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Berliner Republik

AltersarmutDie verlogene Rentenschlacht

Von Christoph Seils10. September 2012
picture alliance
Altersarmut,Rentner,Rollator,Rente
Altersarmut und Renten könnten im Bundestagswahlkampf 2013 eine Rolle spielen
Schrift:

Die Renten könnten eines der entscheidenden Themen des nächsten Bundestagswahlkampfes werden. Doch bevor sich die schwarz-gelbe Regierung der Armut zukünftiger Rentner widmet, hat sie bereits ein paar Geschenke an ihre überalterte Wählerschaft verteilt

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Die Worte waren drastisch. Vor millionenfacher „Altersarmut“ und „Verfall der Renten“ warnte Ursula von der Leyen. Zugleich warb die Arbeitsministerin für die Idee einer Zusatzrente aus der beitragsfinanzierten Rentenkasse. Zwar wurde sie von der Kanzlerin zurückgepfiffen. Angela Merkel soll der Alarmismus ihrer Parteifreundin überhaupt nicht gefallen haben. Trotzdem ist es der Arbeitsministerin gelungen, auf die ihr eigene Art sowie mit medialer Dauerpräsenz in der politischen Debatte ein Thema zu setzen und der SPD zunächst den oppositionellen Wind aus den Nägeln zu nehmen. 

Seit Tagen wird in der Hauptstadt nun über die Altersarmut und deren Bekämpfung gestritten. Und die SPD, die eigentlich mit diesem Thema die Christdemokraten im Vorwahlkampf dieses Herbstes vor sich hertreiben wollte, wurde von dem Vorstoß der Arbeitsministerin auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Die Sozialdemokraten ringen noch um die eigene Position in der Rentenpolitik. Sie sind in dieser Frage tief zerstritten. Vor allem die SPD-Linke will die Rentendebatte zugleich nutzen, um endgültig mit der umstrittenen Agenda-Politik ihres Ex-Kanzlers Gerhard Schröder zu brechen. Sie fordert ein Abschied von der Rente mit 67 und eine deutliche Erhöhung des Rentenniveaus. Doch die Troika an der Spitze der Partei will da nicht mitmachen.

Unbestritten besteht in der Rentenpolitik dringender Handlungsbedarf. Es hat sich herumgesprochen, die Renten sind für zukünftige Generationen nicht mehr sicher. Laut Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums können Erwerbstätige, wenn sie im Jahr 2030 in Rente gehen, im Alter nicht mehr mit mehr als der Grundsicherung, also mit einer Rente auf Sozialhilfeniveau rechnen, wenn sie derzeit im Monat 2500 Euro brutto verdienen. Zwei von fünf Arbeitnehmern seien davon betroffen, heißt es.

Zwar steckt in dieser Zahl auch eine Menge politische Zuspitzung. Vor allem kann kein Experte vorhersagen, wie sich die Löhne in den kommenden zwei Jahrzehnten tatsächlich entwickeln. Trotzdem ist klar: So gut wie der gegenwärtigen Rentnergeneration wird es zukünftigen Rentnern nicht mehr gehen. Im Gegenteil: Sie werden nicht nur bis 67 arbeiten müssen. Vor allem sinkt das Rentenniveau, von derzeit 50 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2030.

Die Rentner der Zukunft gehören also zu den großen Verlierern des sich wandelnden Sozialstaats. Derzeit verfügen Rentnerhaushalte im Durchschnitt über ein Nettoeinkommen von etwa 2000 Euro im Monat. Gleichzeitig erhalten nur drei Prozent der Rentner eine Rente, die unter dem Niveau der Grundsicherung von 688 Euro liegt. Das wird sich dramatisch ändern.

Im bevorstehenden Bundestagswahlkampf könnte das Thema Rente deshalb eine wichtige, vielleicht sogar wahlentscheidende Rolle spielen. Die CDU fürchtet dies. Auch deshalb wirbt sie derzeit für einen Konsens mit der SPD und betont die Gemeinsamkeiten in den Rentenkonzepten von Ursula von der Leyen und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Doch die Sozialdemokraten haben daran überhaupt kein Interesse. Schließlich wollen sie im kommenden Jahr gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung einen Gerechtigkeitswahlkampf führen.

Dabei eignet sich das Thema Rente eigentlich überhaupt nicht für eine populistische Zuspitzung im Wahlkampf. Und ob die SPD da mit einfachen Parolen punkten kann, ist längst noch nicht ausgemacht. Schließlich sind die Interessen bei diesem Thema vielfältig, die politische Schlachtordnung alles andere als übersichtlich.

Seite 2: Wie die Rentner die Demokratie bestimmen

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auch die Pensionen der Beamten mit abdeckte, wäre er erst komplett.

  • Antworten
VerySeriousSam10.09.2012 | 12:03 Uhr

Werter Herr Seils

Einerseits schreiben Sie: "Dabei eignet sich das Thema Rente eigentlich überhaupt nicht für eine populistische Zuspitzung im Wahlkampf." und dann ist Ihr Artikel nichts anderes als ein Wahlkampfpamphlet.
Nicht nur die Rentner, sondern die Mehrheit der Bevölerung, dürfte sich mittlerweile herzlich wenig um das bunte Gerangel im Bundestag kümmern, da sich mittlerweile gezeigt hat, dass es für uns keine Rolle spielt, wer sich auf der Regierungsbank und wer sich auf den "harten" Bänken der Opposition die Taschen füllt.
Tatsache ist, dass nach über 60 Jahren Aufbau des Landes, ca 36% der Rentner im Westen und 69% im Osten eine Rentenaufbesserung benötigen, um vernünftig leben zu können. Vielleicht sollten Sie sich mal mit den Ursachen dieses Mißständes beschäftigen?

  • Antworten
Domingo10.09.2012 | 12:04 Uhr

überalterte Wählerschaft?

Das ist doch der Gipfel; scheinbar gönnt man den Rentnern nicht mal mehr, dass sie alt werden!
Können Menschen eigentlich überaltern? Also auf zu einer Neuauflage des sozialverträglichen Frühablebens, pfui Teufel!

  • Antworten
Gerhard Wichta10.09.2012 | 13:03 Uhr

Geringverdiener müssen deutlich bessergestellt werden

Auch unsere Gewerkschaften tragen eine gehörige Mitschuld an dem sich ankündigenden Rentendilemma.
Sie haben es zugelassen, daß die Löhne und Gehälter gerade der unteren Einkommensbezieherinnen und -bezieher in der Vergangenheit nicht gestiegen, sondern - inflationsbedingt - sogar gefallen sind.
Die Schere zwischen Geringverdienenden und Gutverdienenden ist insbesondere dank der prozentualen Tariferhöhungen weiter auseinandergegangen.
Warum also fordern unsere Gewerkschaften nicht endlich feste Steigerungsbeträge, also 100 oder 150 EURO Lohn- bzw. Gehaltserhöhung für alle?
Dann würden insbesondere die unteren Einkommen deutlich stärker angehoben als mit mageren zwei bis drei Prozent, die bei einem Einkommen von 2.000 EURO brutto gerade mal 40 oder 60 EURO monatlichen Zugewinn bringen, der dann durch gestiegene Kraftstoff-, Gas- und Strompreise wieder aufgezehrt wird.
Und selbstverständlich sind Mindestlöhne bzw. Mindesteinkommen unumgänglich, um die unteren Einkommensbezieherinnen und -bezieher endlich besserzustellen.
Also, Politikerinnen und Politiker, nehmt die Gewerkschaften mit ins Boot, denn Tarifvereinbarungen sind bekanntlich Sache der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen.

  • Antworten
Yvonne Walden10.09.2012 | 15:51 Uhr

Problem ist größer

Ob ein Einkommen (oder Rente) ausreichend ist, hängt ja nicht nur von der Zahl ab. Vor allem auch davon, wie sich in den nächsten Jahren die Ausgaben entwickeln werden. Es ist halbherzig, über Zahlen zu reden und zugleich zuzusehen, wie die Belastungen der Menschen immer größer werden. Die Benzinpreise dürfen einfach so steigen (mit der albernen Begründung der Mineralsteuer - für wie blöd darf man uns eigentlich halten), die Mieten sowieso und Energiepreise werden nun noch eine Weile in der Steigerung mit der Energiewende begründet. Auf dem Weltmarkt wird mit Lebensmitteln gezockt, was wiederum am Ende die Verbraucherpreise erhöht. Was nützt es in 20 Jahren, wenn heute über eine Rente von 800 Euro geredet wird, die als Grundsicherung vielleicht heute durchgehen könnte und später nur halb so viel wert ist.

  • Antworten
hallertauer11.09.2012 | 13:14 Uhr

Die meisten Rentner haben ihre gesamtes Arbeitsleben lang

in das Sozialsystem eingezahlt und sind keine Schmarotzer wie so oft von jungen Leuten erklaert.Leider wurden Sozialbeitraege nicht nur fuer Renten benutzt sondern fast die gesamte Wiedervereinigung wurde aus der Rentenkasse finanziert.Das ist Betrug am Sozialbeitragzahler.
Unverstaendlich ist allerdings dass in Deutschland Migranten,von denen kaum jemand ins Sozialsystem eingezahlt hat oder je einzahlen werden
mit verdienten Rentnern gleichgestellt werden. Es ist auch nicht korrekt dass die junge Generation nun fuer die Renten aufkommen muessen,was ist denn mit den Beitraegen der Rentner selber geschehen? Haben die sich in Luft aufgeloesst?

  • Antworten
Lill-Karin Bryant11.09.2012 | 14:48 Uhr

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