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 > Europas kleines schmutziges Geheimnis

Berliner Republik

SchuldenkriseEuropas kleines schmutziges Geheimnis

Von Mark Dittli23. August 2012
picture alliance
Die Eurokrise ist vor allem eine Schuldenkrise
Schrift:

Das Unheil der europäischen Schudenkrise nahm in Deutschland seinen Lauf: Die Niedrigzinspolitik der EZB nach dem Dotcom-Crash half vor einem Jahrzehnt vor allem der deutschen Wirtschaft – und stürzte Europas Peripherie ins Verderben

Seite 1 von 2

Die Spanier sind faul. Die Portugiesen und Italiener sowieso. Und die Iren trinken hauptsächlich. Ihrem eigenen Schlendrian haben es diese Länder zu verdanken, dass ihre Staatsschulden heute untragbar hoch sind, sie ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren haben und sie in der Krise stecken. Die Deutschen dagegen sind die erfolgreichen Exporteure. Global wettbewerbsfähig wie kaum eine andere Nation. Diesen Status haben sie sich selbst erschaffen, mit harten Strukturreformen im eigenen Arbeitsmarkt. Wenn die Welt doch bloß so einfach wäre.

Leider ist alles etwas komplizierter. Die heutige Stärke Deutschlands und die Schwäche Spaniens, Irlands, Portugals und zum Teil auch Italiens ist eine direkte Folge der Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 sowie der Politik der Europäischen Zentralbank nach der Jahrtausendwende. Griechenland wird in der Aufzählung bewusst nicht aufgeführt, denn dort ist die Lage tatsächlich verbockt.
Blenden wir also zurück, ins Jahr 2000: Deutschland war damals der kranke Mann Europas, der es kaum mehr zu schaffen schien, Wachstumsraten von mehr als 2 Prozent zu erreichen. Das Platzen der Technologieblase im Frühjahr 2000 traf die Deutschen besonders hart: Der zuvor hochgejubelte Neue Markt in Frankfurt brach um 96 Prozent ein.

Als Folge dieses Schocks fiel die deutsche Wirtschaft 2002 und 2003 in eine sich selbst verstärkende Abschwungphase. Es handelte sich dabei nämlich nicht um eine normale, harmlose Abkühlung, sondern um eine Bilanzrezession. Ein Land kann in eine Bilanzrezession fallen, wenn es zuvor einen exzessiven privaten Schuldenaufbau durchlebt hat. Kippt dann die Stimmung und kühlt sich die Wirtschaft des Landes ab, setzt das „Sparparadox“ ein: Die privaten Haushalte oder die Unternehmen sind plötzlich mit zu hohen Schulden belastet und versuchen, sie abzubauen. Jeder agiert für sich rational; er erhöht seine Sparquote und zahlt Schulden zurück. Wenn das aber alle gleichzeitig tun, sackt die Nachfrage in der Volkswirtschaft in sich zusammen. Was damals in Deutschland geschah, hat Richard Koo, der Leiter des Nomura Research Institute in Tokio, in einer aktuellen Studie beschrieben (siehe Grafik „Finanzierungssaldi Deutschlands“).
Die Kurven zeigen die Finanzierungssaldi der vier Nachfragesektoren in einer Volkswirtschaft (Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland). Speziell zu beachten sind die rote und die blaue Kurve. Sie zeigen, wie die privaten Haushalte und besonders die Unternehmen in Deutschland nach dem Schock von 2000 ihre Sparquote deutlich erhöhten – im Fall der Unternehmen von minus 5 Prozent auf plus 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Diese Bewegung entzog der deutschen Volkswirtschaft nach Berechnungen Koos zwischen 2000 und 2005 eine aggregierte Nachfrage von 12,6 Prozent des BIP.

Seite 2: Deutschland drohte Deflation

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Zu vereinfacht

Aus Makrosicht müsste man eigentlich wissen, dass EINE EZB-Zinspolitik nicht für ALLE Euro-Länder passen kann und deshalb von der nationalen Politik begleitet werden muß. Aus diesem Grund wurde jetzt auch eine EU-Wirtschaftspolitik eingeführt. Wäre interessant mal zu schauen, ob Berlin auch die Vorgaben umsetzt. Meine Vermutung ist: eher nicht.

Aus Mikrosicht sollte man sich die spanischen Gründe für die spanische Immoblase ansehen. So gab es ein Zusammenwirken von spanischen Sparkassen, Baufirmen, sp. Zentralbank und der sp. Politik auf nationaler Ebene. Wobei das bis ins verbrecherische ging. Ähnlich ist das in den anderen Krisenstaaten. Hier darf man ruhig auch an Irland erinnern, wo es auch so ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft gab. Das ist also kein Kennzeichen für Südeuropäer, sondern passiert überall wo der Filz die Macht übernommen hat. Wahrscheinlich lag das Epizentrum der Finanzkrise in Deutschland deshalb auch bei den Landesbanken. Man denke an die Bayern-LB, mit ihrem Kauf der Kärnter Amigo-Bank. Die musste gekauft werden, weil die CSU das so wollte. Oder etwas weiter zurück die Krise bei der Berliner LB, wo sich ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft gesund stieß. Oder, oder, oder.

Kurz, der Euro kann nur funktionieren, wenn die nationalen Regierungen wissen wie sie mit einer zentralen Zinspolitik umgehen müssen. Das muß gelernt werden. Wurde es aber offensichtlich nicht. Im übrigen sind wir in Deutschland nicht wegen einer überlegen Politik um den Immmoboom herum gekommen, sondern weil Rot/Grün seinerzeit die Förderung des Wohnungsbaus beendeten. Mit Sicherheit nicht um einen Immoboom zu verhindern, sondern weil in Ostdeutschland Gebäude wegen Leerstand abgerissen werden mussten und klar war, dass das im Westen auch so kommen würde. Übrigens, heute fehlen in den Großstädten billiger Wohnraum. Ein Sozialwohnungsbau wäre notwendig. Merke: Es kommt immer anders als man glaubt.

  • Antworten
Robert23.08.2012 | 11:27 Uhr

Koo

schwatzt Unsinn, wie fast immer. Zum einen ist die Zinspolitik der EZB seit deren Bestehen fest in der Hand des ClubMed + Irland. Deutschland wurde und wird regelmäßig im EZB-Rat überstimmt. Daher ist es geradezu grotesk, Deutschland eine aktive Mitschuld an den Zinssätzen zuzuschreiben.

Zum anderen hat niemand den ClubMed + Irland gezwungen, das für diese Ländern dank der de facto Eurobonds zwischen 2001 und 2008 viel zu billige Geld zu nutzen, um Blasen aufzubauen. Seien die nun im Bankensektor, im Immobilienbereich, in der Beamtenschaft, in sozialen Wohltaten oder sonstwo- oder einer Mischung aus allem.

Davon ab ist Koo weithin bekannt als extrem deutschfeindlich, um das mal freundlich zu euphemisieren.

  • Antworten
VerySeriousSam23.08.2012 | 13:01 Uhr

"Zum anderen hat niemand den

"Zum anderen hat niemand den ClubMed + Irland gezwungen, das für diese Ländern dank der de facto Eurobonds zwischen 2001 und 2008 viel zu billige Geld zu nutzen, um Blasen aufzubauen."

Du weißt aber schon, dass der Staat mit sowas eher wenig zu tun hat. Blasen werden primär von Privatbanken aufgeblasen.

  • Antworten
Esco27.08.2012 | 10:47 Uhr

Spanische Blase

Ich habe auf einer Webseite gelesen, dass in Spanien Gesetze geändert wurden und erst daraufhin ging es mit der Blase los. Ich weiß nicht ob das stimmt, aber in Deutschland ging das mit den Hedgefonds auch erst los, nachdem die Regierung das erlaubte. Der neue EZB-Abgesandte Assmussen war damals für Rot-Grün tätig geworden. Das ist ein ganz eifriger Diener seines Herrn, egal welcher Parteifarbe. Auch das spezielle Ramschprodukte vor der Lehmann-Pleite konstruiert wurden, um damit gezielt deutsche Kleinanleger zu gewinnen, ist bekannt. Am niederträchtigsten waren da die spanischen Sparkassen, die, weil sie sonst kein Geld mehr bekamen, ihre Kunden angingen und noch schlimmere Produkte als die Banken seinerzeit bei uns verkauften. Der einfache Bürger ist, wenn er nicht Bescheid weiß, ganz schnell das Opfer und der Staat leistet meist noch Hilfe dabei. "Mündige Bürger" im Sinne des Wortes sind nämlich nur wenige Leute und meistens wird der Begriff verwendet, um miese Geschäfte weiter betreiben zu können. Verbraucherschutz war nur bei Bärbel Höhn von den Grünen gut aufgehoben. Die jetzige Ministerin hat sich z.B. ganz schnell auf einen Kompromiß zu Lasten der Verbraucher geeinigt. Ich hoffe irgendwer wird damit vor das Verfassungsgericht gehen.

  • Antworten
Robert27.08.2012 | 19:25 Uhr

Das ist das finale Argument gegen die Währungsunion

Die Frage, wer denn nun "schuld" sei, daran, dass der Euro in eine Sackgasse geführt hat, ist vergleichsweise irrelevant. Der Beitrag zeigt sehr schön, wie das Zusammentreffen von Einheitswährung mit unterschiedlichen Stabilitätskulturen zwangsweise zum Ruin der Währungsunion führt. Was damals für Deutschland richtig war (lockere Geldpolitik zur Vermeidung von Deflation und Rezession), war damals für die Südländer falsch. Was heute für die Südländer richtig wäre (Inflation zur Schuldenreduzierung, Abwertung zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit), ist heute für Deutschland falsch. Der Euro sperrt zusammen, was nicht zusammengehört. Er muss daher in funktionierende Bestandteile zerfallen, will Europa sich nicht als Ganzes ruinieren.

  • Antworten
Karl Schade23.08.2012 | 13:10 Uhr

Griechenlandkrise

Liebe Mitbürger, liebe Cicero-Redaktion,

man kann in diesem Cicero-Dienst leider nicht diskutieren. Wir sollte das Magazin das ermöglichen ? Man kann nur sein Wissen - oder seine nur Meinung - ins Blaue hinein senden. Zur Sache diesmal absolut sicheres Wissen:

1) Der 90-Prozent-Grund für die Griechenmisere ist der Beitritt dieses Landes in den Euro-Club. Womit hier nicht eigentlich gegen den Euro argumeniert wird. Nur die Griechen (die Portugisen, die Spanier, die Italiener ? - alles ehrenwerte und liebenswerte Völker ?) gehören hier nicht rein. Die können nur an dieser Verbindung von Ungleichen erdrosselt werden. Ich schreibe hier kein Buch. Wer Erläuterungen benötigt, möge mir schreiben. "Was nicht zusammenpaßt, das soll Brüssel nicht verkuppeln !" Ohne den Euro ginge es Griechenland eine Generation besser.
2) Die niedrigen EZB-Zinsen sind selbstverständlich Schwachsinn. Wie können intelligente Menschen Geldemmissionen, die auf ewig draußen bleiben müsssen, weil sonst die ultimative Dürrre über den Wirtschaftsraum ausbricht, dieses Geld gegen Zinsen und überhaupt als "befristeten" Kredit in den Markt einfließen lassen. Dieses Geld gehört nicht in die Banken (nichts gegen Banken ansich) sondern direkt an die Nachfrage. Entweder an die Griechen, die dann VWs kaufen, ohne sich zu vershulden, oder an die Deutschen, damit sie in Griechland mehr Ulaub machen könnten, können und somit den Griechen Devise vür VWs liefern.
Wer das nicht versteht, soll mir schreiben.

In aller Freundschaft
Günter Woltmann-Zeitler
A:NP Arbeitgem einschaft : NEUE POLITIK

  • Antworten
Günter Woltmann-Zeitler23.08.2012 | 14:12 Uhr

Sehr Simpel

Sehr simpler, in der Ursachenauswahl beschränkter und plakativer Belehrungversuch des Autors.
Wenn man schon eine ganz einfache Erklärung für das wirtschaftliche und finanzielle Desaster und die daraus sich leider entwickelnden Animositäten zwischen europäischen Nationen angeben will:
Multikulti funktioniert selbst in Europa nicht, außer evtl. auf niedrigem vegetativem Niveau: Fressen (Döner, BigMac), Saufen (Cola, Plastikbier, Drogen), Bumsen (o.K), Palvern (TV), Massenhysterie (Fußball).
Manche simplistische Fanatiker in Politik und Medien meinen, Multikulti würde sogar zwischen Deutschen und Arabern, Türken, Afrikanern etc. gelingen: der Mittlere IQ tendiert dort offensichtlich gegen 70.

  • Antworten
Paul Pyrens23.08.2012 | 17:45 Uhr

werter paul

werter paul

auch wenn sie das immer noch nicht verstanden haben sollten: multikulti ist der _naturzustand_, was nur in vergessenheit geraten ist, weil hier mal jemand dachte, er müsse seiner analen fixierung folgen und auf "monokultur" setzen. jeder bauer kann ihnen einen langen vortrag halten, warum monokultur ein unglück ist ... ich wollte sie nur daran erinnern, von wem ihre "denke" (gnihihi) stammt: von einem aus jahrhundertelanger familiärer monokultur debilisierten kerl aus braunau.

  • Antworten
hardy28.08.2012 | 23:22 Uhr

Reformen!

Beantwortet wurden nicht die Fragen, warum es vor der Einführung
des Euro kein Schneeballsystem mit der Destabilisierung des Währ-
rungssystem gab, keinen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der
PIIGS+F Staaten und die Wechselkursanpassungen der einzelnen
nationalen Währungen funktionierten, sowie ein Rechtssystem
existierte, welches nicht ausgehebelt werden konnte, wie z.B.
der Artikel 125 des Lissabonvertrags und jeder Staat für seine
Haushaltspolitik und die Beschäftigung seiner Bevölkerung ver-
antwortlich war?
So müssen doch die Fragen gestellt werden, ob es nicht bes-
ser wäre, sich komplett von diesem maroden Eurosystem einer Un-
glückwährung zu verabschieden, die aus rein politischen Überle-
gungen, ohne jeden gesunden ökonomischen Sachverstand den ein-
zelnen Ländern aufgedrückt wurden und wieder über nationale
Währungen zu den ECU Verrechnungseinheiten vor 1989 zurück-
zukehren?
Sollten die Dinge weiterhin dem Zufall überlassen werden,
so wird sich die wirtschaftliche Realität mit der Verabschie-
dung der BRD vom regulären Kapitalmarkt mit dem unausweich-
lichen Zusammenbruch dieser Unglückswährung führen, nicht zu-
letzt auf Grund einer EZB, welche mit dem unkontrollierten An-
kauf von Staatsanleihen zur Destabilisierung des Währungssystems
beiträgt und einem ESM-Ermächtigungsgesetzes welches letztend-
lich zur finanziellen Ausblutung der BRD führen wird!!

  • Antworten
Pequod23.08.2012 | 22:03 Uhr

Mein Chef meinte 2002: 'Das

Mein Chef meinte 2002: 'Das ist ein ganz grosses Spiel. Weltweit, und es wird in London, in der City gespielt. Da will ich hin. Da will ich mitmachen und absahnen'.
Man setze die aufgeblähte Forderungsmenge des Derivate-Handel von ca. 700 - 1.200 Billionen € den ca. 2 Billionen € Schulden von Deutschland gegenüber.
Natürlich ist die Finanzwirtschaft an der Kriese schlud. Nicht die verschuldeten Staaten und deren ausschweifender, glückssüchtiger Lebensstil. Es ist die Raffgier der Finanzelite, die mittels Luftblasen und Scheinbesitzforderungen die Realwirtschaften systematisch ausgeplündert hat. Ein Schlachtfest sozusagen. Alle Besitztümer und Errungenschaften der Kulturen Europas sind verkommen zur Handelsware. Ein Krieg ohne Schiesspulver und Stahl. Ein Krieg durch Geld und Macht. Ein globaler Finanzkrieg, ebenso grausam in den Auswirkungen wie ein herkömmlicher Krieg.
Wiedereinmal läuft das Spielchen, wiedereinmal werden die Völker und auch die Bevölkerungen aufeinander getrieben. Willkommen im Neoliberalem Faschismus.

  • Antworten
J€$\/$24.08.2012 | 07:35 Uhr

Mehr davon!

Vielen Dank für diesen Artikel! Die Mechanismen der Währungsunion müssen zum Allgemeinwissen werden, um den Euro sachlich zu diskutieren. Viel zu hofft werden die Zusammenhänge verschwiegen.

  • Antworten
Alexander Wragge24.08.2012 | 13:41 Uhr

Dann senkt die Zinsen für den Süden

Wenn der Süden für uns die Zinsen senken musste, dann sollten wir heute mit ihm solidarisch sein, und die EZB-Zinsen senken. Achso, das wurde ja bereits gemacht. Und nicht nur auf das Niveau, welches Deutschland gerettet hat, sondern auf 1%.

Aber warum sollten wir dem Süden die Schulden garantieren? Hat er doch bei uns auch nicht machen müssen, oder?

  • Antworten
GhostOfDorian24.08.2012 | 18:43 Uhr

Die Argumentation hat einen simplen Fehler

a) verzichtet sie vollkommen auf die national zu verantwortenden Gründe in den Krisenländern: Spaniens einseitige Ausrichtung auf die Bauwirtschaft hat gar nichts mit Deutschland zu tun und die Immobilienblase hätte auch bei Niedrigzinsen durch den Gesetzgeber vermieden werden können. Genau dasselbe gilt für den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in sämtlichen betroffenen anderen südlichen Ländern, die einfach aus einam Mangel an wettbewerbsorientierten Reformen resultieren. Auch musste Italien in den Jahrzehnten zuvor keine existengefährdende Staatsverschuldung aufbauen und notwendige Strukturreformen zur Anpassung an die Globalisierung unterlassen. Portugal hat eher zuviel Hilfe erhalten und dadurch den Anschluss an die Weltwirtschaft verschlafen. Irlands unproportional großer Bankensektor hat zusammen mit der irischen Deregulierung des Finanzmarktes in vielen Teilen Europas großen Schaden angerichtet. Das ist ausschließlich von den Iren zu vertreten. Aber mein zentrales Argument ist, wenn denn die Niedrigzinspolitik monokausal für die Eurokrise verantwortlich wäre, warum hat sie dann nicht dieselbe Überhitzung in den anderen zentral- und nordeuropäischen Ländern ausgelöst, deren Konjonktur damals wesentlich besser lief, als in Deutschland? Außerdem kann Deutschland auch nichts dafür, dass die D-Mark bei der Einführung des Euros als Reserve und Fluchtwährung schlicht und einfach überbewertet war, ähnlich wie der Schweizer Franken vor der Kopplung an den Eurokurs. Dies machte erst die Deregulierung der Arbeitsmärkte und die empfindlichen Einkommensverluste der Arbeitnehmer notwendig. Von den Kosten der Wiedervereinigung und deren volkswirtschaftlichen Folgen, nach dem ersten Boom gar nicht zu reden. Insofern ist das wieder einer dieser polemisch-tendentiösen Artikel, der sich zwar teilweise mit volkswirtschaftswissenschaftlichen Federn schmückt, aber bei genauerem Hinsehen die simpelsten Gebote wissenschaftlicher Erklärungsökonomie verletzt. Ein Artikel, dem es um Schuldzuweisungen und nicht um Aufklärung geht. Keine noch so überhitzte Konjuntur zwingt den Staat sich zu verschulden oder einseitigen wirtschaftlichen Entwicklungen in einzelnen Branchen nicht entgegenzuwirken. Im Gegenteil, gerade im Boom bei vollen Kassen können Staatsdefizite zurückgefahren werden und notwendige Strukturreformen ohne allzu große Grausamkeiten erfolgen.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann25.08.2012 | 11:24 Uhr

Aha,

Aha, die Reformen in Deutschland waren also nötig - das wird mal so nebenbei erwähnt. Dass Millionen Menschen hier die Löhne gekürzt worden sind ist der Grund, warum Deutschland die anderen niederkonkurrieren konnte! Übrigens: Genau das bedeutet "höhere Wettbewerbsfähigkeit" - besser als die anderen da zu stehen, weil wir den anderen ein Stück vom Markt weggenommen haben. Wenn die anderen aufholen sollen, müßten wir unsere Überschüsse abbauen, mehr konsumieren. Dumm nur, dass genau das nicht verstanden wird.

  • Antworten
Andreas27.08.2012 | 17:56 Uhr

Interessant

Eine interessantere andere Sichtweise auf das Problem. Gratuliere!

  • Antworten
AusAndererSicht27.08.2012 | 23:57 Uhr

Starkes Deutschland?

Abwarten...
Auf dem Altar der schönen, gerechten oder umweltfreudlichen Sache wird ein Patential nach dem Nächsten für die Wählerstimmenakquise und ein paar Preozentpunkte geopfert.

  • Antworten
Letis29.08.2012 | 17:52 Uhr

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