung zu erstellen, mehr nicht.
Ob die nicht angenommenen Vorschläge zu einer besseren politischen Lösung geführt hätten wird sie nie erfahren. So umkreisen ihre Vorschläge wie ziellose Pfeile den politischen Globus ohne ins Schwarze zu treffen. Anders bei der Regierung. Ihre Pfeile treffen immer ins Schwarze, wenn nötig wird es nachträglich markiert. Das ist der Vorteil der Regierenden.

  • Antworten
Heinz Pelzer21.05.2012 | 17:15 Uhr

Gabriel zetert, Merkel handelt???

Wenn man regieren auf das Rausschmeißen von unliebsamen Ministern reduziert, kann man Merkel handeln attestieren. Eine zerstrittene Regierungskoalition und der Verlust diverser Wahlen in den Ländern lassen aber daran zweifeln, dass Merkel ihre Beliebtheit über die Runden bis zur Bundestagswahl 2013 retten kann, zumal mit François Hollande eine neue Herausforderung entstanden ist.

Die SPD hat als Oppositionspartei die komfortable Situation, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen voll auf Wahlkampf setzen zu müssen und dem übertriebenen medialen Interesse am Kanzlerkandidaten sollte man bis dahin gelassen begegnen.

  • Antworten
Herbert Nau23.05.2012 | 10:32 Uhr

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