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Berliner Republik

Ex-Chefermittler zur Barschel-Affäre„Es war Mord!“

Interview mit Heinrich Wille13. September 2012
picture alliance
Uwe Barschel, Barschel-Affäre, Wille, Pfeiffer, Engholm
Was geschah wirklich mit Uwe Barschel?
Schrift:

Seit 25 Jahren wird über die Umstände gerätselt, die zum Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel führten. Ex-Chefermittler Heinrich Wille erklärt, warum er sich sicher ist, dass es Mord gewesen sein muss

Seite 1 von 3

Herr Wille, 25 Jahre nach Uwe Barschels Tod wurden fremde DNA-Spuren auf den Kleidungsstücken des Opfers gefunden. Sehen Sie eine Chance für die Wiederaufnahme des Verfahrens?
Nein. Es gibt keine neuen Ermittlungsansätze. Im Grunde erleben wir dieselbe Situation wie seinerzeit 1998, als das Verfahren eingestellt wurde. Ja, der Verdacht des Mordes besteht nach wie vor, aber es gibt keine Täterspuren.

Was müsste denn passieren, damit das Verfahren wieder aufgerollt wird?
Eine Person innerhalb des Täterkreises müsste auspacken.

Sie haben den Fall sieben Jahre nach dem Tod Barschels übernommen. Erst nach jahrelangen juristischen Querelen konnten Sie Ihr Buch über die Ermittlungen veröffentlichen. Es trägt den Titel: „Ein Mord, der keiner sein durfte“. Sie glauben also, dass es Mord war?
Ja, ich bin davon überzeugt, dass es Mord war. Das ist im Übrigen keine Glaubensfrage. Es handelt sich um eine Schlussfolgerung, die ich nicht alleine gezogen habe. Zusammen mit meiner Ermittlungstruppe, die aus hochqualifizierten Kriminalbeamten inklusiver zweier Staatsanwälte bestand, kam ich zu der Überzeugung. Es gab verschiedene Indizien, die mit Suizid nicht in Übereinstimmung zu bringen waren und nach unserer Auffassung eindeutig auf Mord hingewiesen haben. Bei einer offeneren Bewertung und einer größeren Sorgfalt hätte man dies in ähnlicher Weise schon viel früher schlussfolgern können.

Sie beklagen vor allem Versäumnisse der Genfer Behörden vor Ort. 
Ja, aber auch die deutschen Behörden waren vor Ort und haben viel zu schnell die Suizidinterpretation übernommen. Das kann man nicht allein den Schweizern anhängen. Die Folge war jedoch, dass die Ermittlungen nicht mit der Sorgfalt geführt wurden, die angebracht gewesen wäre.

Sie werfen den ermittelnden Behörden vor, Sie hätten der Selbstmordthese von Beginn an den Vorzug gegeben.
Von Anfang an beherrschte die Suizidthese die politische und mediale Öffentlichkeit. Uwe Barschel war der Schurke, der sich selbst richtete. Es schien die einfachste aller Lösungen. Stellen Sie sich ein Szenario vor, in dem ein deutscher Ministerpräsident im Ausland ermordet wird. Es gab ganz offensichtlich Interessen, die dieses Szenario verhindern wollten. Ich konnte nicht definieren, welche Interessenträger das waren und sind. Wir hatten auch keine Möglichkeit, in diese Richtung stärker aktiv zu werden. Uns wurden von vornherein der Einsatz strafprozessualer Zwangsmaßnahmen von unseren Vorgesetzten aus der Hand genommen. Wir haben mit einem gerichtlichen Beschluss die Stasiunterlagenbehörde unter dem heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgesucht wegen des Verdachts der Beweismittelzurückhaltung. Bei der nachfolgenden Beschwerde der Behörde hat der Generalstaatsanwalt eine gerichtliche Entscheidung verhindert und sich gegen unsere Rechtsauffassung einseitig der Meinung der Stasiunterlagenbehörde angeschlossen. Das hat unsere Autorität nachhaltig beschädigt. Von da an ging es Berg ab.

Was spricht für Mord?
Das sind im Besonderen drei Dinge, die sich am Tatort fanden: Erstens, der abgerissene Hemdknopf von Uwe Barschel, der im Türbereich gefunden wurde. Es handelt sich um den zweiten Knopf von oben, der mit einer beträchtlichen Kraft abgerissen wurde, und zwar senkrecht von oben nach unten. Mit beträchtlicher Kraft deshalb, weil Teile des Hemdstoffes mit ausgerissen wurden. Es gibt auch, wenn man jetzt mal die ominöse Sterbehilfetheorie nimmt, keinen Grund, warum ihm ein Sterbehelfer diesen Knopf hätte abreißen sollen. Das ist nur als diskrete Gewalt Dritter zu verstehen, die sich gegen Barschel gerichtet und mutmaßlich beim Transport seines nicht mehr ganz vom Willen kontrollierten Körpers vom Zimmer ins Bad stattgefunden haben muss.

Zweitens: Das Spurenbild, mit dem verschmutzten Badvorleger und dem identisch verschmutzten Handtuch, das nicht im Badezimmer, sondern außerhalb des Bads gefunden wurde.

Drittens: Ein kleines Fläschchen aus der Minibar, das geleert im Abfalleimer des Badezimmers gefunden wurde. Dieses Fläschchen wurde mit Wasser ausgespült. Welchen Grund sollte jemand in einem Selbstmordgeschehen haben, ausgerechnet dieses kleine Fläschchen mit Wasser auszuspülen? Es ist nur als Verwischung von Spuren vorstellbar. Wir haben durch einen Lübecker Toxikologen nach Jahren feststellen lassen, dass sich in dem Fläschchen Reste eines der vier Stoffe fanden, die zusammenwirkten, um Uwe Barschel zu Tode zu bringen. Wahrscheinlich ist die verdeckte Beibringung eines Medikamentes durch Dritte unter Vortäuschung des Trinken eines Schnaps. Letztlich ausschlaggebend für den Tod war dann das vierte verabreichte Mittel Cyclobarbital.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum Uwe Barschel Sartre las

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Politiker und auch Päpste leben gefährlich

Der wahrscheinliche Mord an dem CDU-Politiker Uwe Barschel sieht nach einem perfekten Verbrechen aus.
Barschel war und ist nicht der letzte Politiker, der von interessierter Seite umgebracht worden ist, um Rauschgift-, Waffen- oder sonstige schmutzige Geschäfte zu tarnen oder zu vertuschen.
Mit dem 33-Tage-Papst Johannes Paul I., mit bürgerlichem Namen Albino Luciani, wurde sogar ein amtierender Papst ermordet, wie David A. Yallop in seinem aufsehenerregenden Buch "Im Namen Gottes?" nachzuweisen versuchte. Luciani hatte die Absicht, die finsteren Geldgeschäfte der Vatikanbank aufzudecken und zu beenden. Das konnten seine vatikan-internen Gegner nicht dulden. Also mußte Johannes Paul I. "beseitigt" werden, möglichst spurlos, was scheinbar auch gelungen ist.
Auch Päpste zählen zur Gruppe der hochrangigen Politiker, die möglichst nicht "aus der Reihe tanzen" und sich nicht mit verbrecherischen, finanzstarken Organisationen oder Gruppierungen anlegen sollten, sondern immer "in der Spur bleiben" müssen, um keine Angriffsflächen zu bieten.
Genau dies zeigt auf erschreckende Weise, in welcher Welt wir wirklich leben, nämlich in einer Welt, in der das Geld, also eiskalte Kapitalinteressen regieren.

  • Antworten
Yvonne Walden13.09.2012 | 11:24 Uhr

yallop

werte yvonne,

yallop hat ja auch "bewiesen", daß carlos "der schakal" nur eine phantom war. zu blöd, das phantom sitzt in frankreich ein und es gibt mittlerweile einen sehenswerten film über ihn ...

  • Antworten
hardy14.09.2012 | 02:55 Uhr

Jede Motivsuche durch Motivationsanalysen wurden blockiert

Niemand geht den Weg über 3D-Zeitschienen und 3D-Ereigniskorellation zum Motiv. Sämtliche einfachen der 5-9 "W-Fragen" fanden nie statt und letztendlich wurde der Hauptnutznießer oberster Dienstherr über ein Verfahren in dem er selbst nach dem Opfer die Hauptrolle spielt. Jetzt sollte man beim einstigen PUA-Vize und bis vor wenigen Tagen noch Chef bei Gruner + Jahr, Dr. Klaus Bernd Buchholz anfangen die richtigen Fragen zu stellen. Welche? Weshalb hat er mit allen Mitteln alles auf die Seite geschoben, was auf den Stern als Zahlstelle für Pfeiffer hätte hinweisen können? Buchholz übergangsloser Wechsel von der Politik zu G+J in einen gut dotierten Zukunftsposten muss dem Verlag einenm adäquaten Gegenwert beschert haben - welchen? Weshalb hat Buchholz die offizielle und wortprotokollierte Zeugenaussage ins Märchenland verwiesen, obwohl harte Sach- und Zeugenbeweise dafür vorliegen, dass der angebliche Übergabeort der Geldpakete an Pfeiffer nicht Holmmoor gewesen sein kann, sondern die BAB-Raststätte auf der HH-HL BAB "Trave" bei Hammoor. Mehr dazu geben die Akten her, die übrigens auch mein alter Bekannter aus der Kieler Szene, Heinrich Wille kennt und in seinen Akten hat oder gehabt hatte. Heinrich weiß auch, dass Pfeiffer Engholm und den STERN wegen des Mordes in Genf erpresst hat. Buchholz wurde im Wirbel dieser sachbezogenen aktuellen Ereignisse um dessen eigene Rolle vor 2 Wochen zuerst bei Bertelsmann aus dem Vorstand entlassen und wenige Tage darauf bei G+J gefeuert. Davon sollte auch Cicero etwas mitbekommen haben. Wäre es anders, gäbe es keinen Grund hier einen 3-seitigen Bericht über die Barschel-Affäre zu bringen.

  • Antworten
Peter Liebmann13.09.2012 | 19:28 Uhr

So viel zum Thema "Verschwörungstheorie"!

Als Freya Barschel damals öffentlich daran zweifelte, dass ihr Mann ermordet worden sei, wurde sie belächelt und verachtet. Auch von mir. Arme Frau - wollte nicht akzeptieren, dass ihr moralisch fragwürdiger Mann sich "selbst gerichtet" hatte. Das "wusste" damals jeder!

Merke: die "Verschwörungsspinnerei" von heute ist die nachgewiesene Verschwörung von morgen!

  • Antworten
Ingbert Jüdt13.09.2012 | 21:18 Uhr

Barschelmord

Mich verblüfft die Bemerkung zu dem Sartre-Buch: "Wir wissen ja gar nicht, ob er darin gelesen hat"
Um Bücher zu lesen, muss man das Buch halten, darin blättern usw.
Hinterlässt so etwas keine Spuren, die mit heutiger Kriminaltechnik zu verifizieren sind? Oder hält man diese Spuren für zu unwichtig, um den dafür nötigen Aufwand zu betreinen?

  • Antworten
Peter Kohler14.09.2012 | 13:33 Uhr

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