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 > Fehlt uns Konservatives? Im Ernst?

Berliner Republik

Profillose ParteienFehlt uns Konservatives? Im Ernst?

Von Gunter Hofmann20. August 2012
picture alliance
CDU,CSU,Grüne,FDP,SPD,Profil,Reifen
Profilmangel?
Schrift:

Deutschlands Parteien leiden unter akutem Profilmangel. Es will ihnen nicht gelingen, Debatten so zu führen, dass der Bürger daraus lernt und am Ende zwischen Alternativen entscheiden kann. Politische Rachitis grassiert, und bisher ist dagegen kein Kräutlein gewachsen

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Kommt der CDU unter der stillen, aber effektiven Regie von Angela Merkel das Konservative abhanden? Ein „Berliner Kreis“, der sich noch in dieser Woche konstituieren und ein Manifest zur geistigen Lage beschließen will, scheint fest davon überzeugt zu sein: Ja, das ist das Problem der Christdemokraten als Regierungspartei, sie haben aus dem Blick verloren, was ihren substantiellen Kern ausmacht, und damit verlieren sie auch ihre Bindungsfähigkeit an Stammwähler.

Ob diese Gruppe, initiiert von dem hessischen CDU-Fraktionschef Christean Wagner, der angeblich nur von seinem Chef Volker Bouffier vorgeschoben wird, ob diese Gruppe also wirklich Mannesmut vor Fürstenthronen aufbringt und sich damit automatisch in kritische Distanz zur Kanzlerin begibt? Bis zum Beweis des Gegenteils will man es so recht nicht glauben, denn Angela Merkel, finden sagenhafte 70 Prozent der Befragten, mache ihren Job als Regierungschefin durchaus gut – selbst wenn ein ebenso hoher Anteil die Koalition für ziemlich medioker hält. Schon das bisschen Kanzlerinnen-Kritik, das Josef Schlarmann, der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung und mit dabei im Berliner Kreis, kürzlich am „System Merkel“ und der von ihr gern behaupteten „Alternativlosigkeit“ ihrer Politik übte, stieß in diesem Kreis heldenhafter Aufrechter auf Empörung – schließlich werde Angela Merkel europaweit, ja weltweit als eine Art neuer „Eiserner Lady“ bewundert! Wie auch immer also dieser Gründungsakt endet – ich will hier gar nicht behaupten, es sei für Berlin besonders bedeutsam und folgenreich, wenn sich ein konservativer Klüngel ein Manifest gibt. Nicht die Sache selber ist wirklich interessant, wohl aber, wie mir scheint, das Symptomatische, was sich daran ablesen lässt.

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Die Parteien insgesamt – und nicht etwa nur Angela Merkels Christdemokraten – leiden unter akutem Profilmangel, es will ihnen schlicht nicht gelingen, inhaltliche Debatten so zu führen, dass man als Zuhörer/Zuschauer daraus lernen und sich am Ende zwischen Alternativen entscheiden kann. Politische Rachitis grassiert, und bisher ist kein Kräutlein dagegen gefunden.

Volker Kauder, Fraktionschef der CDU/CSU im Bundestag und selbst von Haus aus das, was man einen „Konservativen“ nennen würde, zittert nicht gerade vor der Drohung, ein paar Unzufriedene in seiner Partei versammelten sich demnächst hinter einem Manifest. „Da bin ich mal gespannt“, verriet er dem „Spiegel“ sarkastisch, „ob den Verfassern gelingt zu definieren, was konservative Politik in der Christlich Demokratischen Union eigentlich ist.“ „Nehmen Sie den Ausstieg aus der Kernenergie“, fügte er dann noch hinzu, „entspringt der nun den konservativen, den christlichen oder den liberalen Wurzeln der CDU?“ Für ihn sei „konservativ“ vor allem eine „Frage der Haltung“ und ob sich die Politik an einem „Wertkompass“, zumal dem christlichen Menschenbild, orientiere. Die Menschen nicht nach Rasse oder Klasse zu sortieren, ihnen nichts vorschreiben, zum Beispiel in der Familienpolitik die Wahlfreiheit zu lassen, darum gehe es prinzipiell.

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Intellektueller Zirkelschluss

Der Artikel ist ein intellektueller Zirkelschluss erster Güte:
- weil eine Politik richtig ist (Atomausstieg)
- weil eine Politik notwendig ist (EURO und Bail-Out von Staaten)
- weil wir glücklicherweise keine rechts-populistische Partei haben (wie in Österreich)

==> DESHALB braucht es keine wirklich konservative Partei in Deutschland

==> Daraus lassen sich höchstens die Präferenzen des Autors ablesen, sonst nichts.

  • Antworten
Gregor21.08.2012 | 11:07 Uhr

Intellektueller Schwachsinn

Warum sollte ausgerechnet in Deutschland eine rechte Partei überflüssig sin? Damit das "rechte" Potential weiter in den Köpfen schlummert und sich nicht artikulieren kann? Irgendwann ist die Unzufriedenheit des Stimmviehs groß genug, um diese romatischen Träumereien von einem "modernen", aufgeklärten Deutschland ein Ende zu bereiten. Und es wird ein Ende mit Schrecken, da ALLE etablierten Parteien die demokratische Auseinandersetzung mit diesem Potential scheunen und tabuisieren.

  • Antworten
Otto Meyer21.08.2012 | 13:34 Uhr

Ohne Not, scheint mir, haben die Parteien allmählich aber auch v

Was passiert denn, wenn ein Politiker irgendetwas sagt, über das man erst einmal nachdenken könnte? Es werden sofort alle politischen Gegner um einen Kommentar gebeten und am Ende kommt heraus, dass die Aussage des Politikers schwachsinnig war und er ohnehin ins Irrenhaus gehört ...

  • Antworten
Willy Ehrlich21.08.2012 | 13:29 Uhr

Fehlt uns Konservatives.........

Herr Hofmann ist selbst der KONSERVATIVSTE Journalist und so lange ich seine Artikel in Cicero und Zeit lese - wenn auch immer nur den letzten Absatz, da ich seine grundsätzliche, UNWANDELBARE Einstellung
kenne - der unverändert SPD- bzw. LINKS-Orientierte, der Politiker aus diesem Lager wegen Ihrer Maßnahmen (Beispiel Schuldenstaat!) NIE
kritisiert hat. Warum lobt er in diesem Artikel nicht die problemati-
schen Maßnahmen der ROT/GRÜNEN alten bzw.evtl. neuen Spitzenpolitiker?
Er schont sie wiederum. DAS ist die FALSCH-KONSERVATIVE Haltung! Thiel

  • Antworten
Gerhard Thiel21.08.2012 | 14:03 Uhr

Wo bleibt die vorausschauende Politik? Mitmachdemokratie jetzt!

"Dass die Parteien Anschluss an die geänderten Verhältnisse, an die Problemlagen von heute suchen, wieso sollte man ihnen das vorwerfen?"

Aber ja doch! Man muss. Denn: Ist es nicht die Aufgabe der Parteien, vorausschauend zu agieren, die richtigen Weichen und Leitplanken zu stellen und einzuziehen, mithin Rahmenbedingungen in Kooperation mit der Zivilgesellschaft festzuzurren und all das später zu evaluieren, was der menschlichen Entwicklung mit dem Ziel ernst gemeinter nachhaltiger Entwicklung gerecht wird (Das Ökologische ist das Soziale, ist die Wirtschaft)?

" ... die Bundesrepublik kann froh sein, dass sie selbst solche fundamentalistischen Geister hinwegmoderiert hat und sich, bislang jedenfalls, auch nicht mit Rechtspopulisten à la Haider oder Blocher oder Le Pen herumschlagen muss. Das ist nicht die Lücke, die dringend geschlossen werden müsste."

Ja, gewiss. Aber träut nicht im Zusammenhang mit der Euro-Krise aktuell die "Abzweigung nach rechts", wie Flassbeck es beschreibt und davor warnt?
(Trennt euch! Von Heiner Flassbeck - Wirtschaft und Markt, September 2012 - http://www.nachdenkseiten.de/?p=14227)

"Man sieht wirklich wenig alternatives Denken, taktische Rücksichten ersticken jeden ehrlicheren Diskurs und lassen unsereins tatsächlich als hilflose „Zuschauer“ in der Zuschauerdemokratie zurück."

Das stimmt. Zumal die Alternative stets das Ur-Demokratische ist - eine Wahl zu haben. Nicht nur ohnmächtig "zuzuschauen", sondern der Mitmachdemokratie Impulse, Querdenken und Erfahrung mitzugeben auf dem Weg, allen Menschen in DE eine greifbare Chance zu geben, den vornehmsten Artikel EINS des Grundgesetzes nach 60 und mehr Jahren jetzt endlich mit integrativem Leben zu erfüllen (Man schaue auf die Millionen Entwürdigten im Rahmen des Hartz-IV-Gesetzesvollzugs und den heraufziehenden innereuropäischen Hass-Disput).

"Der andere Irrtum, vor dem gewarnt werden muss: Glaube nur keiner, die Republik sei bereits runderneuert, sie sei durch und durch liberal, sie werde nicht zurückfallen ins Nationale und bleibe strikt auf europäischem Kurs. Nichts hat Bestand, wenig ist von Dauer..."

An dieser Stelle finden Hofmann und Flassbeck eine gemeinsame Schnittstelle, worin sich ihre Warnung vor dem gefährdeten Frieden in Europa und der zunehmenden Aushöhlung der Demokratie wiederfindet. Dass DIE PATIN in dieser Woche erscheint, nur ein Zufall?

  • Antworten
mkveits21.08.2012 | 16:49 Uhr

Gunter Hofmanns Artikel "Fehlt uns Konservatives? Im Ernst?"

Zitat:
"Warum es etwa bedauern, dass der „konservative“ Udo di Fabio – um den ehemaligen Karlsruher Verfassungsrichter als ein Beispiel zu nennen – sich in seinen Büchern und Vorträgen sorgsam hütet, sich mit Reaktionären, Fundamentalisten und Rechten gemein zu machen? Denn das verbirgt sich doch oft hinter dem Verschleierungswörtchen „konservativ“."

Da ist wieder die Sprache ("Verschleierungswörtchen", "Reaktionäre", "Fundamentalisten", "Rechte") der Denunziation, mit der Kommentatoren wie der Autor dafür sorgen, dass immer wieder Politiker den Kopf einziehen, wenn es darum ginge, ihre konservative - oftmals von ihren Wählern geteilte - Haltung öffentlich zu vertreten. Dann werden Ihnen nämlich sehr schnell diese Denunziationswörter um die Ohren gehauen, um sie "unmöglich" zu machen.

Es ist einfach Heuchelei, einerseits die Uniformität der Positionen der Politiker zu beklagen, und andererseits für jede Abweichung vom rechten Weg (unsere Sprache hat da noch ein paar Fallen parat) schon die empörte Denunziation bereitzuhalten.

Selbstverständlich darf es keinerlei Zusammenarbeit mit Nazi-Nostalgikern geben. Kein vernünftiger Politiker tut das oder will das. Aber diesseits dieser roten Linie sollte eine freie Diskussion möglich sein, die einer mehr als 60 Jahre alten stabilen Demokratie angemessen ist.

Wer also z.B. hierzulande "good old family values" - immer noch der Wunsch der Mehrheit, gerade auch unter Einwanderern - vertritt, der sollte sich dafür weder rechtfertigen noch schämen müssen. Und wer unsere Familienstrukturen umkrempeln will, der hat die Bringeschuld einer überzeugenden Erklärung!

Wer also z.B. eine sparsame Finanzpolitik fordert, und an das jahrtausende alte Prinzip "pacta sunt servanda" erinnert, der sollte nicht im Parlament als Nationalist beschimpft werden, wie Hubertus Heil (SPD) das mit dem Angeordneten Frank Scheffler (FDP) das getan hat.

Wenn jemand die Frage stellt, welche auswärtige Politik im Interesse unseres Landes ist - bis hin zu militärischen Einsätzen - dann muss er sich nicht gleich wie Präsident Köhler als Verfassungsfeind beschimpfen lassen.
Und wenn jemand daran erinnert, dass im Grundgesetz immerhin noch vom deutschen Volk die Rede ist, dann ist er deshalb noch kein Kriegshetzer.

Wenn jemand die Währungsunion samt EURO für eine Fehlkonstruktion - monetäre Zwangsjacke - hält, dann steuert er damit noch nicht auf Weltkrieg III zu!

Wenn das allen klar wäre, dann wäre wieder eine offene, vernünftige argumentative Diskussion möglich.

So einfach könnte "konservativ" sein.

Vermutlich wäre der Autor dann mal wieder "empört" über solche Verstocktheit, welche die moderne Heilsbotschaft nicht annehmen will.

  • Antworten
Andreas Thomsen21.08.2012 | 21:31 Uhr

Werteordnung

Herr Hofmann, heute haben Parteien generell das Problem, wie sie sich einordnen sollen. Vieles an alten Vorstellungen ist mehr oder weniger bedeutungslos geworden. Die Individualisierung mit ihren unterschiedlichen Lebensformen ist soweit fortgeschritten, dass es keine einheitlichen Wert-Vorstellungen mehr gibt. Heute wird das Individuum mit seinen Präferenzen begünstigt. Nur unser Grundgesetz und das Bundesverfassungsgericht (als Überbau) genießt noch hohes Ansehen in der Bevölkerung, als Bindeglied der Gesellschaft. Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Orientierungswert und Transparenz sind die neuen Stichworte. Die Parteien haben daraus Konsequenzen zu ziehen. An die SPD: Egalisierende Konzepte für prinzipiell besitzende Staatsbürger machen keinen Sinn. Eine Finanztransaktionssteuer wäre jedoch gerecht und macht Sinn. Es wäre ein Signal in Richtung einer Unkehr des Denkens und Handels. Schreibt man nämlich das Recht ab (wie so oft von den Parteien geschehen) treten die Unterschiede und Konflikte zutage.

  • Antworten
bernhard jasper22.08.2012 | 18:25 Uhr

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