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 > Der Vulgärmarxist der Linkspartei

Berliner Republik

Bernd RiexingerDer Vulgärmarxist der Linkspartei

Von Reinhard Mohr15. Juli 2012
picture alliance
Bernd Riexinger, Chef der Linkspartei, linker Hardliner, Lafontaines Marionette
Linke-Chef Bernd Riexinger gilt als Hardliner und Marionette Lafontaines
Schrift:

Wenige kennen Bernd Riexinger – und die ihn kennen, reden nicht gut über ihn. Wer ist dieser neue Chef der Linkspartei, der sich nur mit Lafontaines Hilfe auf dem vergangenen Parteitag durchsetzen konnte? Ein Porträt

Seite 1 von 2

Da stand er plötzlich auf der Bühne der Lokhalle in Göttingen und wusste selbst nicht, wie ihm geschah. Eine Woche zuvor hatte Bernd Riexinger, 56, noch nicht die geringste Ahnung von seinem bevorstehenden Karrieresprung. Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch – das waren die großen Antipoden des verzweifelten Machtkampfs um die Führung der krisengeschüttelten Linken. Ihn kannte kaum einer, selbst in der eigenen Partei nicht.

Und dann passierte es. Als sich die Polit- Elefanten endgültig gegenseitig blockiert hatten, schlug Riexingers Stunde: Der Genosse Parteisoldat wurde General. „Hinbestellt und reingewählt“, so beschreibt ein Insider den Coup der Lafontaine-Fraktion, den Verdi-Geschäftsführer des Bezirks Stuttgart und Landessprecher in Baden-Württemberg zum zweiten Bundesvorsitzenden der Linkspartei zu küren. Zwar entsprachen die 53,5 Prozent, die er erhielt, nicht gerade dem üblichen Spitzenergebnis sozialistischer Krönungsmessen, dafür aber wurde von seinen Genossen anschließend lautstark die Internationale angestimmt und der unterlegenen Bartsch-Fraktion der Antifa-Refrain „Ihr habt den Krieg verlor’n!“ entgegengeschleudert.

Nun also soll ausgerechnet der Mann die zerstrittenen Lager einen, der selbst als linker Hardliner und Freund, ja „Marionette“ und „Schießbudenfigur“ Lafontaines gilt. Ein schlechtes Omen kam umgehend aus der Zollernalb: Der dortige Kreisvorstand trat geschlossen zurück. Begründung: Mit Riexinger an der Bundesspitze sehe man keine Möglichkeit mehr, die nächsten Wahlen erfolgreich zu bestehen: „Bernd Riexinger als herausgehobener Vertreter jener Mischung aus gewerkschaftlichen Dogmatikern und städtisch geprägten Demo-Linken wird Die Linke noch tiefer in die Krise treiben.“ Auch die „zum Wesen der Linken gehörende Leidensfähigkeit“ habe „Grenzen“.

Der gelernte Bankkaufmann fing bei der Leonberger Sparkasse an, wechselte aber schon mit 25 Jahren vom Bankschalter ins Büro des freigestellten Betriebsrats. 1991 wurde er hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft „Handel, Banken und Versicherungen“ (HBV), die 2001 im Verbund der neu gegründeten Organisation Verdi aufging. Seitdem sitzt er, nun auch schon elf Jahre lang, als Verdi-Bezirkschef in Stuttgart – ein lupenreiner Gewerkschaftsfunktionär. Kürzlich bilanzierte er auf einem Kongress mit dem zumindest grammatikalisch waghalsigen Titel „Marx is’ muss“ voller Stolz die rekordverdächtige Zahl von Streiktagen in seinem Bezirk: „Streiken ist ein bisschen wie Fahrradfahren: Wenn man es erst mal erlernt hat, dann verlernt man es auch nicht so schnell wieder.“

Seite 2: Riexinger sei politisch „ohne jeden Instinkt, eine strategische Niete“

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Kuriose Kronzeugen

Ein anonymer Gewerkschafter aus Berlin und ein kurioser Kreisvorstand aus Zollern-Alb, der wegen besserer Betreuungsmöglichkeiten nach Berlin zieht, als Kronzeugen. Ich hätte Riexinger nie gewählt, aber diesen Dünnpfiff-Artikel hat weder er noch Cicero verdient.

  • Antworten
Anton Brenner16.07.2012 | 15:49 Uhr

Auch ein neuer

Auch ein neuer Parteivorsitzender kann und muß hinzulernen. Dies sollten wir auch Bernd Riexinger zugestehen.
Immerhin scheint Riexinger nicht vom Schlage jender Gewerkschaftsfunktionäre, die mit aller Gewalt in die Aufsichtsräte großer, möglichst DAX-notierter Unternehmen einrücken möchten, weil es dort Pfründe gibt, von denen übliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur träumen können.
Mit "den Großen am Tisch sitzen" beduetet zumeist auch, deren Denkweise zu übernehmen. Gewerkschaftliche Argumentationen geraten dadurch ins Abseits.
Nicht so offenbar bei Bernd Riexinger. Er fühlt sich offenbar nach wie vor als Vertreter der sogenannten "Kleinen Leute", die dazu dienen, den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern "die Taschen füllen zu müssen".
Unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung schreit geradezu nach einem Wechsel hin zu einem "Demokratischen Sozialismus", den auch Bernd Riexinger anstrebt.
Das hat mit Vulgär-Marxismus nichts zu tun - im Gegenteil. Die Marx`schen Thesen sind heute angesichts der Staats- und Finanzkrisen aktueller denn je.
Hoffentlich gelingt es Bernd Riexinger, gemeinsamt mit Katja Kipping und anderen, zu neuen Ufern zu gelangen, zu Ufern, von denen wir durch die Altparteien CDUCSUFDPSPD weiter denn je entfernt sind.

  • Antworten
Yvonne Walden16.07.2012 | 18:26 Uhr

Der neue Vorsitzende ist der Vulgärmarxist der Linkspartei

Danke Yvonne Walden,ich hätte es nicht besser kommentieren können!!!

  • Antworten
Bruno Schmitt18.07.2012 | 15:16 Uhr

Stimmt!

Sehr treffender Artikel! Unabhängig von Riexinger: Die SED-Linke gehört schon lange auf den Müll der geschichte.

  • Antworten
Graff17.07.2012 | 22:00 Uhr

Schaumschlagende Hetze

Ein unwürdiger Artikel für Cicero. Hier geht es nicht um eine objektive Auseinandersetzung mit BErnd Riexinger, hier geht es eher um einen persönlich verletzen ehemaligen Genossen, der sich nun als Kronzeuge gegen seine ehemlige Partei im Rampenlicht der bürgerlichen Presse sonnt. Jemand als staatsgläubigen vulgärmarxistischen Brachial-Keynesianer zu bezeichnen und ihm vorzuwerfen, seine politische Praxis gründe auf dem Bedürfnis seiner persönlichen profilierung, hat von linker und gewerkschaftlicher Politik nicht verstanden und wirkt destruktiv auf die sozialen Kämpfe der vergangenen Jahre.

Das diese Aussagen eines angelichen DGB-Kollegen unter stützt durch einen trotzigen und zustimmenden Ton des nicht gerade der Objektivität verpflichteten Autoren unhaltbar und emotional bis persönlich aufgeladen sind, dürfte klar sein, wer sich die Arbeit von Bernd Riexinger in Stuttgart anschaut und sein Agieren als linken Gewerkschafter.

Dieser Artikel kann getrost im Papierkorb unter "schaumschlagende Hetze" entsorgt werden

  • Antworten
danohase18.07.2012 | 14:26 Uhr

Muss man Mohrs

Muss man Mohrs vorurteilsgeladenen Quark nun auch noch bei Cicero lesen? Er mag die Linke nicht und hat das jahrelang mitgeteilt. Das ist auch nicht abendfüllend. Und erst das Niveu! Ein anonymer Tippgeber hier, ein ungenannter Denunziant dort - das reicht für einen Artikel? Vielleicht hat Mohr sich die Geschichte ja nur ausgedacht, weil er gekränkt ist, da Riexinger ihn hat abfahren lassen. Lieber Cicero: No More Mohr! Dieser Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen.

  • Antworten
D. Schaffdichab18.07.2012 | 14:29 Uhr

Schlechter Stil

Da scheint der Redakteur beleidigt gewesen zu sein. aber es ist noch lang kein Grund a) unzureichend zu recherchieren b) dubiose Zeugenaussagen abzu schreiben c) Einsatz für Arbeitnehmerrechte mit Vulgärmarxismus gleich zu setzen. Das ist nicht nur schlechter Stil. Das ist schlechter Journalismus

  • Antworten
Ben Brusniak18.07.2012 | 14:40 Uhr

Stammtisch

Der Autor hat sich anscheinend nicht einmal im Ansatz die Mühe gemacht, die Hetze in diesem Artikel ein klein wenig subtiler zu gestalten. Fehlende Objektivität, fragwürdige Quellen und Worthülsen wie "Gewerkschafts-Dogmatiker" und "Vulgärmarxismus" runden das Bild dieses auf Spon-Niveau befindenden Artikels ab.

  • Antworten
Simon18.07.2012 | 15:01 Uhr

Da merkt man doch aus jeder

Da merkt man doch aus jeder Zeile die Uninformiertheit des Autoren. Hier ein anonymer Hinweisgeber und da ein durchgeknallter Kreisvorstand, den man an anderer Stelle wohl gern als "Fundi" und "Hort des Wahnsinns" bezeichnen würde. Dann einmal Hardliner, dann wieder behäbiger Gewerkschaftssekretär, einmal staatsgläubig, dann soll der Staat der Feind sein. Was denn nun? Die alte langweilige Parolenschreiberei gegen Linke-Protagonisten funktioniert jetzt nicht mehr, zumindest ist sie hier heftig gescheitert. Wenn aus einem zurückhaltenden, leisen und sehr freundlichen Menschen plötzlich wieder ein krawalliger Altlinker gemacht wird, scheint der Kampfschreiberladen an die Wand gefahren zu sein. Müssen wir morgen dann lesen, dass Katja Kipping eine verbohrte Altkommunistin ist, die die Stalin und die DDR verherrlicht?

  • Antworten
Klaus 18.07.2012 | 16:19 Uhr

Unwürdige Art und Weise des Umgangs

Werte Leser_innen, als hauptamtlicher DGB Gewerkschafter und Landesvize der Linken in Thüringen, missfällt mir nicht nur die Art und Weise wie hier über einen Kollegen hergezogen wird, ja wie hier ein durchaus kritischer Kollege mit Häme überhäuft wird, nein ich empfinde es sogar als journalistisch unwürdig was hier geschrieben steht. Kein Wort über den Erfolg Bernd Riexingers innerhalb der Gewerkschaftsbewegung auch kritische Diskurse zu führen und selbst das erkämpfte Streikrecht wird negativ dargestellt. Was ist los in der Cicero Redaktion? Ist der Schreiber sauer, weil Riexinger nicht sofort Zeit hatte für ein Interview. Oder geht es vielleicht überhaupt nicht um ihn als Person, sondern um eine Partei, die nicht gewollt ist?

  • Antworten
Sandro Witt18.07.2012 | 17:40 Uhr

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