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 > Eurokritik als Lebenselixier

Berliner Republik

Dobrindt und die CSUEurokritik als Lebenselixier

Von Wulf Schmiese 29. August 2012
picture alliance
Dobrindt, Seehofer, Schmiese, CSU, Cicero-Empfehlung
Über den Anti-Eurokurs zur stärksten Partei?
Schrift:

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ist der Krachmacher der CSU und sorgt mit seinen Aussprüchen gegen den Verbleib Griechenlands in der Eurozone für Aufruhr. Doch nicht in der eigenen Partei. Denn der Anti-Eurokurs könnte rechtzeitig zur Landtagswahl im nächsten Jahr zum Alleinstellungsmerkmal der CSU werden

Seite 1 von 2

Es sagt sich leicht, dass die CSU Griechenland für den Landtagswahlkampf missbrauche. In einem Jahr wird ja in Bayern gewählt. Nach absoluter Mehrheit sieht es abermals nicht aus. Da braucht es ein Alleinstellungsmerkmal, einen Kracher, möglichst volksnah. Nun sieht es ganz so aus, als habe die CSU etwas gefunden mit Knalleffekt: Griechen raus aus dem Euro! Bayerns Finanzminister Markus Söder zündelte damit schon vor Wochen, doch das verhallte noch wie ein Tischfeuerwerk.

Der bessere Krachmacher scheint da Generalsekretär Alexander Dobrindt zu sein, als CSU-Oberknaller sehen ihn viele. Sagt er wirklich Unerhörtes? Er sieht Griechenland 2013 nicht mehr als Mitglied der Euro-Zone. Das hatte auch schon Söder festgestellt, doch bei Dobrindt schreien alle auf. Warum? Weil sie wissen im politischen Berlin, dass er sich bestätigt sehen kann. Das Dauerdarben der Griechen gibt ihm Genugtuung. Er hat es seit Langem so kommen sehen. Die Euro-Krise ist Dobrindts Triumph. Er gehörte von Anbeginn der Krise zu den Skeptikern. Ihn verspotteten sie in der CDU als „Anti-Europäer“ schon zu einer Zeit, als die Krise noch jung war und niemand wirklich glaubte, sie könne so viel an Zeit und Geld fressen.

Es war an einem frostigen Februarabend des Jahres 2009. Nachdem der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer den neuen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vorgestellt und der voller aristokratischem Charme die Hauptstadtpresse bezirzt hatte, durfte auch der neue Generalsekretär Dobrindt sich vorstellen. Den kannte bis dahin kaum jemand außerhalb der Union, und er sprach schlecht. Gefragt, was er im neuen Amt vorhabe, redete der Diplom-Soziologe aus Peißenberg in Oberbayern vom "Dialogprozess", den er "forcieren" wolle. Er wünsche sich "neue Formen der Teilhabe", künftig laute das "Codewort: Bürgerbeteiligung".

Nicht nur die Führenden der CDU hielten diesen blassen Mann für drittklassig. Auch Seehofer schmunzelte, auf den Neuen und dessen schwache Vorstellung angesprochen. Nun ja, sagte der CSU-Vorsitzende damals achselzuckend, man müsse dem halt Zeit geben, und überhaupt, was hätte es da sonst schon gegeben an Personal aus dieser Landesgruppe im Bundestag?

Seite 2: Warum Seehofer Dobrindt ganz bewusst nie zurückgepfiffen hat

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