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Berliner Republik

CDUDie Kanzlerin, ihr Wahlverein und die Wahl 2013

Von Christoph Seils11. Juli 2011
picture alliance
Merkel, die Kanzlerin, ihr Wahlverein und die Wahl 2013
Bleibt Angela Merkel Kanzlerin?
Schrift:

Angela Merkel will 2013 wieder für die Union in den Wahlkampf ziehen. Diese Ankündig ist banal. Interessanter ist deshalb eine andere Frage: Bleibt Angela Merkel Kanzlerin?

Seite 1 von 2

Es gibt Meldungen aus der Welt der Politik, die sind eigentlich banal. Und trotzdem bestimmen sie die Schlagzeilen. Über Angela Merkel zum Beispiel wurde am vergangenen Wochenende vermeldet, sie wolle sich bei der Bundestagswahl 2013 der Wiederwahl stellen. Welch eine Überraschung. Eigentlich ist dies eher eine Nachricht aus der Kategorie, Hund beißt Mann.

Angela Merkel will also Kanzlerin bleiben, sie will in zwei Jahren wieder in den Wahlkampf ziehen. Was soll die Gute denn auch anderes sagen, wenn sie von Journalisten befragt wird. Etwa, dass sie amtsmüde sei und keine Lust mehr habe auf den ständigen Steuerstreit mit der FDP. Öffentlich zur Schau gestellte Schwäche kann sich kein Kanzler und keine Kanzlerin leisten. Dann könnte sie den Bettel auch gleich hinwerfen.

Interessanter ist da schon eine andere die Frage: Bleibt Angela Merkel Kanzlerin? Wie stehen erstens ihre Chancen, 2013 wiedergewählt zu werden und muss sie zweitens fürchten, bereits zuvor von ihren eigenen Parteifreunden aus dem Amt gejagt zu werden?

[gallery:Szenen einer Ehe – Bilder aus dem schwarz-gelben Fotoalbum]

Vorerst scheint die Gefahr eines Putsches in der Union gebannt. Seit dem unrühmlichen Abgang von Karl-Theodor zu Guttenberg findet sich in den eigenen Reihen weit und breit keine personelle Alternative, niemand der der Kanzlerin gefährlich werden könnte. Die konservativen Kritiker der Kanzlerin, von denen es viele gibt, sind führungs- und orientierungslos. Alle potenziellen Nachfolger wie Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen oder Thomas de Maizière gelten nicht gerade als Hoffnungsträger des konservativen Parteiflügels. Es gibt auch keinen starken Landesfürsten, der Merkel herausfordern könnte; den christdemokratischen Ministerpräsidenten fehlt es an Profil.

Doch es sage niemand, die Union wisse gar nicht, wie man einen Kanzler stürzt. Anders als in der SPD werden die Christdemokraten jedoch erst dann richtig unruhig, wenn sie um die Macht fürchten müssen. Nicht zufällig ist die CDU vor allem ein Kanzlerwahlverein, bei dem Programmfragen nun eine nachgeordnete Rolle spielen. 

In der Programmpartei SPD ist es andersherum. Die Sozialdemokraten hadern schon fast chronisch an der Politik ihrer Kanzler. Die Genossen machten sowohl Willy Brandt als auch Helmut Schmidt und Gerhard Schröder das Leben im Kanzleramt schwer. Aber vor dem Äußersten schreckten sie immer zurück. Willy Brand kam einem möglichen Sturz zuvor, in dem er in der Guillaume-Äffäre zurücktrat. Gerhard Schröder suchte sein Heil in der Flucht nach vorne und in vorgezogenen Neuwahlen, als er 2005 nicht mehr sicher sein konnte, dass ihm seine Partei in der Agenda-2010-Politik folgt.

Und so hat die Union in ihrer Geschichte tatsächlich schon mehr Kanzler gestürzt als die SPD, nämlich zwei: Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Beide wurden von den eigenen Leuten aus dem Amt gedrängt, als diese keine Hoffnung mehr hatten, mit ihnen eine noch Wahl zu gewinnen bzw. nicht länger auf deren freiwilligen Rückzug warten wollten. Nur Helmut Kohl regierte bis zum bitteren Ende, weil die Union 1998 nach 16 Regierungsjahren insgesamt ausgelaugt und regierungsmüde geworden war.

Womit die interessantere Frage wohl folgende ist: welche Aussichten hat die Union, 2013 die Bundestagswahl zu gewinnen und welche Aussichten hat Angela Merkel, auf eine weitere Amtszeit. Schlecht sind diese weiterhin nicht und das hat weniger mit der Erwartung zu tun, die FDP könne sich noch einmal nachhaltig erholen.

Vielmehr haben sich Angela Merkel und ihre Partei in den vergangenen Wochen machtpolitisch eine Menge Handlungsspielraum erarbeitet. Fällt die FDP mangels Masse als Mehrheitsbeschaffer aus, können sie auch auf SPD und Grüne zugehen. In der Energiepolitik hat die Union mit der Atomwende Brücken zu den Grünen gebaut. In der Finanzpolitik steht die Union der SPD wesentlich näher als dem liberalen Koalitionspartner mit seinem zum Running Gag verkommenen  Steuersenkungsversprechen.

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Frau Merkel Führungsstärke zu attestieren, kann so nicht unwidersprochen bleiben. Richtig ist allein, dass die Kanzlerin dann agiert, wenn es um die eigene Machterhaltung geht. Allein darum ging es bei der Laufzeitverlängerung - man wollte die konservative Fraktion pflegen - als auch bei dem Atomausstieg, der angesichts der öffentlichen Meinung eine Notbremse war. Es ist nicht erkennbar, dass eine dieser Entscheidungen der tiefsten Überzeugung der Kanzlerin entsprochen hätte. Sie waren taktisch motiviert. Frau Merkel vermeidet jedenfalls bei der politischen Führung des Landes, also strategisch, Entscheidungen, so lange es irgend geht. Dem Land geht es trotz, nicht wegen dieser Regierung gut. Sie ist die schlechteste, die wir je hatten.

  • Antworten
Helgoo11.07.2011 | 13:04 Uhr

Angela Merkel, die "eiserne Kanzlerin"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als Politikerin bisher wenig falsch gemacht, aber auch nicht wirklich etwas richtig hinbekommen, und aktierte stets ohne wirklichen "inneren Kompaß".
Sie beherrscht die Kunst des Lavierens wie kaum eine andere Politikerin oder ein anderer Politiker. Innerhalb ihrer Partei, der CDU, wagt niemand ernsthaft, ihr Paroli zu bieten, weil dann unweigerlich das Karriereende drohen könnte. Beredtes Beispiel eines "in der Versenkung verschwundenen" Gegenspielers von Angela Merkel verkörpert der frühere CDU-Poltiker Friedrich Merz.
Allerdings dürfte fraglich sein, ob es den beiden Unionsparteien bei der Bundestagswahl 2013 gelingt, wieder "Nummer 1" zu werden, um die Kanzlerlin oder den Kanzler stellen zu können.
Wenn Die Grünen weiter erstarken, wäre es denkbar, daß sie gemeinsam mit der SPD eine Koalitionsregierung (grün-rot oder rot-grün) bilden könnten.
Ob die Union allerdings zu einer Koalitionsregierung mit den Unionsparteien (schwarz-grün) bereit ist, dürfte die spannende Frage im Herbst 2013 sein, sofern sie sich in dieser Form stellt.

  • Antworten
Yvonne Walden12.07.2011 | 15:55 Uhr

Angela Merkel, die "eiserne Kanzlerin"

Hallo erst mal und ohne Spaß im Hinterkopf - dem geposteten Text kann man aus meiner Sicht nichts mehr hinzufügen.
Wer, wie die Bundesregierung mit Frau Merkel an der Spitze, nur blanken Aktionismus verursacht, teilweise ohne dass eine Notwendigkeit besteht und ohne dass fachlich kompetente Aussagen im Vorfeld der Aktionen eingeholt werden, der braucht sich nun nicht wundern, das mehr als 60% die jetzige Bundesregierung nicht mehr wollen und der Demokratie- sprich Wählerfrust ebenso hoch ist.
Für mich ist es egal, ob Frau Merkel noch erklärt, wiedergewählt zu werden - ich glaube nicht, dass sie es überhaupt noch will. In der EU ist bzw. wird ein Versorgungsposten frei und durch Frau Merkel freigehalten, ich denke dahin wird sie sich rechtzeitig absetzen.
Eine Träne der Regierung Merkel nachweinen muss man aber deshalb sicher, obwohl sie sicherlich als "Euro-Rettungsregierung" in die Geschichte eingehen wird, und im Besonderen, auch nicht!!

  • Antworten
Peter Westphal13.07.2011 | 18:29 Uhr

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