Fifa

Das Schweigekartell

Die Fifa-Bosse versuchen, ihre Leute mit aller Macht zum Schweigen zu verdonnern. Das gelingt aber nicht ganz. Im Cicero erheben Fußballer ihre Stimme: Sie kritisieren die WM in Katar und Russland. Chefredakteur Christoph Schwennicke stellt die Themen der Oktober-Ausgabe vor

Grobes Foulspiel bei der Fifa
Illustration: Simon Prades

Unser Autor

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Ganz kurz tauchte die Idee auf, sie kam aus Großbritannien und sollte in den Instrumentenkasten der Europä­ischen Union gegen das Russland Wladimir Putins. Aber ganz schnell schoben die Fußballfunktionäre eine Bleiplatte darüber. In dieser Frage bilden sogar die sich spinnefeinden Fußballbosse Sepp Blatter und Michel Platini eine Front. „Das ist doch albern“, erklärte Platini. Die WM 2018 bleibe in Russland – und die 2022 in Katar.

Die Idee verschwand wieder von der Brüsseler Sanktionsliste. Aber nicht aus unseren Köpfen. Die Cicero-Redaktion ist einhellig wie selten der Meinung, dass beiden Ländern das Privileg nicht gebührt, eines der größten Sportfeste der Welt auszurichten. Bei Katar stellt sich immer schon die Frage, was es eigentlich soll, in der Hitze eines Wüstenstaats Fußball zu spielen. Zu den erschreckenden Berichten über die Ausbeutung von Arbeitern auf den Baustellen von Katar kamen jüngst Hinweise darauf, dass in dem Emirat Sponsoren des islamistischen Terrors sitzen.

Und Russland: Putin hat schon die Olympischen Winterspiele zur Macht­demonstration umfunktioniert. Der deutsche Bundespräsident sah es als geboten an, nicht nach Sotschi zu reisen. Um wie weit mehr müssen diese Vorbehalte nun nach der Annexion der Krim und des Kampfes um die Ostukraine gelten.

Blatter und Platini können bei all ihrer Macht nicht alle zum Schweigen verdonnern. In diesem Heft erheben elf Persönlichkeiten die Stimme gegen das Schweigekartell – Fußballer, Trainer, Schriftsteller. Keine WM für Katar, keine WM für Russland! Manche fordern beides, manche unterscheiden. Manche schreiben abwägend, andere apodiktisch. Aber alle sind der Meinung: Darüber muss endlich geredet werden.

Der Sportjournalist Jens Weinreich beschreibt, wie es zu diesen beiden unseligen Entscheidungen kam – und ob man sie revidieren könnte. Unsere Reporterin Sarah-Maria Deckert kontaktierte an die 100 Persönlichkeiten, um eine Cicero-Elf der WM-Kritiker aufzustellen. Viele stimmten ihr hinter vorgehaltener Hand zu – und lehnten dann doch ab. Umso mehr Respekt verdient jene Elf, die sich in diesem Heft versammelt hat. Sie haben angefangen. Diskutieren Sie mit. Mischen Sie sich ein. Schreiben Sie uns Ihre Stellungnahme gegen die Fifa unter rotekarte@cicero.de oder per Twitter unter #rotekarte.

 

Die digitale Ausgabe des Magazins für politische Kultur erhalten Sie ab sofort bei iTunes (iPad-App) oder in unserem Online-Kiosk. Das gedruckte Heft gibt es am Kiosk.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

*
*
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
*