In Deutschland wird erbost diskutiert: Die Abstimmung im Bundestag zur Präimplantationsdiagnostik in der kommenden Woche spaltet die Reihen aller Parteien, der Kirchen und mancher Familien. Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch die hohen Anforderungen an werdende Väter und Mütter.
Kein Pfarrer beerdigt eine Eizelle. Und doch wird in Deutschland erhitzt über die Bewertung eines gerade befruchteten Embryos diskutiert. Ist er nur ein Zellklumpen oder schon erstzunehmendes Leben? Mit Rechten, die der deutsche Staat zu wahren hat? Darf aus einer bestimmten Menge an Embryonen einer ausgewählt werden, der es verdient hat, in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt zu werden? Und dürfen die anderen befruchteten Zellen einfach so „verworfen“ werden?
Im Ring treffen aufeinander: Kirche und Staat, Mütter und Väter, willentlich und unwillentlich Kinderlose, Behinderte und Kranke, Mediziner und Therapeuten. Durch Deutschland geht eine tiefe Kluft. Und weil die verschiedenen Diskutanten zwischenzeitlich immer wieder von guten Argumenten getrieben die Seiten wechseln, überkommt einen bei jeder Diskussion das Gefühl: Ein Richtig oder Falsch kann es nicht geben. Zu widersprüchlich sind die Argumente, zu konträr laufen die bereits bestehenden Regelungen. Denn beim Thema Kinderwunsch hat sich die Gesellschaft in eine scheinbar aussichtslose moralische Lage manövriert.
110.000 Abtreibungen im Jahr
Da reicht ein Blick auf die bigotte Handhabung in Deutschland: Jeder Frau steht es zum Beispiel frei, ihren gesunden Fötus in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft abzutreiben – ohne Angabe von Gründen. 110.000 Abtreibungen in einem Jahr sind deutsche Realität. Gleichzeitig ist es verboten, einer Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, eine gesunde Eizelle zu spenden und ihr damit den Kinderwunsch zu erfüllen.
Ähnlich absurd: Den Abbruch einer Schwangerschaft bis einen Tag vor der Geburt erlaubt das deutsche Gesetz, wenn das Kind schwerste Behinderungen hat. Die Entscheidung dafür liegt bei der Mutter. Bei diesen Abtreibungen kommt es vor, dass die Kinder kurz vor der Geburt noch im Mutterleib mit einer Spritze getötet werden. Die Mutter bringt dann unter Schmerzen ein Kind zur Welt, von dem sie weiß, dass es niemals leben wird. Der gleichen Mutter möchten die Gegner der Präimplantationsdiagnostik verbieten, ihren Embryo vor der Einpflanzung in die Gebärmutter zu untersuchen, um festzustellen, ob ihr bei der nächsten Schwangerschaft ein ähnlich traumatisierendes Erlebnis bevorsteht.
Aber das Ganze wäre kein Dilemma, müsste man nicht die anderen Argumente ebenso ernst nehmen. In den Chor der Kritiker stimmen warnende Stimmen ein, die eine Abwertung behinderten Lebens befürchten, die mit sinkenden Geburtenraten von Kindern mit dem Down-Syndrom argumentieren, die der persönlichen Betroffenheit der kinderlosen Mütter den fehlenden Respekt gegenüber kranken Menschen in unserer Gesellschaft entgegenhalten.











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