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Berliner Republik

Matthias PlatzeckDer Provinzkönig von Potsdam

Von Christoph Seils24. September 2012
picture alliance
Matthias Platzeck,Brandenburgs Ministerpräsident,Sommerreise Oderbruch
Tingeln, Strahlen, Hände Schütteln: Matthias Platzeck kümmert sich, hier bei einer Sommerreise im Oderbruch
Schrift:

Völlig unangefochten regiert der Sozialdemokrat Matthias Platzeck das Land Brandenburg. Ihm können weder spektakuläre Firmenpleiten, unrealistische Versprechen noch das Flughafen-Desaster etwas anhaben. Das liegt auch daran, dass die Landes-SPD gar keine richtige Partei ist

Seite 1 von 2

Er ist unbestritten ein großes politisches Talent und einer der beliebtesten deutschen Sozialdemokraten. Er war vor ein paar Jahren für kurze Zeit SPD-Vorsitzender und hätte 2005 Außenminister der Großen Koalition werden können. Und hätte sich Matthias Platzeck nicht vor sechs Jahren gegen eine bundespolitische Karriere entschieden, würde bei der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten für 2013 in diesen Tagen auch sein Name zu hören sein.

Statt dessen stand Brandenburgs Ministerpräsident an diesem Samstag in Luckenwalde auf einer kleinen politischen Bühne. Gestritten wurde auf dem SPD-Landesparteitag wurde unter den Genossen wenig, nur vor dem Saal demonstrierten ein paar Gewerkschafter gegen die Rente mit 67. Ein großes Familientreffen. Mit 93,5 Prozent wählten die Delegierten Matthias Platzeck zum SPD-Landesvorsitzenden, zum siebten Mal in Folge.

Platzeck ist ein Phänomen. Seit zwölf Jahren steht er der Brandenburger SPD vor, weit und breit ist kein innerparteilicher Konkurrent in Sicht. Seit zehn Jahren ist der 58-Jährige zudem Ministerpräsident von Brandenburg. Erst regierte er mit der CDU und seit 2009 gemeinsam mit der Linkspartei. Ein Ende der Dauerregentschaft ist nicht abzusehen. Längst stellt sich Platzeck auf eine weitere Amtszeit ein. Aktuellen Umfragen zufolge wollen derzeit 39 Prozent der Wähler in Brandenburg SPD wählen, der Koalitionspartner Linke und die oppositionelle CDU folgen weit abgeschlagen.

Bildergalerie: Forsa-Umfrage: Das Duell der „Stones“

Dabei läuft es in der Landespolitik alles andere als rund. Noch vor Kurzem etwa wurde Frankfurt (Oder) auch von Ministerpräsident Platzeck als Deutschlands Solarhauptstadt gefeiert. Doch die Erfolgsgeschichte währte nur kurz. Im Oktober schließen im Osten Brandenburgs zwei Solarfabriken, 1200 Beschäftige verlieren ihren Arbeitsplatz. Auch die beiden anderen Solarfirmen am Ort kämpfen ums Überleben und bauen massiv Arbeitsplätze ab. Wieder einmal sind große märkische Träume geplatzt, wie zuvor zum Beispiel die von einer großen Chipfabrik, dem Cargo-Lifter oder der Formel-1-Strecke in der Lausitz. Wieder einmal hat Platzeck zu viel versprochen.

Vor allem aber ist der Ministerpräsident mitverantwortlich für das Desaster und die explodierenden Kosten auf Deutschlands peinlichster Großbaustelle, dem Flughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI). Doch während sein Amtskollege Klaus Wowereit in Berlin wegen des Flughafen-Desasters in der Beliebtheit abgestürzt ist, lieben die Brandenburger ihren Matthias Platzeck wie eh und je.

Lesen Sie auf der nächsten die fünf Gründe für Platzecks Popularität

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Gegen derartige Provinzkönige gibt es nur ein Rezept: Länderfinanzausgleich radikal herunterfahren bis die Landesregierung und alle ihre Wähler auf dem eigenen 'Boden der Realität' angekommen sind.

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Bernhard Kopp25.09.2012 | 10:22 Uhr

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