Mit dem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück setzt die SPD-Troika auf Risiko. Aber die Alternative wäre, die Bundestagswahl 2013 mit Sigmar Gabriel oder Frank-Walter Steinmeier schon vor dem Wahlkampf verloren zu geben. Ein Kommentar
Die Entscheidung ist gefallen. Peer Steinbrück wird SPD-Kanzlerkandidat. Nach Recherchen des Magazins Cicero laufen die Gespräche zwischen dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück darauf hinaus, dass der ehemalige Bundesfinanzminister die Bundeskanzlerin bei der Bundestagswahl im September kommenden Jahres herausfordert. Mit dem 65jährigen rechnet sich die Troika gegen Angela Merkel die größten Wahlchancen aus. Zudem soll die Kandidatenkür vorgezogen werden. Noch dieses Jahr will die SPD ihren Kanzlerkandidaten also offiziell ausrufen. Nur noch pflichtschuldig wird die Recherche des Magazins Cicero in der Parteizentrale dementiert.
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Leicht wird es Peer Steinbrück seiner SPD nicht machen. Er ist ein eigenwilliger Kopf, auch im persönlichen Umgang nicht immer einfach. Der Ex-Finanzminister der Großen Koalition liegt mit seinen politischen Vorstellungen häufig quer zur Parteimeinung. Vor allem für linke Sozialdemokraten ist Steinbrück ein rotes Tuch, weil dieser auch als Kanzlerkandidat weiterhin die Rente mit 67 und die Agenda 2010 verteidigen wird.
Einen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück werden die SPD-Genossen also nicht ohne lautes Murren schlucken. Es ist eine mutige Entscheidung der SPD-Troika, mutig vor allen auch von Sigmar Gabriel. Er muss seinen Parteifreunden die Personalentscheidung vermitteln und diese vielleicht sogar mit der Autorität seines Amtes durchsetzen. Doch nach Lage der Dinge ist es trotzdem eine richtige Entscheidung, Peer Steinbrück zum SPD-Kanzlerkandidaten zu küren, vor allem eine folgerichtige.
Steinbrück spricht neue Wähler an, er kann die SPD zur Mitte hin öffnen. Der FDP wird es zugleich schwerfallen, Steinbrücks Werben um eine rot-gelb-grüne Ampelkoalition brüsk zurückzuweisen. Auch die Liberalen wollen gerne weiter regieren und sie können kaum davon ausgehen, dass es 2013 im Bundestag noch einmal eine bürgerliche Mehrheit gibt.
Somit kann der Kandidat Steinbrück für die SPD im Wahlkampf des kommenden Jahres eine neue politische Dynamik entfalten. Eine Dynamik, die die Partei dringend braucht. Denn bislang klangen alle sozialdemokratischen Siegesparolen eher schal. Selbst viele Genossen haben diese nicht geglaubt. Vor allem fehlt der Partei eine realistische Machtoption jenseits der Rolle des Juniorpartners in der Großen Koalition.
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