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Berliner Republik

Energiewende in GefahrDas Lobbychaos

Von Georg Löwisch24. Januar 2013
picture alliance
Energiewende,Windkraft
Dunkle Zeiten für die Energiewende: Experten rechnen mit stetig steigenden Strompreisen
Schrift:

Die Energiewende? Kommt überstürzt! Macht uns arm! Zerstört die Industrie! Über kein Projekt verbreiten Lobbyisten so viele Mythen. Was dran ist, beleuchtet Cicero in der Februarausgabe

Droht die Energiewende zu scheitern? Lesen Sie im neuen Cicero: Verdunkelungsgefahr. Die Wahrheit über die Energiewende. Die Februar-Ausgabe, ab sofort am Kiosk erhältlich und in unserem Online-Shop.

 

 

Die Ökonomin Claudia Kemfert sieht die Energiewende durch Lobbyinteressen in Deutschland gefährdet. „Ein Kampf um Strom tobt, und es ist zu befürchten, dass dieser dem begonnenen Prozess des Energieumbaus schadet“, schreibt die Leiterin der Energieabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Cicero.  

Die Energiewende ist das Titelthema der Februarausgabe von Cicero. Titel: „Verdunkelungsgefahr“. Nicht genug, dass durch marode Leitungen ernsthafte Stromausfälle möglich wären. Ein Heer von Lobbyisten produziert Mythen über die Energiewende. Ob Stromkonzerne, Solarbranche oder Metallindustrie. Alle wollen profitieren – keiner will zahlen. Derzeit werden sogar Wurst- und Tiermehlhersteller von der Ökostromumlage befreit. In Analyse, Reportage, Interview und Graphik fragt Cicero: Wo wird verdunkelt? Welche Kritik an dem Megaprojekt ist berechtigt?

Claudia Kemfert ist eine der renommierten Kennerinnen der deutschen Energiepolitik. In wenigen Tagen bringt sie ihr Buch „Kampf um Strom“ heraus. Im Cicero wirft sie den vier Konzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW vor, die Energiewende zu sabotieren. Ihre Lobbyisten und deren „willige Handlanger in der Politik“ schürten Ängste vor dauerhaft hohen Preisen, Versorgungsproblemen und Nachteilen für den Industriestandort. Die Bevölkerung solle im Wahljahr das Vertrauen in die Energiewende verlieren. Die Lobbystrategie habe bereits erste Erfolge gebracht.  „An manchen Stellen – nicht allen! – herrscht Chaos, und wir können noch scheitern“, warnt Kemfert.  

Die DIW-Expertin kritisiert auch die Politik. Der Staat ziehe sich mehr und mehr aus der Subventionierung des Stroms zurück. Anstatt die Privatkunden steuerlich zu entlasten, befreie der Staat immer mehr Industriebetriebe. Die Kernenergie habe der Fiskus seinerzeit gefördert, dagegen werde die Ökostromförderung auf die Stromkunden umgelegt. „Für den Verbraucher besteht der eigentliche Unterschied zwischen alter und neuer Energie so vor allem darin, dass der Staat sich aus der Förderung zurückzieht und diese dem Stromkunden aufbürdet.“

Der FDP wirft Kemfert vor, der Energiewende zu schaden, die sie selbst mitbeschlossen habe. Mit der Forderung, das Erneuerbare Energien Gesetz zu ändern, stelle sie ihre liberalen Ideen gern hintan und bediene Interessen etablierter Wirtschaftsmächte.

Bildergalerie: Karikaturen zur Energiewende

Der ehemalige Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, wirft der Politik im Cicero-Interview Mutlosigkeit vor. Sie müsse Probleme öffentlich benennen und auch gegen Widerstände beseitigen, sagt er. „So, wie es derzeit läuft, muss man das Projekt leider als permanenten Reparaturbetrieb bezeichnen.“

Kann es zu Blackouts in Deutschland kommen? Stromausfälle habe es schon immer gegeben, sagt Kurth. Allerdings mache die Energiewende die Infrastruktur anfälliger dafür, weil Wind- und Sonnenenergie wetterbedingt schwanken. Die Grundlast der Energieversorgung könne zumindest in den nächsten 20 Jahren noch nicht durch grünen Strom abgedeckt werden.

Kurth rechnet mit einem weiter steigenden Strompreis. „Man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass er weiter nach oben gehen wird.“ Die Steigerung resultiere allein aus Steuern, Abgaben und Umlagen, die von der Politik gewollt seien.

Die genauen Analysen von Kemfert und Kurth finden sich in der Februarausgabe von Cicero. Jetzt am Kiosk und in unserem Online-Shop. Darüber hinaus porträtiert Christian Schwägerl zwei Berliner Lobbyisten im Kampf um die Energiewende – von denen einer sogar Voodoo-Puppen verschickt.

 

Die offizielle Liste der im Jahr 2012 durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn „begünstigten Abnahmestellen“, also der von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen (Stand März 2012), finden Sie auf Cicero Online.

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Die Macht der Lobbyisten

Es ist sehr bedauerlich, dass unsere Politiker nur noch den Wünschen ihrer Gesprächspartner aus den Konzernchefetagen nachkommen, aber nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung kennen.

  • Antworten
Inuk24.01.2013 | 15:35 Uhr

Eben,eben!

Seit Jahrzehnten wird dieses Land von Lobbyisten gesteuert. Endlich - mit der Energiewende - hört das auf, denn es gibt natürlich keine Ökolobby. Das sind alles arme, alternativ denkende, weichherzige Menschen, die es gut mit uns meinen. Die wollen nur unser Bestes und meinen damit zunächst auch nur unser Geld. Zusätzlich gibt es noch ein wenig Lebensqualität mitten im Windpark oder neben der Biogasanlage.
Natürlich man muß richtig froh sein, wenn man kein Atomkraftwerk vor die Haustür gestellt bekommt. Dabei könnte man mit dem Atomstrom doch die Windräder antreiben, wenn ausnahmsweise mal kein Lüftchen weht.

  • Antworten
Domingo24.01.2013 | 17:08 Uhr

Wohl wahr!

Wohl wahr!

  • Antworten
clemens maier24.01.2013 | 23:53 Uhr

Lobyismus

Im Grunde ist Lobbyismus ja vernünftig. Woher soll die Regierung denn wissen, wo die Probleme liegen? Nur sollte die Regierung ein Interessensausgleich versuchen. Das das nicht gemacht wird, ist das Problem.

  • Antworten
Robert25.01.2013 | 12:40 Uhr

Wie, eben, eben?

Sie haben es anscheinend nicht begriffen oder wollen es nicht -
natürlich haben auch Ökostromanbieter eine Lobby - aber im Vergleich zu den großen Strommultis haben diese kaum etwas zu sagen, wie Sie es darstellen wollen.
Mal sehen, ob Sie bereit wären, neben einem Atommüllendlager zu wohnen, ist ja alles total harmlos, wie die Atomlobby sagt.

  • Antworten
deichgöre25.01.2013 | 20:02 Uhr

"haben diese kaum etwas zu sagen"

Glauben Sie das wirklich??

http://www.wiwo.de/unternehmen/atomausstieg-die-stunde-der-lobbyisten/5154280.html

  • Antworten
Domingo26.01.2013 | 13:04 Uhr

Energiewende

Zweiter Frühling für Nachtspeicheröfen/RWE setzt auf Uralt-Technik
Mehrere Energiekonzerne wollen offenbar die als Stromfresser bekannte Nachtspeicherheizung wiederbeleben und zu einem wichtigen Instrument der Energiewende machen. Mit moderner Regeltechnik ausgestattet sollen sie als Speicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken genutzt werden ("Financial Times Deutschland"). Technisch funktioniere das System schon heute. Dafür müßte allerdings das für 2019 geplante Verbot fallen. Noch ziert sich die Bundesregierung, die zudem vor Monaten dementierte,daß das geplante Verbot gekippt werden könnte, um die Heizungen als Energiespeicher für überschüssigen Ökostrom zu nutzen.Unmengen von Strom gehen verloren. Stromversorger suchen verzweifelt nach jeder Möglichkeit, Energie zwischenzulagern. Laut "FTD" mussten 2011 dreimal so viele Windräder zwangsweise stillstehen wie im Jahr zuvor. Die Energie habe weder abtransportiert noch zwischengelagert werden können.
Ganz schlimm sind inzwischen die vielen holzverbrennenden Öfen, die bald in jeder Wohnung stehen (müssen!!) und alles andere als umweltverträglich mit ihren Ausstößen (unter vielen anderen Schadstoffen der gefährliche Feinstaub) sind!!!

  • Antworten
Konstanze Eberhard25.01.2013 | 12:46 Uhr

"Nachtspeicherheizung"

Das sind keine "Nachtspeicherheizungen", weil Nachts kein Stromüberangebot besteht. Es geht darum, dass mit Erdgas erwärmte Warmwasser/Heizungswasser bei Überangebot stattdessen mit einem elektrischen "Tauchsieder" zu erwärmen. Die Effizienz wäre sehr hoch. Bei den Kosten wäre wahrscheinlich die IT entscheidend, denn die E-Werke müssen dem "Tauchsieder" sagen können, wann Strom billig ist. Ich glaube übrigens, dass es daran scheitern wird. Es lohnt sich einfach nicht für die E-Werke wegen einigen Stunden pro Jahr eine Infrastruktur aufzubauen. Diese "Unmengen an weggeworfenem Strom" sind in der Realität nicht so viel. Relevant wird das erst bei vielleicht 60 - 70 Prozent EE-Strom. Übrigens, aus diesem Grund gibt es ja auch die Forschung Strom in Erdgas umzuwandeln. Ist alles das selbe Problem.

  • Antworten
Robert26.01.2013 | 06:48 Uhr

Die EEG-Förderung kostet den

Die EEG-Förderung kostet den Stromkunden in einem Jahr soviel, wie die Förderung der Kernenergie in den letzten 50 Jahren ausgemacht hat. Und im Gegensatz zur Kernenergie, werden die sogenannten Erneuerbaren niemals ohne Förderung auskommen.

  • Antworten
Marc Sommer26.01.2013 | 14:45 Uhr

Energiewende

Die "Nachtspeicheröfen" heißen heute "Wärmespeicheröfen", weil sie ihren Strom über gesteuerte Anlagen, wie Rundsteuergeräte, vom EVU dann bekommen, wenn das EVU Strom übrig hat. Dies findet unabhängig von Tages- oder Nachtzeiten statt. Sicherlich gibt es schon technische Verfahren, Strom in Form von Metangas zu speichern. Diese sind jedoch leider noch nicht so ausgereift, dass sie nennenswert eingesetzt werden können. Die elektrische Wärmespeichertechnologie funktioniert aber seit Jahrzehnten problemlos. Daher gibt es z.Zt. von großen EVU-Anbietern Testprojekte, die das Ergebnis haben könnten, den "guten alten Wärmespeicher" wieder einzusetzen. Dies wäre sicherlich sinnvoller, als die Strommengen, die in Spitzenzeiten entstehen, an Österreich oder Osteuropa zu verschenken. Die Mengen in Spitzenzeiten sind z.Zt. schon so hoch, dass neue PV-Anlagen nur noch mit Steuerungen genehmigt werden, die deren Abschaltung ermöglichen.

  • Antworten
Konstanze Eberhard26.01.2013 | 19:20 Uhr

Lobbying und Strompreise

Zum Glück hat es die INSM noch nicht geschafft, die Bürger mit ewigen Lügen über Strompreise und "wenn der Wind mal nicht weht"-Mythen zu zermürben. Zum Glück wissen die meisten Menschen, dass von den 5,3 Cent EEG-Umlage nur 2,1 Cent für den Ausbau der Erneuerbaren Energien sind. Der Rest sind Steuern und Industrieförderungen. Würde man im Sinne einer "konventionellen Energieumlage" auch die heutigen Subventionen an die Kohle- und Atomindustrie auf die Stromrechnung schreiben, stünden da 10,2 Cent-ups! Und der Wind weht zwar nicht immer an einer Stelle, aber immer irgendwo. Gilt auch für Sonne. Ein Blick auf die Windhöfigkeit genügt.

  • Antworten
Knudsen27.01.2013 | 09:33 Uhr

"Ein Blick auf die Windhöfigkeit genügt."

So ist es.
http://www.transparency.eex.com/de/

  • Antworten
Domingo28.01.2013 | 10:37 Uhr

Die Energiewende ist nicht

Die Energiewende ist nicht "gefährdet", sondern eine Gefahr. Denn hier wurde ohne technisches Konzept und ohne technische Lösung das vorhandene System der verlässlichen und wirtschaftlichen Energiever- sorgung im Interesse kurzfristiger Merkelscher Wahltaktik in Richtung Baden-Württemberg zerstört. Genützt hat es nicht. Aber die widersin- nige Entscheidung zur Zerstörung der gesicherten Energieversorgung in Mitteleuropa ohne Beteiligung der europäischen Nachbarn blieb in der Welt.

  • Antworten
ein_Liberaler27.01.2013 | 21:31 Uhr

Kemfert

Kemfert ist die sog. Expertin des DIW - also interessengeleitet! Es gibt kein Lobbychaos, sondern eine Ministerinkompetenz! Es müsste sofort ein Energieminsterium geben mit Prof.Töpfer an der Spitze, damit die inkompetenten Leichtmatrosen endlich ihrer Spielchen beenden!

Ein Energieministerium wäre das wichtigste Ministerium dieses Landes!

Merkel hat die volle alleinige Verantwortung für dieses unsägliche Laufen lassen dieses lebenswichtigen Projektes !!

  • Antworten
friedrich schreyer28.01.2013 | 15:36 Uhr

Grün-ökologischer Komplex

Die größte Lobby hat inzwischen offenbar der grün-ökologische Komplex. Und dies, obwohl die Solarindustrie sich zwischenzeitlich trotz exhobitanter Subventionen vom Felde - sprich Insolvenz - gemacht hat. Anders kann man sich die Einäugigkeit der Medien, ihre jeder Wissenschaft spottenden Artikel, in diesem unserem Lande nicht mehr erklären.

  • Antworten
Robert Hagen29.01.2013 | 21:08 Uhr

An der Kernenergie führt kein Weg vorbei

Diese ganzen grünen Spielchen sind Gaga. Sie dienen nur einer kleinen Clique von Lobbyisten, und das zulasten der Allgemeinheit. Die gigantischen Möglichkeiten der Kernenergie zur dauerhaften Versorgung mit billigem Strom und der Entwicklung der Dritten Welt sind bisher nur angekratzt. Ich empfehle jedem der sich um unsere Zukunft sorgt die im Internet abrufbare Abhandlung "Ehrlich streiten über Kernenergie" von Dr. Helmut Böttiger. Hier wird auch die offizielle Desinformationspolitik in bezug auf die Kernenergie deutlich.

  • Antworten
roxsi15.02.2013 | 12:10 Uhr

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