Auf der Baustelle des Flughafens Berlin-Brandenburg International herrscht nur noch Lug und Trug. Entscheidende Antworten bleiben auch die Regierungschefs Wowereit und Platzeck schuldig. Politische Verantwortung übernimmt niemand
In Berlin ereignet sich derzeit ein eigenartiges, um nicht zu sagen, peinliches Schauspiel. Woche für Woche werden neue Details des Flughafen-Desasters bekannt. Die Liste der Pleiten, Pannen und Fehlplanungen beim Bau des Flughafens Berlin Brandenburg International (BER) wird immer länger. Die Politik steht hilf- und ratlos daneben, die Öffentlichkeit staunt.
Das Chaos ist so groß, dass der neue Flughafen möglicherweise erst 2014 in Betrieb geht. Zwei Jahre nach jenem Eröffnungstermin, der 27 Tage vor den bereits geplanten Feierlichkeiten am 3. Juni völlig überraschend abgesagt wurde. Doch längst ist klar: Die im Mai angeführten Probleme beim Brandschutz waren vorgeschoben. Der Flughafen, der die arme deutsche Hauptstadt ökonomisch in eine neue Zeit katapultieren sollte, ist offenbar komplett fehlgeplant worden. Eine Bauaufsicht hat es faktisch nicht gegeben.
Das Berliner Flughafendesaster ist längst ein Politikum und ein ungeheurer politischer Skandal. Er steht in einer Reihe mit den großen Skandalen der Berliner Landespolitik: mit dem Bauskandal der 1980er Jahre und dem Bankenskandal der 1990er Jahre. Doch von einer vergleichbar aufgeladenen politischen Stimmung ist in der Stadt nichts zu spüren. Es gibt weder Proteste noch Rücktrittsforderungen. Die Berliner tragen das Flughafen-Desaster stattdessen mit Galgenhumor. Das Milliardengrab regt niemanden auf, irgendjemand hat schließlich noch immer Berlins Schulden bezahlt. Auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld wird derweil um die Wette improvisiert. Das funktioniert so gut, dass man den Eindruck gewinnen kann, der neue Flughafen wird eigentlich überhaupt nicht gebraucht.
Auf der BER-Baustelle explodieren hingegen die Kosten. Eigentlich sollten der Bau nur 2,83 Milliarden Euro und dann 3,5 Milliarden Euro kosten. Nun wäre es keine Überraschung mehr, wenn der neue Berliner Flughafen am Ende mehr als doppelt so viel Geld verschlingen würde, wie ursprünglich veranschlagt. Ein Mehraufwand von etwa 1,7 Milliarden Euro wird mittlerweile eingeräumt, aber dabei wird es wohl nicht bleiben. Nicht vergessen ist auch, dass Hunderttausende Anwohner jahrelang über die tatsächlichen Flugrouten und das tatsächliche Ausmaß des Fluglärms im Unklaren gelassen wurden. Allein die zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen, die nun notwenig werden, kosten mehr als eine halbe Milliarde Euro. Dafür ist der Flughafen, wenn er im Jahr 2014 tatsächlich eröffnet werden sollte, dann schon wieder zu klein.
Peinlich, peinlich. Und was macht die Politik? Die politisch Verantwortlichen in den Ländern Berlin und Brandenburg sowie im Bund tauchen ab, ducken sich weg. Die drei Bauherren tun so, als hätten sie mit alldem nichts zu tun. Dabei fragt man sich, was skandalöser wäre, wenn die Politiker in den Aufsichtsgremien bei dem Lug-und-Trug-Spiel der letzten Jahre mitgemacht hätten oder wenn sie von alldem nichts geahnt haben und die Flughafen-Manager ihnen jahrelang auf der Nase herumgetanzt wären. Dass Politik immer noch schützend die Hand über den Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz hält, lässt Ersteres vermuten.
Seite 2: Wowereit und Platzeck spielen auf Zeit











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