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Berliner Republik

ZapfenstreichEine Frage der Ehre

Von Alexander Marguier7. März 2012
picture alliance
Alt-Präsidenten, Köhler, Weizsäcker, Scheel, herzog, Zapfenstreich, Wulff
Leider verhindert: Die Alt-Präsidenten Köhler, Weizsäcker, Scheel und Herzog
Schrift:

Die Absagen der Alt-Bundespräsidenten zum Zapfenstreich für Christian Wulff schaden der Institution als solcher. Genauso wie die populistische Debatte wegen der Ruhebezüge

Seite 1 von 2

I have to do my nails – ich muss mir die Fingernägel lackieren: Mit diesem Spruch geben amerikanische Frauen einem Mann einen Korb, wenn sie ihm bedeuten wollen, dass dessen Ansinnen um ein Date nun aber wirklich völlig aussichtslos sei. Die Maniküre ist wichtiger als eine Verabredung; den Rest kann sich der düpierte Bittsteller dann schon selber denken.

Es ist solch ein entwürdigender Fingernagel-Moment, den wir gerade mit den Absagen der vier Alt-Bundespräsidenten erleben: Alles andere hat Vorrang, um ein Nichterscheinen beim Zapfenstreich für Christian Wulff zu rechtfertigen. Horst Köhler, der wegen seiner eigenen Ehrpusseligkeit Knall auf Fall aus dem höchsten Staatsamt flüchtete und es damit vorübergehend zum Arbeitsplatz eines überforderten Beamten degradierte, nahm nach seinem Ausscheiden das militärische Zeremoniell ganz selbstverständlich für sich in Anspruch. Jetzt aber halten ihn irgendwelche Auslandstermine davon ab, dem Aufmarsch der Ehrenformation für seinen Nachfolger beizuwohnen.

Bildergalerie: Die Bilder zur Wulff-Affäre
  • Bundespräsident, Nachfolger, Christian Wulff, Kredit-Affäre
  • Bundespräsident, Nachfolger, Christian Wulff, Kredit-Affäre
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Roman Herzog ist leider ebenfalls verhindert, einen Vortrag vor einer nordrhein-westfälischen Mittelstandsvereinigung kann man natürlich nicht einfach so absagen (es sei denn, aus wichtigem Grund – wozu der Zapfenstreich für den abgedankten Bundespräsidenten ganz offensichtlich nicht zählt). Richard von Weizsäcker hat es gar nicht erst nötig, eine Ausrede zu finden; seine eigene Dünkelhaftigkeit ist bereits Erklärung genug. Dabei hätte gerade dieser allen Grund dazu, Christian Wulff dankbar zu sein, ohne dessen Verfehlungen es kaum einen Anlass gegeben hätte, Weizsäcker neuerdings zum Musterbild des deutschen Bundespräsidenten zu verklären.

Von Walter Scheel abgesehen, der mit seinen 92 Jahren als einziger über gute Argumente für ein Fernbleiben verfügt, handelt es sich bei den ehemaligen Staatsoberhäuptern um Mitglieder der CDU. So schwer also wiegen die Bedenken dieser Herren, dass selbst ein bisschen Parteiräson, und sei es nur aus Solidarität zur Bundeskanzlerin, sie nicht dazu bewegen kann, am Donnerstag zur Verabschiedung des Bundespräsidenten vor Schloss Bellevue zu erscheinen.

Nachtreten durch Nichtkommen: Das ist allerdings ein sehr unschöner Akt, um einem Gefallenen die letzte Ehre abzuschneiden. Und unwürdig ist es noch dazu, schließlich handelt es sich beim Zapfenstreich nicht um eine private Frühverrentungs-Party, sondern um ein formelles Zeremoniell, bei dem der vielbeschworene Respekt vor dem Amt im Mittelpunkt steht. Ob Christian Wulff, der übrigens keinen Landesverrat begangen hat, als Staatsoberhaupt noch länger zu tragen gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Aber gerade die Herren Köhler, Herzog und Weizsäcker müssten eigentlich wissen, dass sie durch ihren Boykott eine Institution beschädigen, die sie selbst einst verkörpern durften.

Warum die Alt-Bundespräsidenten damit keine Größe beweisen

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Wulff hat das Volk vorgeführt!

Angenommen Wulff wurde von seinen Anwälten beraten und schmierigen Freunden geschmiert!
Wenn er so gerne feiert und absichtlich gelogen hat, dann könnte man auch den Umkehrschluss ziehen:
Wulff hat das Volk hingehalten, hat das Spiel so lange mitgespielt bis es nicht mehr ging. Er hat seinen Rücktritt genau geplant, um hinterher den Ehrensold von insgesamt 450.000,- € per anno zu kassieren!
Sein Image war so oder so kaputt! Nur so wird aus der Affäre Wulff ein passender Schuh!

  • Antworten
Andreas Löseke (1942)07.03.2012 | 13:31 Uhr

Wulff

Wulff zeigt bestens die Moral unserer ,,Volksvertreter". Er erhält als frechster Arbeitsloser Deutschlands bis ans Lebensende vom Steuerzahler 200.000 Euro +280.000 Euro (im Jahr) für Auto,Büro,Leibwächter.Asoziale Schmarotzer regieren das Land.Dem Volk wird alles genommen,den Bonzen alles zugeschanzt.

  • Antworten
Erwin07.03.2012 | 23:19 Uhr

Populismus

Das Volk wird vom Autor mit dem Begriff Polulismus verächtlich gemacht.
(Populus = Volk)
Verachtet er es auch im Zusammenhang mit der Demokratie? (Demos = Volk)
Er verlässt damit schon fast den Horizont des Grundgesetzes nähert sich der Gesellschaft von Diktatoren an. Die wissen auch alles besser als das Volk.
Das von ihm so verachtete Volk ist aber immer noch gut genug, in den nächsten 30 Jahren 15 Millionen Steuergelder für den ehrenwerten Herrn Wulff zu zahlen.

  • Antworten
Werner Rauch07.03.2012 | 14:15 Uhr

Totale Fehleinschätzung

Mit Verlaub gesagt halte ich Ihren Kommentar nicht allein für eine totale Missinterpretation sondern für absoluten Schwachsinn. Es mag sein, dass sich die Diskussion in der Causa Wulff teilweise auf sehr niedrigem Niveau bewegt, aber sie allein auf Neidkultur und Rachsucht zu reduzieren, da scheint mir, Herr Marguier, machen Sie es sich doch ein wenig zu einfach. Wenn die "Fragen nach der Sinnhaftigkeit eines Verfassungsorgans namens Bundespräsident lauter werden", und zwar erst seitdem dieser Herr mit Wohnsitz in Großburgwedel das Amt ausübte, dann ist es doch wohl nicht angebracht, an die Größe und den Großmut seiner Vorgänger im Amt zu appellieren, indem man denen auch no so nebenbei einen Tritt ins Schienbein verpasst, sondern Kritik an der Person zu üben, die ihn auf Teufel komm raus ins Amt gehievt hat. Sie sagen, "wenn wir als Gesellschaft Strukturen zulassen, die dazu führen, dass jemand wie Christian Wulff Bundespräsident wird, sollen wir auch bereit sein, die Zeche dafür zu zahlen". Wer ist oder sind den diese "Strukturen", in meiner Einschätzung vor allem die Bundeskanzlerin in diesem Falle. Und weil die Leute eben nicht mehr bereit sind, die Zeche zu zahlen angesichts solcher von diesem Herrn gezeigten Dreistigkeiten, werden eben auch die Fragen nach der Sinnhaftigkeit dieses Amtes lauter.

  • Antworten
Gabriele Rack07.03.2012 | 14:28 Uhr

Der Große Zapfenstreich wird

Der Große Zapfenstreich wird vom Autor unangemessen hochstilisiert. Dies halte ich für problematisch.

Das Ritual des Großen Zapfenstreichs entspricht einem anachronistischen Denken, das zuvorderst militärischen Formen und Abläufen huldigt.

Deshalb sollte sich unsere Zivilgesellschaft grundsätzlich überlegen, ob derlei Rituale überhaupt noch in unsere Zeit passen.
Gleiches gilt für Staatemfpänge mit militärischem Gepränge. Nationalhymnen könnten durchaus auch von nicht-uniformierten Orchestern dargebracht werden.

Zivilere, zivilisiertere Umgangsformen würden deutlich besser zu einem Staatswesen passen, daß mit dem Preussentum von einst eigentlich garnichts mehr gemeinsam hat und haben möchte.

  • Antworten
Yvonne Walden07.03.2012 | 15:47 Uhr

Ehre wem Ehre gebührt

Der Mann befindet sich noch nicht einmal im Einklang mit den ältesten Sitten und Gebräuchen, nämlich Anstand. Er scheint nicht die leiseste Beklemmung des Gewissens zu haben. Er besteht auf seine Rechte und entsprechende Umgangsformen, verwirft aber seine Lügen. Er sieht sich als Opfer, nicht als Täter. Das vergiftet eine ganze Gesellschaft.

  • Antworten
bernhard07.03.2012 | 16:48 Uhr

Zapfenstreich

Unsere Demokratie nimmt zwar großen Schaden

Ja, es stimmt, die Diskussion um Wulffs Bezüge, die Absage der Ex-Präsidenten etc. verursachen Schaden. So paradox es klingt: Es wäre viel besser gewesen für unser aller Gefühl für unseren demokratischen Staat und alle seine Institiontion, die Steuerzahler zahlen und die Altpräsidenten sich die Füße vertreten zu lasssen. etc.
Alles diskret und ohne Aufsehen, würdevoll schweigend, so zu tun, als wäre nichts geschehen und geschähe auch nicht.
Aber in der Menge ist eben oft ein Furz nicht zu überhören, die Menge will sich dann empören.
Aber auch dieeser Kelch geht an uns vorüber. Alles, alles geht vorüber; wir haben schon Peinlicheres erlebt, unsere Liebe zu unserem relativ freiheitlichen Staat wird das alles verkraften, überleben. Dann wenden wir uns hoffentlich wieder dem Wesentlichen zu: Der Frage, wie wir neben der relativen Einigkeit, Freiheit und Demokratie, die wir zwar haben und die vorübergehend seufzt, auch mehr Recht, im Sinne von Gerechtigkeit, sozialer Gerechtigkeit in unser Vaterland bringen, mehr soziale Sicherheit.
Seien wir guten Mutes !
Günter Woltmann-Zeitler
Arnbach

  • Antworten
Günter Woltmann-Zeitler07.03.2012 | 17:41 Uhr

Ehre wem Ehre gebührt...

Es ist schon zuviel der Ehre, wenn über einen gewissen Herrn, der einmal ein wichtiges Amt in Deutschland innehatte weiterhin verharmlosend berichtet wird. Dem Amt hat der geschadet, der es inne hatte und weder diejenigen, die darüber berichtet haben noch jene, die daraus ihre Konsequenzen ziehen. Es ist allerdings eine Schande, wenn einem „Würdenträger“ noch eine Apanage gezahlt wird, nachdem er dieses wegen des Verdachtes der Korruption aufgeben musste. Wenn der Herr wie normale Menschen dieser Republik behandelt worden wäre, hätte er eine außerordentliche Kündigung kassiert und eine Schadenersatzklage riskiert. Dies herunterzuspielen empfinde ich als würdelos und dünkelhaft. Wer so argumentiert setzt sich dem Verdacht aus, ebenfalls zu der Kaste der politischen Schnäpchenjäger in diesem Land zu zählen…

  • Antworten
Werner Klein07.03.2012 | 21:25 Uhr

Wulff .

Scham, pure Scham

Nein, lassen wir diesem Mann und seinen Angehörigen ihr bisheriges Auskommen - von uns aus. Muten wir ihm eine Reduzierung seiner Lebensfreude nicht von uns aus zu. Er lebt auch nur einmal. Streichen wir ihm lediglich Büro, Sekretärin, Dienstwagen etc. Und regen wir ihn an, sich innerhalb von zwei Jahren um einen gleichdotieren anderen Job zu bemühen und dann auf den "Ehrensold" freiwillig zu verzichten - zur Entlastung seines - Achtung: seines - Gewissens. Damit er wieder in den Spiegel schauen kann - er. Ohne zu blinzeln.
Und wir ? Vergessen wir ihn, wie wir um unseres Wohlbefindens willen immer alles vergessen müssen, was hinter uns liegt. Sonst wird es zu viel. Überwinden wir, wir unsere Scham, daß wir diesen Mann zu unserem Repräsentanten gewählt haben - freiwillig. Indem wir seine Dompteuse, Frau Angela Merkel, zu unserer Regierungschefin gewählt haben - freiwillig. Weil wir beide mißbrauchen mochten, für uns zu sorgen, weil wir selbst zu träge sind, uns selbst - auch - um Politik zu kümmern.
Wenn er sich nicht schämen mag oder kann - wir müssen uns schämen. Frau Mitscherlich würde vielleicht formuliern: "Schamarbeit leisten". Ja, sollten wir. Und schaffen wir dieses Amt ab, damit sich eine solche Peinlichkeit schon aus formalen Gründen nicht wiederholen kann.
Günter Woltmann-Zeitler
Arnbach

  • Antworten
Günter Woltmann-Zeitler08.03.2012 | 13:13 Uhr

Der Kommentator hat vollkommen recht!

Ich verstehe nicht, wie es die Bevölkerung zulassen kann, dass die Presse unser Staatsoberhaupt dermaßen in Misskredit bringt. Eigentlich müssten wir, selbst wenn alle Vorwürfe berechtigt wären, geschlossen hinter unserem Staatsoberhaupt stehen. Können wir es zulassen, dass die Bildzeitung ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt aus dem Amt vertreibt. Ich meine: Nein.

Der Ehrensold steht unserem ehemaligen Bundespräsidenten zu. Wollen wir, dass er künftig irgendeiner gewerbsmäßigen Tätigkeit nachgehen muss, um sich und seine Familie zu ernähren? Wie groß war der Aufschrei, als Herr Schröder Aufsichtsrat bei Gazprom wurde.

  • Antworten
Ralf Lüdeke08.03.2012 | 17:45 Uhr

Zynismus pur: Wasser predigen, Wein trinken ...

Christian Wulff anlässlich seiner Verabschiedung: "Ich gehe mit dem Gefühl der Neugier und der Vorfreude auf das, was kommt."

Dies ist ein Schlag ins Gesicht aller jener ehrlichen und zum großen Teil hart arbeitenden Menschen in Deutschland, die sich mit 65, bald 67 Jahren nach einem langen Berufsleben mit zunehmend schlechterer Bezahlung in ihrer aktiven Zeit auch noch mit schrumpfenden Renten und Pensionen im Alter begnügen müssen.

Währenddessen wird das an seinem eigenen fragwürdigen Verhalten und damit an sich selbst gescheiterte ehemalige Staatsoberhaupt nach nur ein paar hundert Tagen im Amt auch noch lebenslang jährlich mit 199.000 Euro "Ehrensold" (was für ein Hohn!), einem Dienstwagen, einem Chauffeur, einem Büro auf Kosten der Steuerzahler sowie obendrein und unverdientermaßen mit einem "Großen Zapfenstreich" belohnt.

Bravo, besser kann man den Niedergang und das Verschwinden von positiven Werten, Tugenden und Moral in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit nicht beschreiben. Herr Wulff selbst ist - womöglich als Spitze des Eisberges - beredtes Beispiel dafür, dass zahlreiche Vertreter der politischen Kaste in Sonntagsreden zwar Wasser für das gemeine Volk predigen, selbst aber sogar im Alltag nur Wein trinken. Zynischer geht's nicht!

  • Antworten
Guido Schümann09.03.2012 | 03:55 Uhr

Die Freiheit und Moral

Langsam fange ich an mich zu fürchten, wer heute alles weiß was Freiheit und Moral ist und wessen Freiheit und Moral gemeint ist. Mir scheint manche meinen sie könnten beides dem Fieber gleich an einem Fieberthermometer ablesen.

  • Antworten
Heinz Pelzer09.03.2012 | 10:17 Uhr

leider waren es nicht mehr...

leider waren es nicht mehr demonstranten, die gestern wulfs abgang stören wollten. so wie ich mitbekommen hat wohl die polizei die instrumente der demonstrirenden eingezogen, eine frechheit wie ich finde.
trots alledem eine gelungene störveranstaltung und peinlichkeit für herrn wulf. habe eigentlich schon damit gerechnet, das die demonstranten ganz entfert werden, gewundert hätte mich das nicht...

  • Antworten
daniel09.03.2012 | 11:40 Uhr

Respekt!

Jeder, der seine Einladung für den Zapfenstreich verworfen hat, hat meine Hochachtung. Das hilft dem Amt mehr als, dass es ihm schadet. Je größer der Teil der Politik, der klar dazu Stellung bezieht, dass das nicht die Art von Politik ist, auf die man setzt, desto höher das Ansehen der Politik bei der Bevölkerung.

Sowas wie Wulff kann passieren. Auch dass man ihm den Ehrensold zahlen muss. Aber das man dazu lächelt, wäre eine richtig großer Fehler!

  • Antworten
Sebastian Fiebiger09.03.2012 | 19:17 Uhr

Wulff und kein Ende

Wulff ist ein Symptomträger. Und als solcher Projektionsfläche für die in allen Bereichen der Gesellschaft vorzufindende Mentalität der Gier...Macht korrumpiert, Macht verführt und vernebelt den Blick..sie ist ein Rausch, in dem Hemmschwellen fallen, in einer Kaste, die nach dem Drehtüreffekt zwischen Macht und Wirtschaft ohnehin für sich ist. Aber das ist ein Ausdruck für ein gesellschaftliches Phänomen. Jeder der Wulff verurteilt mäge sich fragen, wie er sich verhält, wenn er was mitnehmen kann...Gustav Heinemann, ein ehemaliger Bundespräsident, soll einmal gesagt haben: Von der Hand , mit deren Zeigefinger ich auf jemanden anderes zeige, zeigen drei Finger auf mich zurück.

  • Antworten
Peter Thomas10.03.2012 | 10:57 Uhr

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