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 > Droht auch Normalverdienern die Altersarmut?

Berliner Republik

RenteDroht auch Normalverdienern die Altersarmut?

Von Rainer Woratschka3. September 2012
picture alliance
Armut, von der Leyen, Rente, Altersarmut
Wer ist von Armut im Alter betroffen?
Schrift:

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen Altersarmut schockt mit neuen Zahlen zur Rente. Was ist von den Berechnungen ihres Hauses zu halten?

Seite 1 von 2

Es ist ein erschreckendes Szenario, mit dem Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) um politische Unterstützung wirbt. Nach Hochrechnungen ihres Hauses müssen vom Jahr 2030 an selbst Arbeitnehmer, die heute 2500 Euro brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, zum Sozialamt – wenn sie nicht zusätzlich vorgesorgt haben. Ihre gesetzliche Rente ist dann nämlich nicht höher als die sogenannte Grundsicherung von 688 Euro. Und selbst bei 40 Jahren Beitragszahlung würde es noch Millionen erwischen.

Um auf eine Rente über der Grundsicherung zu kommen, müssten sie konstant mindestens 2200 Euro brutto im Monat verdienen.

Wie realistisch ist die Hochrechnung?

Zunächst einmal handelt es sich um ein fiktives Szenario. Es geht der Einfachheit halber davon aus, dass es 35 Jahre lang weder Lohn- und Gehaltssteigerungen noch Rentenzuwächse gibt. Dieser unrealistische Part der Prognose wird jedoch dadurch wieder wettgemacht, dass auch die Inflation keine Rolle spielt und bei der Grundsicherung ebenfalls nur der gegenwärtige Level zugrundeliegt. Die Rechnung bezieht sich ferner ausschließlich auf Arbeitnehmer, die keine weitere Zusatzvorsorge fürs Alter getroffen haben. Aktuell gibt es 15,6 Millionen Riester-Verträge und 19,6 Millionen Anwartschaften für Betriebsrenten. Allerdings hat fast jeder zweite Geringverdiener keine solche Zusatzabsicherung. Und die der Prognose zugrundeliegende Annahme, dass Rentner 35 oder 40 Jahre lang ohne Unterbrechung und in Vollzeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, wird zunehmend unrealistisch. Bei zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit etwa wären ihre Renten noch niedriger als vom Ministerium berechnet.

Was bezweckt Ursula von der Leyen mit der Veröffentlichung?

Sie wirbt damit um Zuspruch für ihr umstrittenes Konzept einer Zuschussrente. Demnach sollen kleine Renten auf bis zu 850 Euro im Monat aufgestockt werden, wenn die Arbeitnehmer mindestens 30 Jahre lang Rentenbeiträge bezahlt und gleichzeitig privat vorgesorgt haben. Dagegen machen nicht nur die Liberalen mobil, sondern auch junge CDU-Abgeordnete. Sie warnen vor einer „Ausweitung von Sozialleistungen zulasten künftiger Generationen“ und sehen das „Leistungsprinzip“ infrage gestellt. Mit ihrem Brief – adressiert an die Parteifreunde Steffen Bilger, Reinhard Brandl, Carsten Linnemann, Philipp Mißfelder und Jens Spahn – versucht die Ministerin vor allem eins: klarzustellen, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um überflüssigen Sozialleistungszuwachs handelt. Infrage stehe „nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge Generation“, schreibt sie. In die Armutsfalle tappten nicht nur „krasse Ausnahmefälle“ oder Menschen mit problematischer Erwerbsbiografie, sondern „ganz normale fleißige Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“, schreibt sie. Und warnt: „Wenn wir jetzt nicht umsteuern, wird es (...) kein Ausnahmefall mehr sein, dass Niedrigverdiener, die Jahrzehnte gearbeitet, in die Rentenkasse eingezahlt und ihr ganzes Erwerbsleben unabhängig von staatlicher Hilfe bewältigt haben, mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten müssen.“ Damit stünden diese Menschen im Alter „oft nicht besser da als diejenigen, die im Erwerbsleben keinen Grundstock fürs Alter gebildet oder sich schlicht nicht um ihre Alterssicherung gekümmert haben“. Das sei „zutiefst ungerecht“.

Warum hilft die Riester-Rente so wenig gegen Altersarmut?

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Gesetzliche Rentenversicherung für alle

Das Argument des CDU-Sozialpolitikers Jens Spahn läßt aufhorchen. Er plädiert für einen Systemwandel in der Rentenversicherung hin zur Grundsicherung und - ergänzend - zur Privatisierung der gesamten Rentenversicherung.
Die Vorstände der Versicherungskonzerne reiben sich schon die Hände.
Eigentlich gibt es nur eine Lösung zur Verhinderung von Altersarmut von Teilen unserer Gesellschaft: die Einbeziehung aller in die gesetzliche Rentenversicherung, also eine Bürgerinnen- und Bürgerrentenversicherung, etwa nach Schweizer Vorbild.
Der Rentenbeitrag würde dann von allen Einkünften auch der Reichen und Superreichen einbehalten, bei Selbständigen über die Einkommensteuer durch die Finanzämter.
Wenn - wie heute - nur "die Fußkranken unserer Gesellschaft", also die Klein- und Mittelverdiener zur gesetzlichen Rentenversicherung herangezogen werden, fährt das gesamte System "vor die Wand".
Gleiches gilt im übrigen auch für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.
Es fehlt den Politikerinnen und Politikern nur der Mut, der Bevölkerung "reinen Wein einzuschänken", auch Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen.
Ob sich eine mögliche rot-grüne Bundesregierung des Problems annimmt? Es bleibt zu hoffen.

  • Antworten
Yvonne Walden03.09.2012 | 11:36 Uhr

Demütigungen

Um es ganz deutlich zu sagen. Millionen Menschen werden erneut von der Politik gedemütigt und die Armen werden erneut geschändet. Wer als Bürger immer noch dieser Politik der sogenannten Volksparteien traut, dem ist nicht mehr zu helfen. Da wird auch in allen Scheinursachen und Scheinfolgen in den Medien diskutiert. Viele Journalisten bedienen willfährig diese Politik, obwohl ein großer Teil dieser Berufsgruppe selbst von Armut im Alter betroffen sein wird. Sie verhelfen niemand mehr zur Erkenntnis der wirklichen Gewalt, die in diesen Konzepten und Berechnungen stecken. Stattdessen „retten“ wir den alternativlosen Euro (die Banken), „koste es was es wolle“, und erfahren, wie eine nichtssagende „Bettina Wulff um ihr Leben kämpft“, um von ihrer persönlichen Existenz das Prestige zu retten. Daran kann man die ganze Volksverdummung und Verblendung in der Öffentlichkeit erkennen.

  • Antworten
B 12703.09.2012 | 11:43 Uhr

Es ist erstaunlich,

dass die Medien - der Cicero eingeschlossen- die noch üblere Schieflage nicht erkennen. Die da nämlich lautet: für Beamte gilt eine Mindestpension von ca. 1500€. Auch für die untersten Besoldungsgruppen. Diese Pensionszusagen sind in den Haushalten durch keinerlei Vorsorge gedeckt.

Für eine Rente in dieser Höhe müsste nach aktuellen Zahlen ein Arbeitnehmer rund 5500€ verdienen, und (samt dem sogenannten 'Arbeitgeberbeitrag', der gar keiner ist) in 35 Jahren rund 440.000€ in die Rentenkasse einzahlen. Was natürlich eine Negativrendite bedeutet, so viel wird er niemals an Rente erhalten.

Von daher erscheint vd Leyens Gebarme über die 688€ Rente, die ein Durchschnittsverdiener erreicht, ebenso unverschämt wie ihre 'Zuschussrente' von 850€ zumal das Delta zu aller Unverschämtheit auch noch vorwiegend aus Beitragsmitteln finanziert werden soll, statt, wie es richtig wäre, aus allgemeinen Steuermitteln. Wie Beamtenpensionen auch.

Das, werter Cicero, wäre mal ein umfassender Bericht wert. Ziehen Sie sich aber warm an, die Feuerstürme aus den Reihen der Beamten und deren Lobby würden gewaltig.

  • Antworten
Very Serious Sam03.09.2012 | 22:12 Uhr

Tragödie

@Very SeriousSam

So ist es! Ist der ESM in Kraft, werden wir das Weihnachtsgeld der griechischen Beamten finanzieren und die vielen anderen Beamten der großen Koalition. Dann schützt uns niemand mehr.

  • Antworten
B 12704.09.2012 | 11:37 Uhr

Erst mal muesste man feststellen wer denn ein Normalverdiener is

und bei sinkenden Gehaeltern kann man erkennen dass es in Zukunft viele
Rentner geben wird die nur sehr kleine Renten beziehen weil ihr Einkommen ueber die Jahre staendig gesunken ist. Da koennte sich Frau van der Leyen mal einschalten schliesslich ist sie Arbeitsministerin....
Oder ueberschreitet das ihre Kompetenzen?
Der Staat sollte nicht immer wieder die Sozialkassen raeumen um andere Sachen zu finanzieren.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant04.09.2012 | 15:41 Uhr

Das Rentenproblem

ist ein Paradebeispiel dafür, wie seit Jahrzehnten der Normalbürger zum Narren gehalten wird. Angefangen von „Die Rente ist sicher“ (wobei keinesfalls die Höhe der Rente gemeint war) über die Agenda 2010 bei der die Einkommen und damit die Rentenbeiträge flächendeckend gesenkt wurden und Abzockermodellen wie „Riester“ und „Rürup“ bis hin zur neusten Offenbarung, die sicher für die meisten Einkommensgruppen stimmen wird. Doch gerade denen, die so schon nichts haben, zu empfehlen zusätzlich private Beiträge zu zahlen, ist glatt unverschämt. Von privaten Renten und Beamtenbezügen ist natürlich gar keine Rede, die sind unantastbar.
Besonders "alternativlose" Projekte, wie die Zockerbankenrettung und die ökonomisch ebenfalls völlig irrige Energiewende, stehen dabei ebenfalls nicht zur Disposition, obwohl sie die Belastungen der jetzigen und zukünftigen Rentner gewaltig erhöhen werden. Stattdessen provoziert man wieder mal den Generationenkonflikt (divide et impere) um vom eigentlichen Thema abzulenken.

  • Antworten
Domingo04.09.2012 | 17:06 Uhr

Alles ein Problem der Töpfe,

es gibt zu viele davon in unserer Republik. Wir reden jetzt nicht von ESM usw...,nein, von den Zwangsabgaben für Arbeitnehmer und Rentner: Rentenversicherung, Krankenversicherung mit Abzocke derjenigen, die privat vorgesorgt haben, Rentner bezahlen vollen Beitrag zur gestzlichen Krankenversicherung für ihre Zusatzrente, also 15,5% von den gesamten, selbst mitangesparten Einkünften, dann der aufgesattelte Gesundheitsfond (warum eigentlich, ach ja, die Kanzlerin wollte das so, bringt ja Jobs für Parteifreunde?), Pflegeversicherung für Rentner mit überhöhtem Beitrag, seit einigen Jahren Steuern auf Renten... und alle Töpfe wohlgefüllt! Ob und was aus diesen Töpfen genommen wird, oder welche Einzahlungen erhöht werden, liegt im Ermessen unserer Politiker und alle diese Jungs und Mädels sitzen in den höchsten Verwaltungsgremien an all diesen Töpfen. Da gibt es was zu verteilen an die Klientel (derzeit dürfen die Ärzte noch nicht an die riesigen Überschüsse der Krankenversicherungen!), zu verdienen mit Entschädigungen für aufgewendete Zeit, entstandenen Kosten usw. Immer ist der Zugriff und die Umverteilung von unseren Politikern abhängig, und hat man keine Ahnung von der Materie, bestellt man bei befreundeten Sachverständigen (möglichst Parteifreunden) Expertisen, natürlich zu entsprechenden Entgelten! Dann schafft man möglichst ein Umfeld in der Republik, mittels Dauerbeschuß durch befreundete Medien, um zu erklären warum Zusatzrenten-und Versicherungen unbedingt nötig sind (Riester und Rürup, alles zur Freude der Versicherungswirtschaft, oder für das Wohl des Volkes?
So genau kann man das denn nicht mehr wissen!
Kurzum, die Schweizer machen´s denn doch möglicherweise besser!
Gruß

  • Antworten
Arcins07.09.2012 | 18:06 Uhr

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