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 > Eine europäische Versuchung

Berliner Republik

Bayerns UnabhängigkeitEine europäische Versuchung

Von Christoph Seils3. September 2012
Scharnagl, Bayern kann es auch allein, seehofer, Cicero-Empfehlung
Kann es Bayern auch allein?
Schrift:

Hohn und Spott erntete der konservative CSU-Stratege Wilfried Scharnagl für seine Forderung nach einem eigenen bayerischen Staat. Doch im europäischen Kontext ist sein Plädoyer alles andere als weltfremd. Es könnte im Gegenteil ein neuer strategischer Baustein für die Regionalpartei CSU werden

Seite 1 von 2

In einem kleinen Berliner Verlag erschien in der vergangenen Woche ein dünnes Büchlein mit Titel „Bayern kann es auch alleine“. Darin plädiert Wilfried Scharnagl für eine Abspaltung Bayerns von Deutschland und ruft zu einem bayerischen Unabhängigkeitskampf auf. Irgendwie fällt das Buch angesichts der Eurokrise und der Globalisierung aus der Zeit. Man könnte es als Folklore abtun und den mittlerweile 73jährigen ehemaligen Chefredakteur des Bayernkuriers und langjährige CSU-Stratege einen unverbesserlichen Nostalgiker schelten. Im 21. Jahrhundert will er scheinbar zurück zur deutschen Kleinstaaterei, die eigentlich seit 141 Jahren als überwunden gilt.

Oder man macht sich über die Bayern lustig, über jenes Völkchen südlich des Mains mit ihrem merkwürdigen Gejodel, ihren unbequemen Lederhosen und dem dünnen Bier. Angesichts der Scharnagl‘schen Unabhängigkeitsfantasien könnte man ihnen also Gute Reise und blauweiße Schlagbäume wünschen.

Dabei empfiehlt es sich, das Buch sehr ernst zu nehmen, auch wenn die CSU nicht gleich morgen die Unabhängigkeit Bayerns ausruft. Die Idee könnte dennoch ein wichtiger Baustein sein bei der Neupositionierung der CSU als Regionalpartei mit regionalnationalem und wohlstandschauvinistischem Einschlag. Gleichzeitig könnte die Idee spätestens dann eine politische Dynamik entfalten, wenn im Zuge der Eurokrise einerseits die Rufe nach mehr europäischer Integration laut werden und dies andererseits eine Gegenbewegung provoziert, in der die sezessionistischen und separatistischen Kräfte in Europa gestärkt werden.

Die Idee einer Loslösung Bayerns von Deutschland folgt also, auch wenn sie noch ziemlich vage klingt, einem europäischen Trend. In vielen europäischen Ländern versuchen sich Regionalparteien mit dem Ruf nach Abspaltung vom Zentralstaat zu profilieren. Regionalismus heißt unter anderem in Spanien, Italien, Belgien oder Großbritannien die Antwort auf Macht der Zentralstaaten und das Unbehagen über den wachsenden Einfluss der Europäischen Union. Katalanen und Basken wollen sich von Spanien loslösen, Südtirol besitzt in Italien schon eine weitgehende Autonomie. In Schottland findet möglicherweise im Herbst 2014 ein Unabhängigkeitsreferendum statt. In Belgien wiederum ist das Tischtuch zwischen Flamen und Wallonen schon weitgehend zerschnitten.

Nur noch mit letzter Kraft wird das Land vom belgischen Königshaus, der Angst vor einem Finanzchaos und der fehlenden Lösung für die Hauptstadt Brüssel zusammengehalten. Die Pläne für eine Spaltung des Landes liegen jedoch schon seit Langem in der Schublade der wohlhabenden Flamen. Selbst im zentralistischen Frankreich melden sich die Regionen, zum Beispiel Korsen und Bretonen, immer häufiger selbstbewusst zu Wort. Wobei es kein Wunder ist, dass vor allem in den reichen europäischen Regionen die Unabhängigkeitsrhetorik auf Widerhall stößt. Auch Bayern spielt diese Melodie. Das Land will nicht mehr der doppelte Zahlmeister Deutschland und Europas sein. Deshalb polemisiert die CSU gleichermaßen gegen den Länderfinanzausgleich und gegen die Griechenlandhilfen.

Seite 2: Die politischen Vorbilder aller bayerischen Sezessionisten sind vor allem die Lega Nord in Italien und die Scottish National Party (SNP)

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Eine europäische Versuchung

Bayern als selbständiger Staat? Warum nicht? Vorher sollten aber die von Napoleon geschenkten Gebiete, z.Bsp. Franken, von Bayern getrennt werden! Und dann kann man gleich ein Bundesland Franken ausrufen, damit auch die Heilbronner wieder eine Heimat haben.

  • Antworten
Klaus Fiedler03.09.2012 | 13:14 Uhr

Europa der Regionen

Die europäische Zukunft ist noch gar nicht definiert. Neben Bundesstaat oder Staatenbund ist auch ein "Europa der Regionen" angedacht. Dort wäre dann Platz für alle Eigenständigkeiten; man muss es nur ohne Häme und Scheuklappen diskutieren.

  • Antworten
Willy Ehrlich04.09.2012 | 13:05 Uhr

Selbständigkeit Bayerns

Ehe Bayern ein selbständiger Staat werden kann, muß es das in Zusammenarbeit mit Napoleon annektierte Franken wieder hergeben. Zweihundert Jahre bayerischer Fremdherrschaft und Ausbeutung Frankens durch Bayern sind genug. Auch die von Bayern geraubten fränkischen Kunstschätze sind zurückzugeben.

  • Antworten
Ludwig Kies04.09.2012 | 21:00 Uhr

Die Bayernpartei ist das Orginal

Wenn es um die Unabhängigkeit Bayerns geht, dann ist nur die Bayernpartei das Orginal und die CSU versucht zur Zeit mit einer PR-Aktion die 18% Wähler der Bayernpartei auf ihre Seite zu ziehen. Im Kampf und die absolute Mehrheit im bayerischen Parlament scheint den Christsozialen zur Zeit jedes Mittel recht und nützlich.
Die Bayernpartei gewinnt gerade in den letzten Monaten im Freistaat immer mehr Anhänger. Nicht mehr lange wird man Hohn und Spott ernten für die Forderung nach einem unabhängigen bayerischen Staat, wenn die Bayernpartei im Freistaat immer stärker wird.

  • Antworten
Meindl Johann04.09.2012 | 23:21 Uhr

Eine europäische Versuchung

Man könnte an die studentischen Staatsfantasien der 1960er anknüpfen und vorschlagen, dass sich Salzburg, Tirol, Südtirol und Vorarlberg der neu zu formierenden 'Bajuwarischen Alpenrepublik ' anschliessen.

A dream come true.

  • Antworten
Bernhard Kopp05.09.2012 | 15:52 Uhr

Eine Europäische Versuchung

Eine solche "Sezessionsbestrebung" hat bei näherer Betrachtung doch ganz handfeste Ursprünge. Wie mehrfah angeklungen haben die Franken sich nie in Bayern "heimisch" gefühlt, noch ist es den südd. Ländern zu verdenken, dass sie über den Finanzausgleich Abenteuer, wie den Flughafen Berlin oder die Staatsoper in Hamburg mitzufinanzieren, erbost sind. Ganz zu schweigen von Griechenland oder anderen notleidenden Euro-Ländern.
Es erscheint irreal, die Regionen mit eigenen Regierungen, Währungen und Sytemen zu schaffen. Was aber definitiv erfolgen muss ist, dass jede Stadt, jede Region, jedes Land und jeder Staat zunächst einmal selbst für Ordnung und finanzielle Stabilität sorgen muss. Vieleicht sollte der Euro doch besser nur eine Verrechnungseinheit sein, an dem sich die Regionen und Länder gemäß ihrer Wirtschaftkraft orientieren können.

  • Antworten
Gerd Nothhaft06.09.2012 | 00:45 Uhr

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