Drei Biographien, die in diesen Tagen erscheinen, widmen sich dem Leben von Peer Steinbrück und der Frage, ob er Kanzler kann. Offiziell ist in der SPD indes noch nicht entschieden, ob nun Steinmeier oder Steinbrück die Partei in den Bundestagswahlkampf 2013 führt
Es könnten Steinbrück-Festspiele in den Buchhandlungen der Republik werden und für die beteiligten Verlage ein großes Geschäft. Gleich drei Biografien erscheinen in diesen Tagen, die sich allesamt dem Leben des ehemaligen Finanzministers, des Ex-Ministerpräsidenten und des potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten widmen. Jedes einzelne Buch ist eine Wette auf die Zukunft. Bleibt Peer Steinbrück, was er derzeit ist – ein Hinterbänkler im Bundestag –, dann werden die Biografien schon bald auf den Wühltischen landen. Wird Steinbrück hingegen Kanzlerkandidat, dann haben alle drei das Potenzial zum Bestseller. Es liegt alles in den Händen der SPD.
Theo Waigel denkt noch darüber nach, ob Steinbrück das Zeug zum Kandidaten, vielleicht sogar zum Kanzler hat. „Er kann es, aber es würde nicht gut gehen“, meint Waigel. Der CSU-Politiker ist einer von Steinbrücks Vorgängern im Amt des Bundesfinanzministers. Er soll an diesem Abend über den Sozialdemokraten sprechen – und zugleich die Steinbrück-Biografie vorstellen, die zwei Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) verfasst haben. „Ob es ihm gelingt, ein Programm nach seinen Vorstellungen zu machen, das wage ich zu bezweifeln“, sagt Waigel. Nach den Eindrücken von Finanz- und Schuldenkrise bekäme einer wie Steinbrück sicher Probleme mit der SPD-Linken, spekuliert er. Schließlich empfiehlt Waigel der SPD mit ihrer Troika in den Wahlkampf zu gehen und erst im Anschluss über den Einzug ins Kanzleramt zu entscheiden. Da muss selbst Waigel lachen. Für wen er selbst sei? Vor einer Woche habe er mit Steinbrück geredet, erzählt er: „Wenn ich votiere, sei das sein politisches Aus, meinte er zu mir.“
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Der Protagonist ist an diesem Abend nicht eingeladen. Lediglich das vergrößerte Buchcover, auf dem Steinbrück diesen für ihn typischen Bulldoggen-Blick aufsetzt, hängt im Hintergrund. Selbst wenn er tatsächlich Kanzlerkandidat der SPD werden sollte, scheint das Ausmaß, in dem man über ihn dieser Tage spricht, in dem sich Journalisten an seiner Figur abarbeiten, einerseits fast unverhältnismäßig. Er war zwar mal Ministerpräsident, er war Bundesfinanzminister, aber derzeit ist er ein Politiker ohne offizielles Amt. Andererseits genießt Steinbrück in der Öffentlichkeit weiterhin großes Ansehen, zeitweise führte er gar die Beliebtheitsskala der Berliner Politik an.
„Peer Steinbrück ist eine Projektionsfläche“, lautet die Erklärung in dem Buch von Markus Wehner und Eckart Lohse. Er stellt sich selbst gerne als toughen Krisenmanager dar, als Weltökonomen, wie sein Freund Helmut Schmidt, er ist gerne harter Rhetoriker und gibt sich entschlossen. Den Scheinriesen wieder auf ein Normalmaß klein zu schrumpfen, fällt den Autoren nicht schwer. Als Ministerpräsident konnte er weder mit besonderen Ergebnissen glänzen, noch schaffte er die Wiederwahl. In der Finanzkrise hat er im Nachhinein wohl auch gezaudert, hat das Ausmaß der Krise ebenso wenig erkannt wie viele andere und agiert in Konflikten wie eine tickende Zeitbombe.
Dementsprechend widersprüchlich fällt auch das Urteil der beiden Biographen aus, wenn es am Ende nach 338 Seiten darum geht, ob er das Zeug zum nächsten Kanzler hat: „Peer Steinbrück hat viele Stärken und eine Menge Schwächen“, heißt es dort lakonisch. Interessant sind die Stärken, die zugleich auch als Schwächen daher kommen: Steinbrück ist gerne ironisch, das zwar in der Kongresshalle, aber nicht auf dem Platz davor. Das gilt auch für die rhetorische Attacke, die er so gerne pflegt. Schon des öfteren sind dem klugen Kopf die Pferde durchgegangen. Dann will er zum Beispiel die Kavallerie in die Schweiz schicken, um deutsche Steuersünder aufzuspüren. Die Schwächen sind insgesamt natürlich interessanter, sie sind komplexer, erscheinen vielschichtiger.










