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 > Die Zeit des Zauderns ist vorbei

Berliner Republik

Merkel und der EuroDie Zeit des Zauderns ist vorbei

Von Christoph Seils6. August 2012
picture alliance
Merkel,Euro,Playmobil-Figur,Eurorettung
Zwei Jahre lang hat Angela Merkel die Eurorettung bestimmt – zu zögerlich
Schrift:

In der Eurokrise steht der Kontinent vor einem Herbst der Entscheidungen. Die deutsche Innenpolitik wird dies fundamental verändern, doch die Regierung ist nicht mehr handlungsfähig. Kanzlerin Merkel kann sich auf die Opposition mittlerweile mehr verlassen als auf die Regierungsparteien

Seite 1 von 2

Es wird ernst für den Euro, es wird ernst für Europa und es wird ernst für Angela Merkel. Schließlich sieht es so aus, als stünde der Kontinent vor einer historischen Weichenstellung. Noch in diesem Herbst werden die Europäer und damit auch die Deutschen einige Fragen beantworten müssen: Wollen sie mehr Europa oder weniger? Sind sie bereit, die europäischen Institutionen zu stärken und die gemeinsame Währung um fast jeden Preis zu erhalten? Die Geburtsfehler des Euros haben Europa eingeholt und erzwingen nun mehr Europa. Die Alternative wäre eine Rückkehr zu einem losen Staatenbund, voller nationaler Egoismen und mit monetärer Kleinstaaterei.

Bricht die Euro-Zone auseinander, scheinen die Folgen unkalkulierbar. Die Angst vor einer weltweiten Rezession ist groß. Ein Austritt Griechenlands könnte eine Kettenreaktion auslösen, könnte auch Länder wie Spanien oder Italien mit in den Abgrund ziehen. Auf der anderen Seite scheinen alle bisherigen Versuche, den Euro zu retten, an ihren Grenzen gestoßen zu sein. Europa steht also vor einer Zäsur und die Eurozone vor einem fundamentalen Strategiewechsel. Für die deutsche Innenpolitik hätte ein solcher weitreichende Folgen.

Gleichzeitig blickt ganz Europa nach Karlsruhe. Denn dort entscheidet das Bundesverfassungsgericht am 12. September über die Zukunft Europas. Vordergründig geht es darum, ob die gesetzlichen Regelungen zum ESM mit dem Grundgesetz und dem Etatrecht des Parlaments vereinbar sind. Ist der ESM verfassungswidrig, wäre eine Pleite Griechenlands die unmittelbare Folge. Womöglich jedoch fordern die Verfassungsrichter zugleich eine Volksabstimmung und stoßen damit jene europäische Dynamik an, der sich die Parteien in Deutschland bislang verweigern.

[gallery:CICERO ONLINE präsentiert: Die Kandidaten für die Euro-Nachfolge]

Die Bundeskanzlerin steht unter enormem Druck. Zwei Jahre lang hat Angela Merkel den Kurs bei der Eurorettung bestimmt. Zögernd und zaudernd war sie, häufig reagierte sie zu spät. Immer wieder hat die Kanzlerin gleichzeitig zu Recht darauf gedrungen, dass finanzielle Hilfen mit ernsthaften Sparanstrengungen in den Krisenländern verbunden sein müssen. Erfolgreich waren alle ihre Bemühungen kaum.

Die vielen Hundert Milliarden reichen offenbar nicht, um die Märkte zu beruhigen und die Spekulanten in Schach zu halten. Gleichzeitig rutschen die Krisenländer wie Griechenland und Spanien immer tiefer in die Rezension. Zwar gilt die Bundeskanzlerin daheim als erfolgreiche Krisenmanagerin, doch ein Ende der Euro-Krise ist nicht in Sicht. Im Gegenteil brennt es in Europa mittlerweile lichterloh.

In Europa ist Merkel zunehmend isoliert. Der italienische Ministerpräsident Monti sieht bereits den Kontinent auseinanderbrechen, warnt in einem Spiegel-Interview eindringlich vor der Zerstörung Europas. Der EZB-Chef Draghi wiederum will „alles Notwendige tun“, um den Euro zu erhalten. Die EZB soll wieder im großen Stil Staatsanleihen aus Krisenstaaten aufkaufen. Notfalls will Draghi den europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) gar mit einer Banklizenz, also mit der Lizenz zum Gelddrucken, ausstatten.

Seite 2: Die Töne in der Innenpolitik werden immer schriller

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Ich dachte, wenn Spanien unter den Rettungsschirm geht, rettet die EZB? In dem Fall müsste der Fonds gar kein Geld geben oder er kauft pro Forma einige Staatstitel auf, wie von der EZB gewünscht.

Andes wird es werden, wenn Monti nächstes Jahr abtritt. Kommt dann Berlusconi zurück? Wie ich gelesen habe, hätte sich die italienische politische Landschaft kaum geändert. Nur dieser Beppo Grillo soll neu und erfolgreich sein. Angeblich liegt er bei 20 Prozent. Vielleicht mach Berlusconi deshalb Anti-Merkel Politik? Könnte der Cicero sich damit befassen? Würde mich interessieren was da in Italien los ist.

  • Antworten
Robert06.08.2012 | 12:39 Uhr

Demokratisch

Nein, die wichtigste Frage in der Diskussion um den Euro wird sein: Wie demokratisch seine Rettung sein wird. Wenn das Volk nicht durch Wahlen und Abstimmungen beteiligt wird, hat er keine Überlebenschance.

  • Antworten
Hans Meier06.08.2012 | 13:51 Uhr

Wie bitte?

"Die vielen Hundert Milliarden reichen offenbar nicht, um die Märkte zu beruhigen und die Spekulanten in Schach zu halten."

Wann wird es auch der Cicero begreifen, dass jede beliebige Menge an Geld der deutschen Steuerzahler nicht reicht, die Lebensstandards des ClubMed auf Dauer zu finanzieren?

Die 'Spekulanten' sind übrigens in dem Spiel nicht die Bösen, sondern ein zwingend notwendiges Regulativ. Sonst würden die Politiker aller Länder NOCH MEHR Schulden machen, koste es künftige Generationen, was es wolle.

  • Antworten
VerySeriousSam06.08.2012 | 16:04 Uhr

Mal ernsthaft ...

offenbar gibt es immer noch einige, die es nicht wahrhaben wollen, dass mit diesen ganzen Milliarden nur die Banken gefüttert werden, während der Lebensstandard in den betroffenen Ländern rasant den Bach runtergeht - und das ist wirklich "very serious" Sam!

  • Antworten
ingwersen06.08.2012 | 18:41 Uhr

Die Methode der Langsamkeit

Die einen nennen es Zögerlichkeit, die anderen nennen es Vorsicht, wieder andere nennen es Tatenlosigkeit. Die Rede ist von der Merkelschen Politik, die sie unter den Bedingungen der Reduktion oder der Wahrscheinlichkeit ausführen muß. Sie hat die Wahl: Entweder ihre Entscheidungen mit Blick auf eine vereinfachte Wirklichkeit zu treffen oder bei der Betrachtung ihrer gesamten Komplexität die Wahrscheinlichkeit als Richtschnur ihres Handelns zu akzeptieren. Zwischen diesen beiden Banden darf sie - wie jeder andere Politiker auch - die unabwendbaren Irrtümer ausspielen.

So weiß auch Merkel, dass jede Entscheidung im politischen System eine Gegenbewegung auslöst. Zum Schluss hat das System so oder so einen halbwegs akzeptablen Gleichgewichtszustand herbeigeführt ohne dass irgendein Mensch wirklich weiß wie er zustande gebracht wurde. So heißt es abzuwarten und sich an die Spitze der Bewegung setzen. Am Ende staunen die Zweifler, nur die lautesten Politiker scheinen immer zu wissen, wie und warum es dazu gekommen ist.

Wer genauer hinschaut weiß, dass es letztlich keine Rolle spielt wie sich Politik entscheidet, denn grundsätzlich falsch geht genauso wenig wie grundsätzlich richtig. Folglich ist Politik in erster Linie Medienpolitik. Schließlich kann kein Mensch beweisen, ob der größte politische Schaden nicht dadurch abgewendet wurde, dass wenig oder viel Politik gemacht wurde. Es gilt zwar der Satz, wer regiert verliert, aber manchmal gilt auch der Umkehrschluss. Vielleicht ist dies das Merkelsche Erfolgsrezept.

  • Antworten
Heinz Pelzer07.08.2012 | 08:25 Uhr

Der Euro ist Sozialismus

Der Euro als "politisches Projekt" erinnert mich an den Sozialismus östlicher Prägung. Mit dem ESM-Gouverneursrat haben wir dann das passende Politbüro. Der Sozialismus war nicht reformfähig - genausowenig ist des der Euro. Der selbst ist das Problem. Man kann keine "politischen Projekte" wider ökonomische Gesetze erzwingen!
Peinlich finde ich das widerwärtige Getrommele für ein längst gescheitertes "politisches Projekt", das zudem emotional übertrieben aufgeladen wird und ein Hort der politischen Irrationalität geworden ist. Das Denken der euromanen EUliten erinnert mich an Großmachtdenken des 19. Jahrhunderts.
Der Euro gehört abgeschafft - er hat schon unsägliches Leid in Europa erzeugt - in Deutschland wird dieses Leid bald ankommen! Die verantwortlichen Politiker hingegen gehören vor Gericht gestellt!

  • Antworten
Ondoron07.08.2012 | 14:26 Uhr

Frau Merkel beliebt?

Wie bitte? Glaubt der Cicero tatsächlich, daß Europa noch gerettet werden kann? Ausgerechnet von Merkel? Ich bitte Sie, diese Frau ist unfähig, samt der anderen Plaudertaschen, die nur ihren eigenen Arsch retten wollen, weiter nichts. Eine politische Union wird es ganz sicher nicht geben und Brüssel wird zerstört werden. Das beweisen schon die Regierungschefs Frankreichs, Spaniens und Italiens, die eine von Brüssel unabhängige Politik fahren und Sonderwege gehen. Sie wollen die Kohle der Deutschen, die sie einfordern ohne jeglichen Pfand oder Legimitation. Das machen die Herren durch Erpressung, indem sie Einigkeit bekunden. Es ist ganz einfach, Merkel weich zu klopfen. Sie steht schon längst alleine da, ohne Brüssel, ohne Koalition, ohne Volk. Frau Merkel ist und war niemals beliebt. Die Umfrage ist manipuliert von Anfang an. Frau Merkel ist die schlechteste Politikerin aller Zeiten, das werden die Geschichtsbücher in Jahrzehnten beweisen. Sie hat nämlich dafür gesorgt, das deutsche Volk zu entmündigen und deren Stolz und Würde zu nehmen. Die Völker Europas werden niemals ihre Nationen aufgeben und Büssel politisch entscheiden lassen.

  • Antworten
LotusIII07.08.2012 | 15:33 Uhr

Papagei

"Sie wollen die Kohle der Deutschen"
Sie plappern damit nach, was die Zeitungen und die Talkshows vorerzählen. Tatsächlich zahlen die Franzosen im Extremfall fast genausoviel wie die Deutschen. Bei Italien, als drittgrößes Euro-Land, ist es wohl nur dann anders, wenn sie Pleite gehen. Auch sonst gilt, dass kleine EU-Länder zwar absolut weniger zahlen, aber prozentual genausoviel (Eine Mrd. ist für D wenig, aber für Österreich viel)

  • Antworten
Robert08.08.2012 | 10:00 Uhr

Merkels Sachzwang-Logik

@Ondoron: Man kann aber ebensowenig ein politisches Projekt auf Grundlage ausschließlich ökonomischer Betrachtung (etwa sog. "Sachzwänge" wie die Rettung von Banken) erzwingen. Der Begriff "Politik" ist (zumindest dem Ursprung nach) ein ideeller; wer das Soziale dabei völlig außen vor lässt, dessen Blick ist um das Wesentliche von Politik beschränkt; wer unter Politik die Vertretung allein pekuniärer Interessen versteht, muss zwangsläufig scheitern. Dass Frau Merkel, bezogen auf das europäische Projekt, dieses Scheitern wissentlich und billigend in Kauf nimmt (zugunsten "nationaler", eigener Macht- oder welcher Interessen auch immer) finde ich - als Europäer - gelinde gesagt, sehr schade.

  • Antworten
Tom Schilling07.08.2012 | 23:18 Uhr

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