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Berliner Republik

System Merkel„Die Lage der Union ist prekär“

Interview mit Volker Kronenberg23. August 2012
picture alliance
Merkel, die Alleinherrscherin
Schrift:

Die Kanzlerin habe ein „autoritäres System“ entwickelt, meint Gertrud Höhler in ihrem neusten Buch. Für vollkommen überspitzt hält Politikwissenschaftler Volker Kronenberg diese Einschätzung, im Kern habe Höhler aber  Recht. Der CDU geht es nicht gut

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Am Freitag erscheint das Buch „Die Patin“. Die ehemalige Kohl-Beraterin Gertrud Höhler rechnet darin mit der Kanzlerin ab. Der Hauptvorwurf lautet, Frau Merkel habe ein „autoritäres System“ errichtet. 
Das ist polemisch und begrifflich überspitzt. Natürlich leben wir in der Bundesrepublik nicht in einem autoritären System. Das ist Frau Höhler auch völlig klar, sie will den Begriff symbolisch verstehen und rhetorisch übertreibt sie – selbstverständlich auch, um für das Buch bzw. ihre Thesen entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.   

Nun schreibt Gertrud Höhler, das Parlament sei von Angela Merkel entmachtet und die Demokratie sei ausgehöhlt worden.
Es hat immer wieder Kritik an Angela Merkels Führungsstil gegeben. Auch die Rüge des Bundesverfassungsgerichts muss ernst genommen werden. Trotzdem: Frau Höhler überzieht mit ihrer Kritik, schließlich muss die Dramatik der Entscheidungsprozesse bei der Euro-Rettung berücksichtigt werden.

Die Kritik perlt an der Kanzlerin also einfach ab?
Dies ist zu erwarten, zumal Frau Höhler durch den Furor und die Massivität ihrer Formulierungen den eigenen Argumenten die Wirkungskraft genommen hat. Höhlers Buch wird Frau Merkel sicher nicht nachhaltig in die Defensive bringen – genauso wenig wie der Zusammenschluss von einzelnen Konservativen in ihrer Partei. Sowohl Höhlers Streitschrift als auch der parteiinterne Unmut kontrastieren auffallend mit der überwiegend positiven Wahrnehmung Angela Merkels in der breiten Öffentlichkeit.

Hat sich Gertrud Höhler in der Debatte disqualifiziert?
Nein, disqualifiziert hat sie sich nicht. Ich schätze Gertrud Höhler als Professorin, als geistreiche Beobachterin und Kommentatorin.

Worin besteht Ihrer Ansicht nach die berechtigte Kritik an Angela Merkel?
Sie erklärt zu wenig, sie konsultiert womöglich zu wenig und sie forciert die Entscheidungen sehr stark. Damit hängt auch zusammen, dass sie schon vor der Krise stark auf einen kleinen Kreis von Vertrauten gesetzt hat – damit befriedigt man sicherlich nicht das Bedürfnis nach Transparenz und Offenheit.

Die Alternativlosigkeit ist zum Prinzip von Merkels Krisenpolitik geworden. Halten Sie dies für problematisch?
Es mag Ausnahmesituationen geben, in den Entscheidungen staatspolitisch alternativlos erscheinen. Die Verantwortlichen in der Regierung haben es sich aber zu einfach gemacht. Für Politik muss geworben und sie muss überzeugend begründet werden. Angela Merkel muss erklären, wohin es mit Europa geht und sie muss sagen, wohin sie ihre Partei steuern möchte.

Seite 2: Das konservative Milieu schrumpft

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Alternativlosigkeit

"Auch die Rüge des Bundesverfassungsgerichts muss ernst genommen werden. Trotzdem: Frau Höhler überzieht mit ihrer Kritik, schließlich muss die Dramatik der Entscheidungsprozesse bei der Euro-Rettung berücksichtigt werden."

Und was muß beim Wahlrecht berücksichtigt werden, Herr Professor?

  • Antworten
paula herzog24.08.2012 | 15:31 Uhr

Naive Konservative

Viele europäische Länder beweisen es: Wenn die konservativen und Nicht-globalisierten ihren Platz in der weichgespülten Volkspartei suchen, werden sie nichts ändern und maximal eine Koalition der Strukturkonservativen mit der SPD hinbekommen. Deshalb abspalten und Union von rechts (aber bitte ohne Nazis) unter Druck setzen (für 10% sollte es reichen). Oskar hat es links vorgemacht.

Dann ist es wenigstens mit der Alternativlosigkeit vorbei.

  • Antworten
Klardenker24.08.2012 | 17:58 Uhr

System Merkel

In einer globalisierten Welt mit täglich veränderten Gegebenheiten ist
vergleichbar mit einem Unternehmen eine situations - und sachorientierte Führung erforderlich. So sehe ich das "System" Merkel.
Diejenigen, welche mit linker, rechter, grüner oder konservativer Programmorientierung regiert werden wollen, haben die Entwicklung der
Weltsituation nicht zur Kenntnis genommen.
Sicher wäre es gut, wenn Frau Merkel ihre Handlungsweise besser
kommunizieren würde. Ihre breite Zustimmung in der Bevölkerung zeigt
jedoch, dass der Bürger ganz unbewusst spürt, dass seine Interessen
zur Zeit niemand besser vertreten kann.
Ihre Gegner verkennen, dass das Gesamtergebnis für die Mehrheit - wenn auch nicht für jeden Grünen, Sozialisten, Linken, Piraten
oder Konservativen - stimmig sein muss, um 2013 bestehen zu können.
Frau Höhler ist stehen geblieben und hängt an alten Vorstellungen.
Christlich bedeutet eben auch sozial und liberal aber ebenso
leistungsbewusst und nicht sozialistisch. Nach aussen macht sie
einen beleidigten Eindruck und den verstehe ich.

  • Antworten
Sirius28.08.2012 | 12:38 Uhr

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