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Berliner Republik

Ex-SPD-Chef „Europa braucht demokratische Strukturen“

Interview mit Franz Müntefering4. September 2012
picture alliance
müntefering,spd,jauch,talkshowgast
"Streiten, diskutieren, Entscheidungen treffen"
Schrift:

Franz Müntefering im Gespräch mit dem Cicero über eine Erfindung des Menschen, die Rasanz der Moderne, die Langsamkeit der Demokratie – und ein Europa, dessen Uhr tickt

Seite 1 von 3

Herr Müntefering, was ist Zeit?
Zeit ist eine Erfindung der Menschen, so wie der Raum auch. Alle Dimensionen sind Erfindungen des Menschen, um sich orientieren zu können.

Moment mal! Zeit ist eine physikalische Größe, eine Gesetzmäßigkeit, mit der wir rechnen. Wie können Sie sagen, dass wir sie einfach nur erfunden haben, um klarzukommen?
Es gibt sie nicht, die Zeit an sich. Zeit ist nicht absolut, sie ist relativ. Ist sie ein Punkt oder eine Linie? Wir wissen es nicht, wir versuchen, ihr mit Uhren einen Rahmen zu geben. Uhren sind ohnehin eine komische Sache. Sie ticken Punkte und erwecken doch die Illusion, die Zeit sei eine gerade Linie. Es gibt aber keine lineare Zeit.

Warum kommt es uns so vor, als ob unsere Zeit immer knapper wird, obwohl wir immer älter werden?
Was wir gerade erleben, ist eine Neuordnung der Zeit und des Raumes. Und das ereignet sich durch die Geschwindigkeit, durch die Globalität, durch die Mobilität, die wir in den vergangenen hundert Jahren entwickelt haben. Also, Raum und Zeit verändern sich. Das hat es schon immer gegeben, aber das geschieht exponentiell im Augenblick. Früher haben die Menschen in ihrer Sippe gewohnt, und dann entstanden Städte, und dann zog man ins Nachbarland, auch in die Welt hinein. Und heute ist die Globalität da, und die Mobilität, Menschen und Güter und Informationen rund um die Welt transportieren zu können.

Aber der Mensch erfindet doch permanent Maschinen, die helfen sollen, Zeit zu sparen: das Rad, der Motor, die Eisenbahn, das Flugzeug, das Fax, das Handy. Und am Ende hat er erst recht keine. Was läuft da schief?
Die Frage, die wir uns stellen müssen: Was hat das Ganze für eine Wirkung, diese höhere Geschwindigkeit, dieses hohe Tempo in der Zeit? Und es hat eine gewaltige Wirkung auf die Politik, weil es das Zusammenleben der Menschen berührt. Das ist Politik. Die Politik macht sich Gedanken darüber, wie arbeiten, wie leben wir zusammen, wer hat die Macht, wer hat die Aufgabe, diese Dinge zu regeln. Das hohe Tempo hat hier Folgen. 

Sie haben keine Armbanduhr am Handgelenk. Warum nicht?
Habe ich in meinem Leben nie gehabt, doch, einmal kurz, als ich 20 war. Ich mag Uhren nicht besonders. Als Junge habe ich aus einer Uhr mal den Stundenzeiger ausgebaut. Ein Experiment. Ich wollte deutlich machen, dass die Zeit etwas ist, was sich im Kreise dreht an der großen Uhr, ohne dass man genau weiß, wie spät es eigentlich ist. Und dass dieser Spruch „Es ist fünf vor zwölf“ voraussetzt, dass wir zwei Zeiger in Bewegung haben. Wenn es nur einer ist, weiß man das gar nicht mehr. Man sieht nur, wie das weitergeht, man sieht nur, wie das tickt, aber man weiß eigentlich gar nicht so genau, wie spät es ist. Das hat mir immer Spaß gemacht, war ein bisschen auch ein Schabernack und ein bisschen skurril, aber es war mein Spiel mit der Zeit, ja.

Sie haben sehr intensive Jahre in der Politik verbracht, als Vizekanzler, als SPD-Chef. Aus dieser Zeit ist mir ein Satz von Ihnen in Erinnerung geblieben. Er fiel auf einer rasanten Autofahrt, hinten in Ihrem Dienstwagen. Aus dem Fax quollen die Papiere, das Handy klingelte dauernd. Da haben Sie gesagt: „Was fehlt, sind die Tankstellen.“ Was haben Sie damit gemeint?
Dass man mal Ruhe braucht, dass man konzentriert bleiben muss und dass man sich nicht berauschen darf an der Geschwindigkeit. Und dass man dann auf diese Art und Weise, ja, bei sich selbst bleibt und nicht verloren geht in der Geschwindigkeit, in der wir uns bewegen. Das ist nämlich schnell passiert. 

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Müntefering

hatte lange genug enorm viel Macht, die er zur Etablierung demokratischer Strukturen in der Europäischen Union hätte einsetzen können.

Das tat er aber nicht.

Von daher ist seine Forderung nach solchen Strukturen schlicht unglaubwürdig.

  • Antworten
Very Serious Sam05.09.2012 | 17:55 Uhr

Müntefering

Wieder einer, der glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Erst einer, der sich anmaßte, etwas Fundamentales zur Genetik sagen zu müssen, nun einer, der über Raum und Zeit schwafelt. Man darf sie ruhigen Gewissens in eine Reihe mit der größten Finanzpolitikerin aller Zeiten stellen.
"Demokratie ist langsam", zu langsam für die Realität von heute. Münteferings Vorschlag: die Realität müsse sich ändern, müsse sich der Langsamkeit der Demokratie anpassen. Herrlich! Was für ein Komiker. Oder einfach nur ein Politiker?

  • Antworten
Max Hoffmann06.09.2012 | 16:37 Uhr

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