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Berliner Republik

Große KoalitionDer falsche Sehnsuchtsort der politischen Eliten

Von Christoph Seils13. April 2012
picture alliance
Große Koalition, Bundestag, Bundestagswahl 2013
Sehnsuchtsort auch für den Bund: Große Koalition ab 2013
Schrift:

Jetzt wirbeln auch noch die Piraten die politische Landschaft völlig durcheinander. Rettung und Halt soll 2013 die Große Koalition bringen, nur wird dies den Parteienverdruss noch weiter anheizen

Seite 1 von 2

Es hat sich herumgesprochen. Die Bundestagswahl im September 2013 könnte im Patt enden. Schwarz-Gelb hat sich in der Regierung aufgerieben, die rot-grünen Machtträume sind längst geplatzt. Schwarz-Grün ist nicht in Sicht. Auf der einen Seite ist die FDP zu schwach, um dem bürgerlichen Lager erneut zu einer Mehrheit zu verhelfen. Selbst dann, wenn es den Liberalen doch noch gelingt, dem politischen Tod von der Schippe zu springen. Auf der anderen Seite ist die Hoffnung von SPD und Grünen, der Piratenhype könne bis Herbst 2013 vorbei sein und die Linke könne sich bis dahin selbst zerlegt haben, naiv und realitätsfremd. Zwar wählt die Mehrheit der Deutschen links, trotzdem ist das linke Lager nicht regierungsfähig. Denn die Linkspartei lässt sich nicht beziehungsweise nur zu ihren irrealen Bedingungen in die Regierungsverantwortung einbinden. Was die Piraten wollen, wissen diese zu allererst selber nicht.

Die Zeichen für die nächste Bundesregierung stehen derzeit also auf Große Koalition. Union und SPD beginnen sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass kein anderes klassisches Regierungsbündnis eine Mehrheit finden wird. Viele Politiker beider Parteien erinnern sich zudem noch gern an die vergleichsweise vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen 2005 und 2009. Viele Berater und Lobbyisten, die sich in Berlin tummeln, bereiten sich bereits auf deren Neuauflage vor.

[gallery:Szenen einer Ehe – Bilder aus dem schwarz-gelben Fotoalbum]

Der scheinbar irrationale Zulauf, den derzeit die Piraten erleben, sorgt für zusätzliche Verunsicherung in der politischen Klasse und dafür, dass die Altparteien noch enger zusammenrücken. So wird vor allem für viele Christdemokraten die Große Koalition zum machtpolitischen Sehnsuchtsort. Die Sozialdemokraten hingegen wissen, dass sie sich allein aus staatspolitischer Verantwortung dem Werben der Unionsparteien nicht werden entziehen können. Selbst wenn sie noch schmerzhafte Erinnerungen an den Absturz auf 23 Prozent bei der Bundestagswahl 2009 haben.

Tatsächlich scheint es ein paar gute Argumente für die Große Koalition zu geben. Haben Union und SPD zwischen 2005 und 2009 nicht erfolgreich sowie im Vergleich zu Schwarz-gelb recht reibungslos und vertrauensvoll zusammengearbeitet? Können die beiden großen Parteien das Land nicht gemeinsam am Besten regieren? Braucht das Land angesichts eines Vielparteiensystems und Wählern, die immer unberechenbarer werden, nicht erst recht eine stabile Regierung? Hat sich nicht zuletzt im Saarland gezeigt, dass Drei-Parteien-Koalitionen nicht funktionieren? Ist es nicht notwendig, dass die CDU, CSU und SPD die existenziellen politischen Herausforderungen des Landes, wie z.B. die Energiewende oder die Eurorettung gemeinsam bewältigen.

Hinzu kommt: Schon in den nächsten Wochen, wenn im Bundestag und Bundesrat über die Einrichtung eines dauerhaften Europäischen Rettungsfonds (ESM) entschieden wird, braucht die Regierung die Stimmen der SPD, weil für den ESM das Grundgesetz geändert werden muss. Einmal mehr wird sich zeigen, dass es in Sachen Euro schon jetzt eine Große Koalition gibt.

Lesen Sie weiter, warum die Große Koalition das Parteinsystem untergräbt...

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Die linken Parteien zerfleischen sich gegenseitig und...

die Union frisst sich selbst. Sollte tatsächlich die große Koalition bevorstehen, wäre das Jahr 2017 die "Stunde Null" der Berliner Republik. Die Grünen werden sich mit den Piraten prügeln und die Linke braucht dafür bekanntlich keinen Gegner. Die SPD wäre am Ende keine Volkspartei mehr. Das Kanzlerprinzip Merkel würde die "Sozen" nach nur einer Legislaturperiode zu einer Splitterpartei kleinregieren, die mehr damit beschäftigt ist ihre Basis zu gewinnen als Wähler. Angela Merkel ist andererseits auf dem bestem Weg ihrem politischen Ziehvater in die Fußstapfen zu treten. Genau wie Kohl, sonnt sich das einstige "Mädel" auf der besten Strandliege ohne ernstzunehmende Konkurrenz und vergisst dabei die Kronprinzen, die in ihrem Schatten groß geworden sind. 2017 wird Merkel das angetan, was sie Kohl angetan hat. Sie hätte es eigentlich besser wissen müssen.

Achja, die Tatsache, dass eine große Koalition, durch ihre nivillierte Politik die Verdrossenheit aka Piratenwählerschaft in sichere zweistellige Sphären katapulitert bedenkt Keiner. Traurig.

  • Antworten
Igor Matviyets16.04.2012 | 13:39 Uhr

Ideologische Schlachten

Wer kann mir von den Artikelschreibern mal sagen, wo im deutschen Bundestag noch ideologische Schlachten ausgetragen werden? Ob die SPD gut beraten ist sich wieder auf eine große Koalition einzulassen darf durchaus bezweifelt werden. Denn alle die als Anhängsel der CDU ihr zur Macht verholfen haben im Nachhinein mehr als nur Stimmen verloren, Ansehen mit einbegriffen. Mag dem Herrn Steinmeier und Looser bei der Kanzlerkandidatur gegen Merkel es zwar Recht sein weiterhin seine schützende Hand über Frau Merkels Politik zu halten, wie er es in der großen Koalition getan hat, doch er wird mit tränenden Augen erkennen dass die SPD ein weiteres Mal in die Bedeutungslosigkeit getrieben wird. Genau so ist es der FDP ergangen. Eine Partei die kein soziales Profil mehr hat, weil es von Frau Merkel occupiert wurde, wird sicher untergehen,das ist sicher wie das Amen in der Kirche. Der Wähler ist nicht so dumm wie die Politgroßen annehmen. Wenn sie schon eine neoliberale Partei haben wollen, dann wählen sie doch besser das Orginal, als eine rotes Plagiat.

  • Antworten
Helmut Werner16.04.2012 | 18:37 Uhr

Parteien

- was wollen Sie denn ?
- schon vergessen - die sog. GRÜNEN - ??
- der bay. Ministerpräsident FJS erklärte im deutschen Bundestag :
- die Grünen sind eine Partei der TERRORISTEN ! und es werde nie eine
Zusammenarbeit geben !
- heute küsst man den GRÜNEN den PO und man buhlt sie an - doch in eine große Koalition mit einzutreten - schon vergessen ??

- die Piraten ; werden denselben Erfolg haben , da richtiger Weise, der Bürger / Wähler die Schnauze voll hat !

- aber man wird schon einen Weg finden, auch die Piraten in die RECHTE Ecke zu drängen ,! Wetten ??

  • Antworten
caro16.04.2012 | 19:24 Uhr

Verzweifeltes "Stimmvieh"

Die Frage, die ich mir stelle, müßte eigentlich in allen Politikerköpfen von SPD,CDU, Grüne und FDP herumspuken: Wie verzweifelt und unzufrieden mit der derzeitigen Politik müßen die Wähler sein um den Piraten ihre Stimme zu geben ? Die Frage, die sicvh gleich im Anschluß einstellen müßte lautet: Haben wir vielleicht in den letzten Jahrzehnten etwas falsch gemacht, daß sich die Menschen von uns abwenden ?????????
Vor Allem unser "geliebte" Kanzlerin sollte sich diese Fragen stellen !

  • Antworten
Stefan Roth17.04.2012 | 10:15 Uhr

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