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Berliner Republik

Die PiratenEin verpufftes Wunder

Von Petra Sorge30. August 2012
picture alliance
Piratenpartei,Wahlplakat,Vertrau keinem Plakat - informier dich!
Ob die Piraten immer noch wollen, dass ihre Wähler sich informieren?
Schrift:

Alternative Politik? Frischer Wind in der Politik? Das war einmal. Die Piraten gleichen sich immer mehr den etablierten Parteien an, um 2013 Jahr den Bundestag zu stürmen. Aus demütigen Nerds sind mittlerweile ehrgeizige Politplaner geworden. Die ersten wenden sich enttäuscht ab

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Was war das für ein Jubel, als der orangefarbene Balken wuchs und wuchs und wuchs – und schließlich bei acht Prozent stehen blieb. Am 18. September 2011 stolperten 15 Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus. Mehr Kandidaten hatte man gar nicht aufgestellt, denn mehr hätte man für aberwitzig gehalten. Die Wahl fegte beinahe die Medienfirma von Pavel Mayer dahin, denn er und drei seiner Angestellten waren plötzlich keine hauptberuflichen ITler mehr, sondern Abgeordnete. Die Presse jubelte – ein Coup der Nerds, Glasnost digital, Parteienfrühling mitten im Spätsommer. Und, ein bisschen sogar, ein Polit-Wunder.

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Der rumänische Schriftsteller Mircea Dinescu zitierte einmal ein Sprichwort aus seiner Heimat: „Jedes Wunder dauert drei Tage.“ Was dann kommt, sind bestenfalls Vergessen, schlimmstenfalls Enttäuschung und Selbstgefälligkeit. Wenn Tag eins der Piraten Berlin war, dann waren Tag zwei und drei der anschließende TV-Pop und Mitgliederansturm sowie die Wahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen.

Und jetzt, am Tag vier? Die Piraten haben erkannt, welche Widerstände auf der politischen Bühne auf sie warten, es geht nicht mehr bergauf, sondern nur noch geradeaus, sie stecken in den sprichwörtlichen Mühen der Ebene. Und das tut weh. Etwa, wie sie gerade ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren: In allen Parteien finden die Netzexperten nun Gehör, sogar die Union hat ein „C-Netz“ gestartet. Liquid Feedback, das die Piraten als erste Partei pämperten, ist salonfähig geworden. Die Mitbestimmungsplattform wird nun auch bei der FDP Bayern und im Landkreis Friesland genutzt.

Wenn das Wunder alltäglich geworden und auch äußere Schmarotzer genährt hat, drohen die eigentlichen Empfänger oft zu vergessen, warum sie es überhaupt erhalten haben. Da war die rasende Wut auf die etablierte Politik, auf die Eitelkeit seiner Vertreter, auf die langwierige Meinungsbildung in den alten Parteien.

Mittlerweile werden Repräsentanten wie der politische Geschäftsführer Johannes Ponader nicht mehr in Talkshows eingesetzt, um inhaltliche Positionen zu diskutieren, sondern weil er mit Schlabberpulli, Sandalen und iPhone ein medialer Hingucker ist. Mittlerweile gibt es bei den Piraten zwar Meinungsbildung zu unzähligen Detailfragen, doch bei den wirklich wichtigen gleich gar keine. Das wurde etwa beim Umgang mit den Schweizer Steuer-CDs deutlich: Einige Abgeordnete aus Düsseldorf und Kiel hatten erst gegen den nordrhein-westfälischen Finanzminister Walter-Borjans wegen seines CD-Ankaufs geklagt, doch dann distanzierten sich sowohl der NRW-Landesverband als auch große Teile der Fraktion von dieser Strafanzeige.

Ähnlich chaotisch ging es zu, als die Piraten jüngst über die Atomkraft stritten: Eine kleine Arbeitsgruppe warb auf einem Flyer für die „moderne und sichere Nutzung der Kernenergie“ – und erhielt von der Bundespressestelle prompt eine Abmahnung samt Unterlassungserklärung. Dieser Eingriff in die Meinungsfreiheit wiederum empörte die Piraten so sehr, dass die Abmahnung zurückgenommen wurde.

Das „Vergessen“ beginnt auch da, wo man sich politische Lernprozesse einzugestehen übersieht. Wo man also, zur Erkenntnis gekommen, dass frühere Überzeugungen nicht mehr auf die Realität passen, nun die gegenteiligen Positionen als die eigenen verkauft. So geschehen beim Thema Urheberrecht: Einst galten die Verwertungsgesellschaften, die die Rechte von Künstlern sichern, als Todfeinde der Piraten, als „Content-Mafia“ (dieser Begriff wurde schon kurz nach den ersten Wahlerfolgen aus dem offiziellen Sprachgebrauch verbannt). Heute gelten Verwertungsunternehmen wie VG Wort oder GEMA, Verlage, Labels und Publisher als ein „wichtiger Faktor“, wie eine piratige Ideensammlung zu neuen Geschäftsmodellen für Künstler im digitalen Zeitalter einräumt.

Seite 2: Fast-Food-Politik nach dem Franchise-Modell

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Liquidfeedback bei der FDP Bayern und im Landkreis Friesland mit "durchgesetzte Idee" gleichsetzen ist einfach falsch. Das Bundestags-Barcamp in Essen als Whopper-Vereinheitlichung zu sehen, belegt starke Sehschwäche. 2 Namen um Grummeln bei Engagierten und der Basis nachzuweisen, ist dann doch etwas leichtgewichtig

  • Antworten
Dennis Klüver30.08.2012 | 12:49 Uhr

Ein weiteres Kapitel von:

Immer feste druff. Wohlwollen kann man der Autorin hier nun wirklich nicht unterstellen. Ist wohl zu schwierig positive und negative und alle anderen Entwicklungen in dieser jungen Partei gegeneinander abzuwägen. Knüppel aus dem Sack geht aber anscheinend immer. Wie erfrischend wäre es dagegen, wenn sich mal jemand die Wirtschafts- und "Europapolitik" unserer Bundesregierung derart vornähme! Aber die ist ja seriös...

  • Antworten
gth30.08.2012 | 17:03 Uhr

Nur wer um Schläge bettelt, bekommt sie auch !

Kritik, ist eine Art von Aufforderung, sich dieser zu befassen ,eindeutige Stellungen zu beziehen, die Auslöser dieser Kritik sind um neues Vertrauen aufzubauen !
Also, warum regen Sie sich auf, nur ein exotischer Parteien Name reicht allein nicht aus !
Ich habe die Piraten auch gewählt, aber seit dem Kontakt mit KISSINGRER, sind sie für mich nicht mehr wählbar !!!
Da fühle ich mich ganz klar verarscht !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
MfG

  • Antworten
Andreas Voth01.09.2012 | 19:07 Uhr

Ziele schon erreicht

Für mich ist das wesentliche Ziel schon erreicht, "Stasi 2.0" wurde verhindert. Wenn heute allen Parteien wichtig ist den Überwachungsstaat zu verhindern, kann ich auf die Piraten auch verzichten. Hinzu kommt, dass sie nicht mit neuen Ideen geglänzt haben. Tatsächlich kommen die Ideen und die Kritik aus der Gesellschaft und wer immer die aufgreift ist mir egal.

  • Antworten
Robert30.08.2012 | 17:43 Uhr

Große Empfindlichkeit

Es ist schon faszinierend, dass ein medienphänomen wie die Piraten, sobald es kritisiert wird, sofort in den Kommentaren gegen jede berechtigte Kritik verteidigt wird und die Medien, die die Partei erst gehypt haben, plötzlich die Blsen sind. Es ist doch berechtigt zu fragen, wieviel Wahrheit vom Anspruch übrig ist. Wer etwa hat den Vorsitzenden gewählt? Gerade einemal fünf Prozent der Basis, und bei einem in norddeutschland gehaltenen Parteitag gewinnt ein Norddeutscher. Das ist die Perversion von basisidemokratie, die durch Repräsentativität wesentlich demokratischer ausgefallen wäre! Und dann ist der Stellvertreter zum Vorsitzenden und der Vorsitzende zum Stellvertreter ernannt worden, klingt nicht sonderlich nach freiem Zugang. und auch dies weiß amn aus der Forschung: Dort, wo basisdemokratisch abgestimmt wird, werden informelle Strukturen umso wichtiger, das haben schon Rudi Dutschke und Petra Kelly in der jungen Grünen Partei erkannt. Sei's drum...

  • Antworten
Marcel Steindorf31.08.2012 | 13:13 Uhr

Die Alternative?

Glaubt tatsächlich jemand es könnte die perfekte Partei geben? Natürlich haben die Piraten ihre Probleme, natürlich ist dort nicht alles Gold was glänzt. Aber was wäre denn die Alternative? Der Sumpf aus SPD, CDU/CSU und FDP? Die assimilierten Grünen? Die staatsmachtverliebten Linken? Oder einfach Nichtwählen, was dann gleichbedeutend ist mit Sumpf wählen. Da doch lieber die Piraten, weil es die derzeit einzige Chance ist, das Establishment abzuwählen. Ob sie dann genauso vereinnahmt werden (können) wie seinerzeit die Grünen, werden wir dann sehen. Ich bin da für Chance geben, anstelle Vorverurteilung

  • Antworten
Rabert von Dahrenhorst01.09.2012 | 11:56 Uhr

Regierungsfähig?

Die Piraten sind doch nicht regierungsfähig, genaugenommen auch nicht koalitionsfähig. Selbst politifähig sind sie nur eingeschränkt. Deshalb halte ich sie derzeit im Bundestag für überflüssig. Sie sollten erst in den Städten und Bundesländern funktionsfähige Strukturen aufbauen. Das heißt, ein funktionierendes Modell für eine Politik 2.0.

PS: Dadurch das man die Konkurrenz schlecht macht, verbessert man das eigene Angebot nicht. Die haben immerhin sein Jahrzehnten Erfahrung mit Politik und die SPD sogar seit über hundert Jahren.

  • Antworten
Robert03.09.2012 | 08:39 Uhr

Piraten

Piraten...*lach..der Fehler liegt schon darin eine Partei zu gründen!
Die Zukunft gehört einer parteilosen Politik, Parteien haben in der Politik schlicht nichts zu suchen.
Wohin ein Parteiensystem führt sehen wir ja - zu einer Tyrannei unter dem Pseudonym "Demokratie" als Aushängeschild zur Irreführung des depperten Wahlvolkes.

Wer sich dem tyrannischen System als Partei anbietet, wird wie alle sich im gleichen Sumpf wiederfinden.
Tschüß Piraten...

  • Antworten
Boltar01.09.2012 | 11:57 Uhr

Piraten bessere FDP

Nein, es war schon lange klar und nun wird es deutlich, die Piraten sind kein Korrektiv in dieser Postdemokratie. Letzlich bleiben da nur die Linken und da liebäugelt die Führung aus schon mit Rot Rot Grün.
Der Wähler bleibt verstört zurück und lässt dann lieber Wahl Wahl sein.
Zu Recht, denn es ändert sich nichts an der Politik der Umverteilung von unten nach oben. Kein Mindestlohn, kein Bürgergeld. Keine Besteuerung der Reichen und keine Kontrolle der Banken.
Es wird weiter Gewurschtelt und 67 Prozent der deutschen Bevölkerung findet das gut wie Frau Merkel hier die BRD wie eine DDR führt. Nämlich Alternativlos. Es werden Mrd. in die EU gepumpt an Steuergeldern während im Lande die Angebote des Gemeinwesens immer weiter zurückgefahren werden. Während hierzulande Herr Clement von einer Rente ab achtzig fabuliert, gehen Beamte in Brüssel mit vollen Bezügen ab 56 in Rente. Also Politik wie immer. Dann weiter so.

  • Antworten
uri12501.09.2012 | 12:26 Uhr

Nicht mehr wählbar !

In dem Moment, als die Piraten sich mit Kissinger getroffen haben, kannte meine Enttäuschung keine Grenzen mehr, ab dem Zeitpunkt ist diese Partei für mich nicht mehr existent!!! Vorsicht ist geboten, und der Geruch von einem weiteren Verrat hängt in der Luft!!!
Schade drum....
Ps. habe bis jetzt den Artikel noch garnicht gelesen, mache ich jetzt,
verstehste ?!!

MfG

  • Antworten
Andreas Voth01.09.2012 | 13:03 Uhr

Journalistische Wellenbewegungen

Die beschriebenen, meist organisatorischen Schwierigkeiten bestehen in älteren Parteien auch. Teilweise lassen sie sogar Zweifel an deren demokratischer Legitimiertheit - selbst nach dem Repräsentationsprinzip - aufkommen. Grabt doch dort mal ein bisschen. Ansonsten gleichen die vielen erst hochjubelnden, jetzt niedermachenden Kommentare Wellenbewegungen, die die Auflage hochhalten sollen.

  • Antworten
Johannes Diestelmann01.09.2012 | 18:24 Uhr

Zensur

Wird hier auch zensiert ???

  • Antworten
Andreas Voth01.09.2012 | 19:10 Uhr

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