Nach wochenlanger Fußball-Abstinenz rollt nun endlich wieder das Leder. Unter die Zuschauer mischen sich auch Frauen – die der Spielverlauf aber nur wenig interessiert, meint Amelie Fried. Tatsächlich gucken sie nur auf die schicken Sportlerkörper oder Schweinis Hintern
Früher durften Männer rauchend auf dem Krankenhausflur herumgehen, statt im Kreißsaal Schwestern und Ärzte bei der Arbeit zu behindern. Sie durften einmal die Woche zum Stammtisch und am Samstag zum Fußball. Ohne Frauen.
Heute müssen Männer bei Geburten dabei sein. Stammtisch ist abgeschafft. Und Fußball ohne Frauen geht auch nicht mehr. Angetan mit Trikot und Fan-Schal drängeln sich die Damen in den Stadien und beim Public Viewing und führen sich auf, als ginge es um ihr Leben. Dabei ist Fußball Männersache. Nie kann man Männer so glücklich und so unglücklich erleben wie beim Fußball. Sie schreien, schimpfen, lachen und weinen.
Sie tun, was sie sonst selten tun: Sie zeigen Gefühl. Während der Ball rollt, ist alles andere unwichtig. Vor allem die Frauen. Und das stinkt denen natürlich. Da zeigen ihre Männer endlich einmal Leidenschaft – und sie sollen nicht dabei sein? Fußball ist der natürliche Feind der Frau. Und wer seinen Feind nicht besiegen kann – der versucht, ihn sich zum Verbündeten zu machen.
Deshalb, meine Damen, nehme ich euch die Fußballbegeisterung nicht ab. Ihr würdet sie gern empfinden, aber sie bleibt Pose. Wie Vampire dockt ihr an der Leidenschaft der Männer an und zapft so viel davon ab, wie es geht. In den 90 Minuten eines Spiels erlebt ihr mehr Spannung als sonst in einem ganzen Jahr eures Lebens. Aber die meisten von euch haben keine Ahnung, was tatsächlich auf dem Spielfeld passiert.
Ihr kommentiert die neue Frisur von Mario Gomez und den Hintern von Didier Drogba, ihr bemitleidet den armen Schweini, weil er den entscheidenden Elfmeter verschossen hat („Schau mal! Er sieht aus wie ein trauriger Welpe!“), und vielleicht rechnet ihr noch aus, wie viele Wellnessurlaube man mit der Ablösesumme von 93 Millionen Euro machen könnte, die Real Madrid für Ronaldo hingeblättert hat.
An sich ist Ahnungslosigkeit in Sachen Fußball keine Schande – man kann damit sogar polnische Sportministerin werden, wie das Beispiel von Joanna Mucha zeigt. Die fragte beim Pokalfinalspiel, wer denn die Mannschaften ausgewählt habe, die gegeneinander antraten. Ein andermal soll sie gefragt haben, warum einer der Spieler nur herumstehe. Es war der Torwart.
Trotzdem, meine Damen. Männer haben’s doch eh schon schwer. Wir Frauen graben ihnen überall das Wasser ab. Stürmen auf der Karriereleiter voran, sind kurz davor, die Führungsetagen zu erobern und erwarten obendrein, dass sie zu Hause den Abwasch machen. Lasst den armen Kerlen wenigstens eine Sache, bei der sie vor uns sicher sind!
Die Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin Amelie Fried schreibt jeden Monat für das Magazin Cicero eine Kolumne über Männer, Frauen und was das Leben sonst noch an Fragen aufwirft. Das aktuelle Heft können Sie hier bestellen.











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