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Vietnamesen in DeutschlandDie unsichtbaren Lieblinge

Von Greta Taubert14. Oktober 2011
picture alliance
Vietnamesen, DDR, Vertragsarbeiter, Maurer
Ehemalige DDR-Vertragsarbeiter aus Vietnam, die Anfang der 90er Jahre in einer Ziegelei in Rostock zu echten Fachkräften ausgebildet wurden. (Archivbild)
Schrift:

Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt in Vietnam für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Allein in Deutschland leben 100.000 Vietnamesen, viele von ihnen schon seit Jahrzehnten. Wie geht es denen heute eigentlich? Eine Reportage

Seite 1 von 4

Hanoi liegt nur eine halbe Stunde mit der Tram vom Leipziger Zentrum entfernt. Nach charakterlosen Altbauvierteln muss man nur noch an Businessparks und Großmärkten vorbeilaufen und in eine unscheinbare Industrieödnis einbiegen. Dort, wo einige vietnamesische Schilder an Steinfassaden angebracht sind, beginnt eine eigene Welt. In Fabrikhallen schneiden vietnamesische Friseure die dichten Haare ihrer asiatischen Kundschaft, Reisebüros bieten Flüge nach Saigon an, vietnamesische Restaurants kochen Pho-Suppe. Daneben steht in unscheinbarem Grau das Dong Xuan Center, in dessen Inneren sich eine Welt aus geblümten Nachthemden, Plüschkatzen im Körbchen, Spitzentischdecken, Leopardenpullovern und Frotteehandtüchern mit erotischen Motiven eröffnet. In Lebensmittelgeschäften ziehen Verkäufer riesige Karpfen aus grün gefliesten Fischbecken. Andere braten sich auf den Gängen exotische Früchte in Fett oder sitzen auf Kartons und spielen Brettspiele.

Es riecht, fühlt und schmeckt: fremd. Wenn das hier die Welt ist, die sich Vietnamesen für sich selbst geschaffen haben, wie kommen sie dann jenseits dessen klar? Und sind die Lieblings-Migranten der Deutschen tatsächlich so gut integriert wie es uns die neuerliche Integrationsdebatte Glauben machen wollte? In seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ behauptet Thilo Sarrazin: „Inder und Vietnamesen wirken in Deutschland mindestens so fremdartig wie Türken oder Araber und haben doch viel größere Erfolge in unserer Gesellschaft vorzuweisen.“ Aber stimmt das wirklich? Und wenn ja: Was ist das für ein Erfolg, woher rührt er – und warum tauchen Vietnamesen dann in öffentlichen Debatten so selten mit eigener Stimme auf?

Um zu erfahren, warum die Vietnamesen zu den Lieblings-Migranten der Deutschen wurden, muss man wissen, was den etwa hunderttausend – mit und ohne Pass in Deutschland lebenden – Vietnamesen einen so guten Ruf eingebracht hat. Allen voran stehen die guten schulischen Leistungen der vietnamesischen Kinder. Verschiedene Bildungsstudien haben gezeigt, dass vietnamesische Schüler prozentual häufiger das Gymnasium besuchen als andere Migrantengruppen – und als Deutsche. Der Erziehungswissenschaftler Olaf Beuchling hat aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes errechnet, dass bundesweit 59 Prozent der vietnamesisch-stämmigen Kinder ein Gymnasium besuchen, bei deutschen sind es nur 43 Prozent.

Olaf Beuchling sitzt in einem vietnamesischen Restaurant in der Leipziger Innenstadt, vor sich eine Schale Glasnudelsalat, hinter sich einen anstrengenden Tag an der hiesigen Universität. Der Hamburger ist hier Vertretungsprofessor an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. Sein Fachgebiet: Vergleichende Bildungsforschung. Schon seit seiner Promotion untersucht Beuchling vietnamesische Bildungserfolge in Deutschland. Er sagt, sie seien keine reinen Integrationsanstrengungen oder -erfolge, die sich auf Deutschland zurückführen lassen. Bildung genieße in Vietnam dank der Lehren des Konfuzius seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. „Der Konfuzianismus begünstigte die Herausbildung eines meritokratischen Bildungssystems, in dem das Bewusstsein vorherrscht, dass jeder unabhängig von seinem sozialen Status gesellschaftlich vorankommen kann.“

Dabei ging es im Konfuzianismus weniger um kritisches Denken als um das Auswendiglernen von Texten. Bei Konfuzius heißt es: „Lernen ohne zu denken ist sinnlos; aber denken ohne zu lernen ist gefährlich.“ Bis heute hat sich unter Vietnamesen  an der Vorstellung wenig geändert, dass diszipliniertes Lernen die Voraussetzung für gesellschaftlichen Aufstieg bedeutet. Allerdings scheitert das Ideal der Leistungsgerechtigkeit im Heimatland Vietnam an der wirtschaftlichen Realität. Hier dagegen gibt es kostenlose Schulen – und damit einen Einstieg zum Aufstieg.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, was Vietnamesen in Ost- und Westdeutschland unterscheidet.

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Was sind denn >charakterlose<

Was sind denn >charakterlose< Altbauviertel?

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Apollo13.10.2011 | 13:59 Uhr

Keine Model Minority

Wenn man die Parallele unbedingt aufmachen will zwischen den Asian American (USA) und den Vietnamesen (BRD), werden die armen Vietnamesen in die Sackgasse einer "model minority" getrieben. Das ist eine Zuschreibung der weissen Dominanz-Gesellschaft und ihrer Institutionen in den Medien, Politik, Wissenschaft und vor allem Erziehung.

Was ist der politische Nutzen einer "model minority" für die weisse Dominanzgesellschaft ? Sie verwendet die "model minority" wie einen Schutzschild gegen die legitimen Gerechtiggkeitsforderungen anderer Minoritäten. "Seht her die (model minority) haben das auch geschafft, und sie haben nicht nach Rechten geschrien und Sozialprogrammen. Harte Arbeit und Disziplin (der model minority) das fehlt Euch !"

Zu dem Unglück der Asian American sind sie so divers, dass einige die Fremdzuschreibung model minority wie einen Orden vor sich her tragen. Der Schuss ging bereits bei den Rassenunruhen in L.A. nach hinten los. Koreanische Läden wurden von kriminellen "black American" überfallen, die sich in den schwarzen Vierteln angesiedelt haben. Die weisse us-amerikanische Dominanzgesellschaft hielt es nicht für nötig, einen massiven Polizeieinsatz zu erwägen, um die Korean American zu schützen. Das Ereignis liess sich ja prima dazu nutzen, die Korean American zu bemitleiden und den schwarzen Peter den "blacks" zuzuschreiben. Die Wut gegen den weissen Rassismus wurde einfach umgelenkt auf die Asian American.

Die Vietnamesen in Deutschland oder der inzwischen propagierte Begriff Asiatische Deutsche haben wie die Asian American das Problem das sie im Grunde nur als Plural zu denken sind, die man nicht einfach durch eine Stimme repräsentieren kann. Asiatische Deutsche aus Nordvietnam und Südvietnam haben nichts gemeinsam, ausser die gemeinsame Diskriminierungserfahrung und den seltsamen deutschen Rassismus, um das man eine Identität aufbauen kann. Die politische Identitätsbildung läuft daher im Schneckentempo. Es wird wesentlich mehr deutscher Rassismus gebraucht, um den Schmelztiegel Asiatische Deutsche als inklusive politische Identität nutzen zu können, das dann auch Malayen, Chinesen, Koreaner, Japaner, Kambodschaner umfassen könnte. Erst mit einer Massenbasis ist ein sozialer Konflikt für eine rassismusfreie Gesellschaft möglich.

Im Moment heisst das einfach nur warten. Die Figur Sarrazin weist schon in die Zukunft. Die Mittelschichten demaskieren sich als der eigentliche Träger des Rassismus. Der gute Ton Rassismus als Inventar der Modernisierungsverlierer und Extremen abzuschieben, weicht einer neuen politischen Korrektheit - dem Sozialdarwinismus der Mittelschichten.

  • Antworten
Immigrant15.10.2011 | 14:07 Uhr

Vietnamesen

.. das ist mal wieder typisch deutsche Bürokratie, Türken und sonstige Moslems verhätschelt man (denn man Angst, man bekommt von Ihnen ein paar in die F....)
einem kleinen vietnamesischen Friseur nimmt man aber den Broterwerb - wegen einer fehlenden Lizenz (zum töten ???, die haben doch die anderen ...) ! Deutschland schafft sich total ab !

  • Antworten
John Phatum13.11.2011 | 13:14 Uhr

Diese Aussage ist nicht rassistisch?!

Dieses Kommentar über das vorgehende Bericht kann im ernst nur ignoriert werden. Ich mache mir seit langem Gedanken darüber, wo Immigranten oder eingebürgerte Deutsche in der Heimat sind eingeschlossen Ich, als Internationalistischer Kommunist und Türke, passe sowieso in keines der Weltbilder. Nur kommt es auch darauf an welcher Generation man angehört, demnach kommen subjektive Einbildungen und ein stark beeinflusstes Wissen mit gravierenden Fehlimprovisationen zu Worte, eingeschlaefert wird im Wesen fragenbewusstes Beurteilungsvermögen durch zielstrebig angepasste Gedankenführungen. Mehr bei Personen, die durch Ihr ganzes Leben mit einer bestimmten Zugehörigkeit/Nation die Zeiten durchspazieren, weil Ihnen nichts Anderes eigentlich bekannt ist.So wie alle Immigranten eingebürgert oder noch nicht, habe auch ich die verschiedensten Erfahrungen mit dem Asimilationsablauf in der eigenen Geschichte gemacht und finde das Blickfeld der, wie hier zu Ausdruck kommenden nicht Immigranten, John oder auch wenn dann ist er genau in der Einstellung zu dieser Sache wie eben vorbehalten regiert.

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Eylem Danyeli10.01.2012 | 14:34 Uhr

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