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 > „Die kleine Oma subventioniert den Schickimicki“

Berliner Republik

Rainer Brüderle„Die kleine Oma subventioniert den Schickimicki“

Interview mit Rainer Brüderle5. Dezember 2012
picture alliance
Rainer_Brüderle,FDP,Politik,Bundestag
Rainer Brüderle (FDP) wettert gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz der Grünen
Schrift:

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle über das Absacken seiner Partei, Solarstrom und Ampel, Rösler und Steinbrück und über seine Auszeiten auf einer inneren Insel

Seite 1 von 3

Herr Brüderle: Vor oder nach Niedersachsen?
Was meinen Sie?

Wann lösen Sie Ihren Parteivorsitzenden Philipp Rösler ab?
Wir haben einen Vorsitzenden, der meine volle Unterstützung hat.

Sie tun, als hätte die FDP mit ihren 4,5 Umfragenprozent alle Zeit der Welt.
Die FDP muss die Zeit bis zur Bundestagswahl gut nutzen, indem sie solide arbeitet. Und ich führe jetzt keine Personaldiskussion, da können Sie sich fünf Mal anschleichen.

Wir schleichen doch gar nicht. Wir fragen ganz offen, wie lange die FDP ihren Parteivorsitzenden behalten will.
Noch mal: Wir haben einen gewählten Parteivorsitzenden, der meine volle Unterstützung hat. Punkt.

Unser Eindruck ist: Sie spielen im Moment politisch auf Ballhalten. Wir können kein Thema sehen, wo die FDP ein Tor schießt.
Nur ein Beispiel: Wir haben dafür gesorgt, dass sich so manch eine Verklärung der grünen Ökostrompolitik aufgelöst hat – zum Beispiel die Vorstellung, die Energiewende, die wir alle wollen, gäbe es zum Nulltarif oder ohne neue Leitungen. Wir haben erreicht, dass die Überförderung der Solarenergie im sonnenarmen Deutschland endlich reduziert wird. Diesen Weg werden wir weitergehen, denn die derzeitige Fehlsteuerung im Bereich der erneuerbaren Energien muss schnellstmöglich beendet werden.

Sie wollen vor der Bundestagswahl das Erneuerbare-Energien-Gesetz knacken?
Das Gesetz muss gründlich überarbeitet werden. Möglichst schnell. Wir brauchen ein Mengenmodell im Rahmen eines europäischen Binnenmarkts: Energieerzeuger oder Stromhändler werden verpflichtet, einen bestimmten Anteil des Stromes aus erneuerbaren Energien zu erzeugen oder zu verkaufen. Egal ob Wind, Wasser oder Sonne. So wird die Energiewende technologieoffen. Bisher fördert das Gesetz einseitig die Fotovoltaik. Das sind Traumverträge mit einem Garantiepreis über 20 Jahre.

Und?
Drastisch ausgedrückt, subventioniert die kleine Oma in der Sozialwohnung den Schickimicki, der mit der Solaranlage seinen Swimmingpool heizt und seinen teuren Solarstrom zum hohen Fixpreis über Jahrzehnte garantiert verkauft. Mit Marktwirtschaft hat dieses Gesetz der Grünen wirklich nichts zu tun.

Sie spielen die Oma gegen die Energiewende aus, die Ihnen zu schnell geht.
Nein! Wir haben die Energiewende gemeinsam beschlossen und wollen sie. Das stellt überhaupt niemand infrage. Aber man muss die Probleme dieser komplexen Materie so beschreiben, dass die Menschen es auch verstehen. Die Energiewende soll es schnell geben, aber man muss sie technologieoffen machen, damit sie funktioniert. Und außerdem fehlen in Deutschland bisher etwa 4000 Kilometer Hochspannungsleitungen und regionale Verteilnetze. Hier erwarte ich, dass gerade die Grünen ganz vorne dabei sind, den Menschen vor Ort zu erklären, warum wir diese Stromleitungen benötigen. Immer nur nach erneuerbaren Energien zu rufen, ist zu wenig. Man muss auch redlich die Konsequenzen benennen. Das vermisse ich bei den Grünen.

Sie hören sich an wie ein Oppositionspolitiker. Sie regieren doch, oder nicht?
Wir müssen die Probleme lösen, die die Umweltminister Trittin und Gabriel uns hinterlassen haben: hohe Dauersubventionen und fehlende Leitungen. Die Energiewende kann nur wirklich gelingen, wenn auch die Länder mitziehen. Und da liegt einiges im Argen. Wir müssen weg von der Bevorzugung einzelner Technologien. Auch bei der Windenergie. Ja, sie ist effizient, aber nur, wenn wir es auch schaffen, sie von Nord- und Ostsee nach Süddeutschland zu bringen, wo die vielen Kernkraftwerke bisher waren und die Industrie auf eine sichere Energieversorgung angewiesen ist.

Die würden Sie am liebsten wieder anschalten, nicht wahr?
Nein, das ist abgehakt. Ich kenne niemanden in Deutschland, der wieder auf Kernkraft setzen möchte. Aber wir brauchen nachhaltige, stetige Energieversorgung in leistungsfähigen Netzen, sonst machen wir sie instabil. Und diese Probleme gehen wir an.

Auch in anderen Politikfeldern sind Sie beim Neinsagen gut: beim Betreuungsgeld oder bei der Vorratsdatenspeicherung. Was bauen Sie denn auf?
Dass wir einer anlasslosen Vorratsdatenspeicherung nicht zustimmen, ist sehr positiv. Wir schützen die Bürgerrechte. Wir sind nicht der Wohlfahrtsausschuss der Jakobiner, die bestimmen, was wir dürfen und wie wir zu leben haben. Wir machen liberale Politik, die auf Freiheit zur Verantwortung setzt.

Seite 2: Warum Rainer Brüderle keinen Wert auf Ämter legt

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