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Berliner Republik

Asylbewerber und GeduldeteDeutschland, deine Abschreckungskultur

Von Petra Sorge 18. Juli 2012
Thomas Rommel
Asylbewerber,staatliche Hilfen,Roma-Abschiebungen in den Kosovo,Gemeinschaftsunterkunft Möhlau
Asylbewerber in Sachsen-Anhalt 2010: Die Roma-Brüder Hida sind in Deutschland geboren, aber mittlerweile in den Kosovo abgeschoben
Schrift:

Die staatlichen Hilfen für Asylbewerber sind zu niedrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt. Doch das Problem ist nicht nur ein monetäres, sondern auch ein moralisches: Denn das Asylrecht ist darauf angelegt, die Hilfesuchenden möglichst schlecht zu behandeln – und abzuschrecken

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Das Leben als Asylbewerber in Deutschland ist trist, man könnte auch sagen: menschenunwürdig. Das hat nun sogar das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Die staatlichen Hilfen für Asylbewerber, Geduldete und Kriegsflüchtlinge reichen nicht zur Sicherung des Existenzminimums aus. Seit 1993 wurden die Beträge aus dem Asylbewerberleistungsgesetz nicht mehr verändert – und lagen zuletzt rund 40 Prozent unter denen von Hartz-IV-Empfängern. Künftig müssen die Sätze für Arbeitslose und Asylbewerber annähernd angeglichen werden, urteilten die Richter am Mittwoch.

Doch das erschreckend niedrige Niveau, auf das Asylbewerber hierzulande herabgesetzt werden, hat Methode. Es geht nicht um Geiz oder Sparsamkeit, sondern schlicht und einfach darum, den Hilfe suchenden Menschen das Leben so unangenehm wie möglich zu machen. Die unausgesprochene Hoffnung: Wenn die Asylbewerber jahrelang unter erbärmlichen Zuständen hausen, gehen sie vielleicht irgendwann freiwillig wieder in ihre Herkunftsländer zurück. Um weiterer Migration vorzubeugen, soll sich dort dann auch noch herumsprechen, wie restriktiv Deutschland mit den Flüchtlingen umgeht.

Geld ist dabei nur ein Teil des Problems. Noch immer werden Asylbewerber in überfüllte Unterkünfte gesteckt, weitab von der Zivilisation.

Beispielsweise die Gemeinschaftsunterkunft außerhalb des Dorfes Möhlau in Sachsen-Anhalt. Die Straße dorthin führt zwei Kilometer lang über kaputte Betonplatten, bis zum Waldrand hinaus. Es gibt hier keine Nachbarn, keinen Supermarkt, keinen Arzt. Der graue Plattenbau, in dem die Asylbewerber leben, war früher eine Sowjetkaserne. Ein verblasstes Relief im Hof zeigt einen Soldaten mit Stahlhelm. Um das Gelände herum stehen Stacheldrahtzäune.

Hier ist Seat Hida, ein junger, in Deutschland geborener Kosovo-Roma, groß geworden. Der Junge mit Basecap und Kapuzenpulli musste jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, um pünktlich zur Schule zu kommen. Für den mehr als anderthalb Stunden langen Weg musste er mit Fahrrad, Bus und Bahn fahren. In die nächstgelegene Stadt Wittenberg ziehen durften er, sein Bruder und seine Eltern nicht. Das wiederum regelt die sogenannte Residenzpflicht im Asylverfahrensgesetz: Asylbewerbern ist es demnach verboten, den Landkreis zu verlassen, in dem die zuständige Ausländerbehörde sitzt.

Bildergalerie: Verstoßen von Deutschland: Abgeschobene Roma im Kosovo

Die Hidas flohen 1995 während des Jugoslawienkrieges nach Deutschland, doch eine Aufenthaltsgenehmigung erhielten sie nicht. Sie landeten in der Duldungs-Falle: Das heißt, sie sind hier nicht länger erwünscht, sondern ausreisepflichtig. Nach der Duldung kommt nur noch die Abschiebung. Seat sagte damals, wenn er zurück in den Kosovo müsse – ein Land, das er nur aus den Nachrichten kannte –, sei seine „Zukunft zu Ende“. Immer wieder mussten die Hidas ihren Stempel vom Ausländeramt holen, mal vierteljährlich, mal monatlich. So wie die vierköpfige Familie verharren mehr als 60.000 Menschen bereits länger als sechs Jahre in sogenannten Kettenduldungen. Gesetzesinitiativen, die diesen Missstand beheben wollten, kamen längst nicht allen Betroffenen zugute.

Um den Asylbewerbern das Leben unangenehm zu machen, dient noch ein weiterer Hebel: Die Duldung enthält grundsätzlich keine Arbeitserlaubnis. Der Flüchtling darf neben den geringen Sozialleistungen, die Karlsruhe jetzt für zu niedrig befunden hat, nichts hinzuverdienen. Es gibt wenige Ausnahmen – Freiwilligendienste, Ausbildungsstellen und geringbezahlte Jobs, für die sich kein Deutscher finden konnte (das regelt die sogenannte Vorrangprüfung). Auf diese Weise hatte Seats Vater Severdjan fünf Arbeitsangebote erhalten – alle außerhalb Sachsen-Anhalts. Weil aber die Residenzpflicht griff, durfte er die Jobs teilweise nicht annehmen.

Fälle wie diese wiederholen sich täglich, zu Tausenden. Der Gesetzgeber will gut integrierten Ausländern, die sich selbst versorgen können, zwar langfristig den Aufenthalt gewähren – heißt es vollmundig. Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Und gleicht einem Bürokratenritt ähnlich des Hauptmanns von Köpenick: Ohne Arbeit gibt es keine Aufenthaltserlaubnis, ohne Aufenthaltserlaubnis keine Arbeit.

Seite 2: Dann wurden die Hidas abgeschoben

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Asyl

So what?!
Sind wir, weil wir im Herzen Europas ein stabiles und reiches Land aufgebaut haben, nun verpflichtet, das Therapiezentrum und Sozialamt für alle anderen Länder, die ihre Probleme aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in den Griff bekommen, zu sein??

  • Antworten
Monique18.07.2012 | 23:58 Uhr

Das Asylverfahren sollte schneller und flüssiger gestaltet werde

Dann können Kriegsfluechtlinge entsprechend versorgt und Wirtschaftsflüchtlinge nach Hause geschickt werden.
Denn Deutschland kann nicht das Sozialamt fuer Osteuropa ,Nahen Osten und Afrika sein.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant19.07.2012 | 02:16 Uhr

Asyl für Monique

Hallo Monique, ich hoffe du kommst nie in die Situation, dass du dein Land/Familie und Freunde verlassen muß. Ach ja warum schaffen wir nicht gleich das Asylrecht ab. So können wir, als 3.Größter Waffenhändler, den bedürftigen Menschen noch mehr Waffen verkaufen. Und wenn wir schon dabei sind können wir das Grundgesetz gleich abschaffen und der Finanzwelt das Wohl der Menschheit überlassen. Tolle Idee Monique

  • Antworten
HHanseat19.07.2012 | 16:47 Uhr

Manchmal wünschte ich, das

Manchmal wünschte ich, das Leute die solche Kommentare schreiben auch mal Asyl beantragen müssen. Und meist sind es Leute, die selber vom Staat Geld beziehen und nicht zum Wohlstand und Weiterentwicklung von Deutschland beitragen.

  • Antworten
Shaggy19.07.2012 | 17:20 Uhr

An: Monique und Lill-Karin Bryant

Bitte lesen Sie den Artikel doch noch mal genau durch. Es geht hier um Asylbewerber! Nicht um das "Therapiezentrum" oder "Sozialamt" Osteuropas. Der Begriff "Therapie" kommt übrigens aus dem Griechischen und heisst übersetzt so viel wie "mit Eifer dienen". Und das tut der deutsche Staat den Asylbewerbern gegenüber nun wirklich nicht, wie das BVG und dieser Cicero Artikel treffend festgestellt haben.
Es geht auch nicht darum, das "Sozialamt Osteuropas" zu sein. Wir sprechen nach wie vor von Asylbewerbern. Für diese gibt es ein entsprechendes Recht in der deutschen Verfassung. Das Grundgesetz garantiert jedem Menschen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Menschen in Notlagen gilt es zu helfen.

PS: "Sind wir, weil wir im Herzen Europas ein stabiles und reiches Land aufgebaut haben, nun verpflichtet[...]"
-> Wer ist "wir"?
-> Woher kommt wohl der Wohlstand? Haben Sie schon mal an die Migrationsgeschichte der BRD gedacht? Oder daran, dass die BRD wie kein anderes Land vom europäischen Markt profitiert?

  • Antworten
Tim Waits19.07.2012 | 21:18 Uhr

Eine Frage die ich gerne mal Asylbewerbern stellen moechte

ist die Frage warum sie sich ausgerechnet die Bundesrepublik Deutschland ausgesucht haben.. Schliesslich hat Deutschland keine direkten Grenzen zu den Laendern aus denen sie Asylbewerber kommen. Sie muessen als ueber
andere Laender eingereist sein aus bestimmten Gruenden. Sicherlich, einige kommen weil sie Familien Mitglieder in D haben und in dem Fall sollte man ihnen Asyl gewaehren mit der Auflage dass sie schon in D lebende Familie sich verpflichtet fuer sie aufzukommen wie es auch in anderen Laendern gemacht wird. Dass Kriegsfluechtlinge aufgenommen werden ist keine Frage,das sind Leute die wirklich Hilfe brauchen .
Aber ich denke nicht dass es sinnvoll ist eine unbegrenzte Menge von
Armutsfluechtlinge aufzunehmen,die auf Jahre nicht auf dem Arbeitsmarkt qualifiziert sein werden und nie auch nur einen Euro in das Sozialsystem zurueck zahlen werden.Das Sozialnetz ,egal wie loecherig es geworden ist, muss Geld bekommen um seine Aufgabe zu erfuellen.Und Geld faellt nun mal nicht vom Himmel sondern muss auf
Erden erarbeitet werden und in diesem Fall vom deutschen Steuerzahler.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant20.07.2012 | 13:57 Uhr

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