Wie funktioniert eigentlich eine Troika?, wollten wir von Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel wissen und baten um ein Gespräch. Die Herren zierten sich. Die Troika, ließen sie ausrichten, funktioniere gerade deshalb, weil keiner von ihnen darüber plaudere. Cicero ist es dennoch gelungen die drei Herren zum Sprechen zu bringen. Eine Collage
Herr Steinmeier: Was bedeutet das schöne russische Wort
Troika eigentlich?
Frank-W. Steinmeier
(lacht): Nie gehört.
Als Troika bezeichnet man auf Russisch eine
Bespannungsweise für Fuhrwerke oder Schlitten, in der drei Zugtiere
nebeneinandergehen.
Steinmeier: Wie schön, dass es Wikipedia auch in Ihre Redaktion
geschafft hat. Wenn Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und ich als
Zugpferde wahrgenommen werden, habe ich nichts dagegen.
Braucht es also, Herr Steinbrück, gleich drei, um den
SPD-Karren aus dem Dreck zu ziehen?
Peer Steinbrück: Wir werden über einige Steine gehen müssen. Aber
das Entscheidende ist: Wir gehen zusammen.
Als Trio bis zum Ende?
Steinmeier: In Gelsenkirchen hat man über die Kremers-Zwillinge*
gesagt: Die zwei, dat is sich’n Trio (lacht).
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Björn Engholm sieht die
Sache auf Steinmeier oder Steinbrück zulaufen, Peers Troika oder
Franks Trio – das ist für ihn schon heute ein Duett. Warum, Herr
Gabriel, treten Sie trotzdem immer noch zu dritt auf?
Sigmar Gabriel: Wenn wir nicht zu dritt gekommen wären, hätten Sie
gefragt, warum einer von uns nicht dabei ist. Dem wollten wir aus
dem Weg gehen.
Das heißt: Jeder von Ihnen traut sich die
Kanzlerkandidatur zu?
Gabriel: Jeder gewählte Ministerpräsident ist ebenfalls ein
denkbarer Kandidat. Steinmeier: Wir haben über 500 000 mögliche
Kanzlerkandidaten in der SPD.
Aber nur einer kann gegen Angela Merkel antreten, wer
von Ihnen wird es denn nun?
Steinbrück: Die Frage stellt sich nicht. Darüber wird der
Parteivorsitzende zur gegebenen Zeit entscheiden. Steinmeier: Sie
glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ich hier jetzt eine
Kandidatendebatte vom Zaun breche!
2009 hat der Kanzlerkandidat Steinmeier mit 23 Prozent
das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren.
Seitdem ...
Steinmeier: ... ist viel passiert, politisch und privat. Solche
Einschnitte können einen auch stärken. Gabriel: Ich werde in
der SPD zu Person und Verfahren rechtzeitig einen Vorschlag machen.
Steinbrück: Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich mit zwei oder
drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze.
Engholm meint übrigens, ein Jahr bräuchte ein Kandidat
schon, um sich warmzulaufen. Das hieße: Spätestens in diesem Herbst
müsste die Entscheidung fallen.
Gabriel: Ende 2012. Steinmeier: Besser wäre es allerdings, die
Frage nach der Landtagswahl in Niedersachsen zu klären, also Ende
Januar oder Anfang Februar 2013.
Ein vorzeitig ausgerufener Bewerber, hat der frühere Parteichef Kurt Beck seinerzeit gewarnt, werde von den Medien „zerredet, zersendet und zerschrieben“. Ist das der Grund, weswegen Sie die Entscheidung so lange hinauszögern? Steinbrück: Sie würden mich in die Eierschleifmaschine stecken. Wir haben kein Interesse daran, dass irgendeiner von uns anderthalb Jahre als Kanzlerkandidat unterwegs ist. Ihre Branche und die politischen Kontrahenten würden jeden Speer auf die Brust dieses Kandidaten werfen und ihm jedes Stöckchen hinhalten. Steinmeier: Ich war schon mal mehr als ein Jahr lang Kanzlerkandidat und weiß, dass das eine lange Zeit ist. Es gibt keine Not, sie noch länger zu machen. Gabriel: Denkt immer an Schwielowsee.
Das ist ein interessanter Einwand, Herr Gabriel. Am
Schwielowsee trat der Parteivorsitzende Beck zurück, weil er zu
lange gezögert hatte, die K-Frage zu entscheiden – und plötzlich
war Steinmeier der Kandidat.
Steinmeier: Für mich gilt: Wenn die Zeit reif ist, habe ich kein
Problem mit schnellen Entscheidungen.
Anfangs sah es ja so aus, als liefe die Kandidatur fast
zwangsläufig auf Steinbrück zu. Auf dem SPD-Parteitag im Dezember
schien dann Gabriel die besten Aussichten zu haben, und jetzt
schreibt der Spiegel, Steinmeier habe die Nase vorn.
Gabriel: Ich rate allen, diese Spekulationen heiter und gelassen zu
nehmen. Steinmeier: Die Regierung wird versuchen, so lange wie
möglich vor sich hin zu wursteln. Wir tun gut daran, uns darauf
vorzubereiten, Regierungsverantwortung zu übernehmen.










