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 > Ein Treppenwitz namens Grünen-Partei

Berliner Republik

PersonalquerelenEin Treppenwitz namens Grünen-Partei

Von Michael Lühmann20. Juli 2012
picture alliance
Katrin Göring-Eckardt,Claudia Roth,Steffi Lemke,Cem Özdemir,Grüne,Parteivorstand
Eene-meene-muh bei den Grünen: Katrin Göring Eckart (l.) soll's für die Realos richten, außerdem rangeln die Parteivorsitzenden Claudia Roth (2.v.l.) und Cem Özdemir (r.) um den Spitzenplatz
Schrift:

Die Grünen nennen sich Programmpartei, doch was sich in ihren Reihen derzeit abspielt, ist eine Farce. Statt Sach- gibt es Personalpolitik. Wahlen wird man so aber nicht gewinnen können.

Seite 1 von 2

Eigentlich wäre jetzt die Stunde der Grünen. Im Angesicht der drohenden Erderwärmung fordert Kanzlerin Angela Merkel einen neuen Wachstumsbegriff. Derweil rasiert Bundesumweltminister Peter Altmaier die Energiewende – und übernimmt die Logiken der großen Lobbyplayer aus der konventionellen Energiewirtschaft. Außerdem wäre da noch die Frage nach dem Atomendlager zu klären.

Doch was machen die Grünen? Sie streiten darum, ob Katrin Göring-Eckardt neben Jürgen Trittin in den Wahlkampf-Ring steigen soll, oder doch lieber weiterhin Claudia Roth – oder beide neben Trittin in einer Troika. Die Bürgerinitiativen in und um Gorleben haben sich in einem offenen Brief entsetzt von den Grünen abgewandt.

Nun ist die Suche nach dem geeigneten Spitzenpersonal – außerhalb des Kanzlerinnenwahlvereins CDU – in der Tat keine ganz leichte Aufgabe. Der freidemokratische Königsmord, der Kalte Krieg um die Führung der Linken, die Verweigerung der K-Frage bei der Sozialdemokratie, informeller Ämtertausch bei den Piraten – es ist nicht leicht, zu führen, wenn man nicht aus dem Kanzleramt heraus führt. Und wenn dann noch Lager- und Geschlechterarithmetiken hinzukommen, scheint der gordische Knoten perfekt verschnürt.

Stühlerücken als Politikersatz

Diesen zu zerschlagen, „bemühen“ sich seit Monaten die Flügel in der Partei. Die eine (Claudia Roth) wirft ihren Hut gänzlich ungefragt in den Ring, ein anderer (Jürgen Trittin) hat diesen ohnehin auf und hält sich vornehm zurück. Und wieder andere (die Realos um Boris Palmer) bringen stellvertretend Hüte in den Umlauf – aktuell den von Katrin Göring-Eckardt. Mit ihrer Aufstellung soll, so das Kalkül der Realos, eine Doppelspitze der vermeintlichen Parteilinken Trittin und Roth verhindert werden, da diese allein wertkonservative Schichten verprellen würden.

Ganz anders Katrin Göring-Eckardt, die einst von Künast und Kuhn aus der engen Parteiführung verdrängte Ostdeutsche und Synodale, der ein ähnlich versöhnlicher politischer Stil unterstellt wird wie dem grünen Messias Winfried Kretschmann. Mit Göring-Eckardt, die lange keine bedeutende Rolle in der Partei spielte und nun plötzlich einen ganzen Flügel abzudecken hat, soll im Bund gelingen, was Kretschmann in Baden-Württemberg vollbrachte: der weite Sprung über das eigene Milieu hinaus! Das wird kaum reichen – und alle am Stühlerücken Beteiligten sollten das wissen.

Der Unterbau des grünen Erfolgs

Denn der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt vor allem eines: Die Führungsfrage ist kein hinreichender Mobilisierungsfaktor alter – und vor allem neuer – Wählermilieus. Der Erfolg der Grünen der vergangenen drei Jahre speiste sich vielmehr aus der Wiederentdeckung der grünen Erzählung, dem Wiederanknüpfen an die eigene Gründungsgeschichte, an den grünen Gründungskonsens. Ein den Grünen zugewandter Zeitgeist tat sein Übriges.

Vieles begann mit der, inzwischen wieder rückläufigen, mindestens symbolischen Wiederannäherung an die Bewegungsherkunft der Partei. Die Grünen waren wieder präsent als Akteur und Bündnispartner der Zivilgesellschaft, auf den Anti-Castor-Protesten, am Stuttgarter Bahnhof und vor den Atomkraftwerken der Republik. Der Erfolg für dieses Bemühen blieb nicht aus. Das Meinungsklima trug die Grünen seit 2010, also noch vor Fukushima, in ähnliche Höhen wie nach den Kernschmelzen in den japanischen Katastrophenreaktoren.

Grüne Politik wurde wieder symbolhaft, die Grünen benannten, strukturierten den Konflikt um die Atomkraft. Mit dem programmatischen Wiederanknüpfen an ihre Gründungsgeschichte vermochte es die Partei, in den Umweltkrisen des Jahres 2010 und im Konflikt um die Laufzeitverlängerungen deutscher AKWs, den Protesten eine sinnstiftende Erzählung an die Seite zu stellen. Die Öko-Partei  vermochte es mithin, den Konflikt über Zeichen und Symbole auch kulturell zu überwölben – eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg von Parteien.

Seite 2: Auf Regierungs- statt auf Konfrontationskurs

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olivgrün

je eher diese bande von karrieregeilen politdarstellern im orkus der geschichte verschwindet, desto besser.

  • Antworten
landbewohner23.07.2012 | 08:25 Uhr

Um ersetzt zu werden von wem?

Und was sind eigentlich karrieregeile politdarsteller. Den letzten dieser Art - zu Guttenberg - fanden über 70% der Deutschen richtig toll! Oder doch lieber Westerwelle im Guidomobil oder der verhinderte Volkstribun und Energieverstaatlicher Mappus? Oder doch liber die Piraten, die ja NIEMALS!!! nur wegen der karriere sondern NUR!!! der Sache wegen in die Politik gehen. Im Ernst, dieses pauschale, undifferenzierte Bashing ist unnötig.

Ja, und bloß weg mit den Grünen, eine Frechheit, dass die Druck gemacht haben und wir deshalb heute die Flüsse sauber halten, Autos Katalysatoren haben, wir aus der kernenergie aussteigen (Im Allparteienkonsens!!) und wir im Vorfeld über Gentechnik nachdenken, statt von der Contergan-Industrie im Nachhinein zu hören, dass hätte man alles nicht wissen können.

  • Antworten
Marcel Steindorf23.07.2012 | 14:25 Uhr

Letztendlich bleibt den

Letztendlich bleibt den Grünen doch nichts anderes übrig, als sich mit ihren permaneten Personalrstreitigkeiten noch einen letzten Sinn zu verschaffen. Wenn man mit politischen Inhalten nicht mehr überzeugen kann, weil diese schon vor langer Zeit über Bord geworfen worden sind, bleiben nur noch Karrierefragen übrig. Die Grünen sind im Ergebnis das geworden, was sie eigentlich immer abgelehnt haben, eine loser Verbund verwöhnter Opportunisten, die es sich im ökologischen Biedermeier mit besoldeten Bezügen des Staates gemütlich machen. Die Energiewende fordern, aber Stromtrassen vor ihren Eigenheimen ablehnen, den Ausbau des Schienenverkehrs propagieren, aber Stuttgart 21 ablehnen, sich pazifistisch geben, und in Afghanistan Krieg führen. Ja, so sind die guten Menschen mit grünem Zugenschlag. Früher nannten die Grünen diese Art von Politik verlogen. Max Weber hätte sie als Gesinnungsethiker gebrandmarkt. The time, there no changin...

  • Antworten
gregor kampmann25.07.2012 | 08:06 Uhr

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