Sie war die klassische Mitregierungspartei der Bundesrepublik – mal links, öfters rechts. Schlaglichter auf die Geschichte der FDP anlässlich ihres Bundesparteitags
Man sagte Einst von der Linken, sie pflanze sich durch Zellspaltung fort. Ein Gleiches ließe sich von den Liberalen behaupten: von Beginn der Bundesrepublik an bis zu den Heimsuchungen dieser Tage, bei denen wir nicht sicher sein können, ob die FDP nicht in Wirklichkeit schon dahingeschieden ist.
Die Scheel-Partei der sozialliberalen Koalition ist sie schon lange nicht mehr, und der Bundespräsident außer Diensten sollte es sich verbitten, mit seiner großen Bundestagsrede vor der Abstimmung über den Misstrauensantrag gegen Willy Brandt 1971 von seinen Nachfolgern an der Parteispitze zitiert zu werden: „Diese kleine und mutige, gescholtene und geschlagene, häufig für tot erklärte und immer wieder aufgestandene Freie Demokratische Partei“, rief der damalige Außenminister, „hat mehr für das Wohl dieser Republik bewirkt, als ihrer zahlenmäßigen Stärke zuzutrauen war.“
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In der Westerwelle-Wahl vom Oktober 2009 hatten die Freien Demokraten über ihre Verhältnisse gesiegt. Doch „über die Verhältnisse“ agierten sie seit 1949 oft genug. Denn fast immer brauchte es die dritte Partei, so schwach sie auch sein mochte, um eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden. In den 62 Jahren der Geschichte des Bonn-Berliner Staates war sie 42 Jahre lang an der Exekutive beteiligt. Reinhold Maier, der erzschwäbische Gründervater der süddeutschen FDP, sprach mit schlauer Gemütlichkeit von der Rolle des permanenten „Waagscheißerle“. Dass die Partei durch ihre Konflikte gezwungen war, sich immer wieder neu zu erfinden, mag ihre Langlebigkeit erklären.
Das Bündnis mit den Sozialdemokraten Willy Brandts und ihr außenpolitisches Hauptziel, die Ostverträge, gaben damals den Anlass für eine der Spaltungen und Absplitterungen, von denen die Geschichte der FDP markiert ist. Fünf waren es wenigstens seit 1949: die erste 1956, als die Freien Demokraten in Nordrhein-Westfalen den Ministerpräsidenten Karl Arnold, die Führungsfigur der CDU-Linken, aus dem Amt jagten und mit der SPD koalierten. In Bonn protestierten 16 FDP-Abgeordnete (darunter die Bundesminister) und gründeten die „Freie Volkspartei“. Sie ist verschwunden.
Im November 1962 traten die FDP-Minister der vorletzten Regierung des alten Adenauer zurück, weil sie nach der „Spiegel-Affäre“ (als das FDP-Mitglied Rudolf Augstein und seine wichtigsten Mitarbeiter wegen angeblichen Landesverrats verhaftet worden waren) nicht mehr mit Franz Josef Strauß an einem Kabinettstisch sitzen wollten. Für die Freien Demokraten war das eine Zerreißprobe.
1970 schlossen sich Mitglieder des rechten FDP-Flügels aus Protest gegen die Ostpolitik in der „Nationalliberalen Aktion“ zusammen. Schließlich rebellierte 1982 die Parteilinke gegen Hans-Dietrich Genschers und Otto Graf Lambsdorffs Bruch mit Bundeskanzler Schmidt und den großen Schwenk zu Helmut Kohl: Sie bildete die Vereinigung „Liberale Demokraten“, und auch sie versank in der Geschichte.
Die Devotion vor dem mächtigen Kanzler Adenauer, die Zerwürfnisse, die wechselnden Aus- und Abgrenzungen entsprachen durchaus der Tradition der liberalen Parteien in Bismarcks Großpreußen und Kleindeutschland. Der Erzkanzler brauchte den Rückhalt der freisinnigen Bürger bei der Konstruktion des Zweiten Reiches. Er war in seinem ruchlosen „Kulturkampf“ auf die Liberalen angewiesen – jener irrationalen Kampagne gegen den Vatikan, gegen die Jesuiten, den deutschen Klerus und die Zentrumspartei (die politische Armada des Katholizismus). Freilich verstörten ihn couragierte Parlamentarier wie Eduard Lasker, Führer der liberalen Linken, der sich vergebens für die gesetzliche Sicherung der Pressefreiheit ins Zeug warf und 1873 mit der Enthüllung eines gigantischen Eisenbahnskandals (in den auch Mitarbeiter Bismarcks verstrickt waren) ein Finanzdebakel auslöste, das fast so verheerend war wie der „Krach“ von 1929.
Bismarck schmähte seinen gefährlichsten Widersacher im Reichstag als „die eigentliche Staatskrankheit“ – eine Diffamierung, die dem damals wuchernden Antisemitismus entsprach.
Lasker brachte es immerhin zuwege, Bismarcks Sozialistengesetze durch kleine Korrekturen ein wenig zu entschärfen. So stimmten die Liberalen zu, so schandbar es auch war, auch der linke Flügel, der später als „Fortschrittspartei“ firmierte. Doch sie verweigerten (partiell) den Gehorsam, als die großagrarischen Standesgenossen des Kanzlers und die Schwerindustrie 1878 das System der „Schutzzölle“ erzwangen.
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