Die Absagen der Alt-Bundespräsidenten zum Zapfenstreich für Christian Wulff schaden der Institution als solcher. Genauso wie die populistische Debatte wegen der Ruhebezüge
I have to do my nails – ich muss mir die Fingernägel lackieren: Mit diesem Spruch geben amerikanische Frauen einem Mann einen Korb, wenn sie ihm bedeuten wollen, dass dessen Ansinnen um ein Date nun aber wirklich völlig aussichtslos sei. Die Maniküre ist wichtiger als eine Verabredung; den Rest kann sich der düpierte Bittsteller dann schon selber denken.
Es ist solch ein entwürdigender Fingernagel-Moment, den wir gerade mit den Absagen der vier Alt-Bundespräsidenten erleben: Alles andere hat Vorrang, um ein Nichterscheinen beim Zapfenstreich für Christian Wulff zu rechtfertigen. Horst Köhler, der wegen seiner eigenen Ehrpusseligkeit Knall auf Fall aus dem höchsten Staatsamt flüchtete und es damit vorübergehend zum Arbeitsplatz eines überforderten Beamten degradierte, nahm nach seinem Ausscheiden das militärische Zeremoniell ganz selbstverständlich für sich in Anspruch. Jetzt aber halten ihn irgendwelche Auslandstermine davon ab, dem Aufmarsch der Ehrenformation für seinen Nachfolger beizuwohnen.
Roman Herzog ist leider ebenfalls verhindert, einen Vortrag vor einer nordrhein-westfälischen Mittelstandsvereinigung kann man natürlich nicht einfach so absagen (es sei denn, aus wichtigem Grund – wozu der Zapfenstreich für den abgedankten Bundespräsidenten ganz offensichtlich nicht zählt). Richard von Weizsäcker hat es gar nicht erst nötig, eine Ausrede zu finden; seine eigene Dünkelhaftigkeit ist bereits Erklärung genug. Dabei hätte gerade dieser allen Grund dazu, Christian Wulff dankbar zu sein, ohne dessen Verfehlungen es kaum einen Anlass gegeben hätte, Weizsäcker neuerdings zum Musterbild des deutschen Bundespräsidenten zu verklären.
Von Walter Scheel abgesehen, der mit seinen 92 Jahren als einziger über gute Argumente für ein Fernbleiben verfügt, handelt es sich bei den ehemaligen Staatsoberhäuptern um Mitglieder der CDU. So schwer also wiegen die Bedenken dieser Herren, dass selbst ein bisschen Parteiräson, und sei es nur aus Solidarität zur Bundeskanzlerin, sie nicht dazu bewegen kann, am Donnerstag zur Verabschiedung des Bundespräsidenten vor Schloss Bellevue zu erscheinen.
Nachtreten durch Nichtkommen: Das ist allerdings ein sehr unschöner Akt, um einem Gefallenen die letzte Ehre abzuschneiden. Und unwürdig ist es noch dazu, schließlich handelt es sich beim Zapfenstreich nicht um eine private Frühverrentungs-Party, sondern um ein formelles Zeremoniell, bei dem der vielbeschworene Respekt vor dem Amt im Mittelpunkt steht. Ob Christian Wulff, der übrigens keinen Landesverrat begangen hat, als Staatsoberhaupt noch länger zu tragen gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Aber gerade die Herren Köhler, Herzog und Weizsäcker müssten eigentlich wissen, dass sie durch ihren Boykott eine Institution beschädigen, die sie selbst einst verkörpern durften.
Warum die Alt-Bundespräsidenten damit keine Größe beweisen











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